Autoren: Amelie Chowna, Head of Fixed Income Strategic Initiatives; Alex Mack, Head of Rates and Inflation; Philipp Königsmarck, Head of Wholesale Distribution Northern Europe
Über viele Jahre galt die Duration als das wichtigste Instrument zur Absicherung von Kreditrisiken. Die jüngsten Marktentwicklungen haben diese langjährige Annahme jedoch infrage gestellt. Insbesondere die Rückkehr der Inflation im Jahr 2021 hat die Wirksamkeit der Duration als Absicherung gegen Kreditrisiken beeinträchtigt, da sich die Korrelationsmuster zwischen Kreditspreads und Staatsanleiherenditen verändert haben. Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass Anleger die Rolle der Duration innerhalb von Anleiheportfolios neu bewerten sollten.
Eine veränderte Marktlandschaft
Zwischen 2008 und 2020 gingen sinkende Renditen von Staatsanleihen in Phasen steigender Risikoaversion typischerweise mit einer Ausweitung der Kreditspreads einher. Diese negative Korrelation half dabei, Verluste im Portfolio abzufedern, und stärkte die Wahrnehmung der Duration als stabilisierendes Element.
Mit der Rückkehr der Inflation im Jahr 2021 änderte sich diese Beziehung jedoch grundlegend. Das aktuelle Umfeld stellt die langjährige Auffassung infrage, dass Duration eine Position ist, die man einfach „kauft und hält“. Heute benötigen Anleiheinvestoren einen aktiven und dynamischen Ansatz für das Durationsmanagement in ihren Portfolios.
Wir betrachten drei zentrale Fragen, die sich Anleger häufig stellen, wenn sie entscheiden, wie viel Duration sie in einem Anleiheportfolio halten möchten:
1. Was wird mit den Zinsen passieren?
Theoretisch sollte die Beantwortung dieser Frage die Positionierung hinsichtlich der Duration bestimmen. In der Praxis ist es jedoch äußerst schwierig, die Entwicklung der Zinsen mit ausreichender Genauigkeit vorherzusagen.
Für Prognosen sind verlässliche Einschätzungen zu Inflation, Wirtschaftswachstum und Zentralbankpolitik erforderlich. Diese Faktoren sind jedoch komplex und eng miteinander verknüpft. Angesichts der begrenzten Treffsicherheit makroökonomischer Prognosen halten wir es nicht für sinnvoll, eine strategische Durationsallokation allein von einer Einschätzung der mittelfristigen Zinsentwicklung abhängig zu machen. Gleichzeitig kann die Selbstüberschätzung vieler Marktteilnehmer hinsichtlich ihrer Prognosefähigkeiten Chancen eröffnen, gegen den Konsens zu investieren.
2. Sind die Laufzeitprämien attraktiv?
Die Laufzeitprämie (Term Premium) bezeichnet den zusätzlichen Ertrag, den Anleger für das Halten langfristiger Anleihen statt von Bargeld oder kurzfristigen Anlagen erwarten.
Verschiedene Methoden zur Schätzung der Laufzeitprämie weisen auf einen ähnlichen Trend hin: Nachdem sie von 2017 bis 2022 negativ war, ist sie wieder gestiegen. Gleichzeitig führt die höhere Volatilität von Staatsanleihen dazu, dass die vergleichsweise begrenzten Ertragschancen der Duration weniger attraktiv erscheinen.
Dies wirft eine grundlegende Frage auf: Wenn Duration nur begrenzte erwartete Erträge bietet, gleichzeitig aber mit einer spürbaren Volatilität verbunden ist, sollte sie dann dauerhaft eine dominante Rolle in Anleiheportfolios einnehmen?
3. Kann Duration Risiken zuverlässig absichern?
Die wohl wichtigste Frage ist, ob Duration weiterhin als verlässliche Absicherung gegen Risiken dient. Frühere Erfahrungen mögen darauf hindeuten, doch längerfristige Daten zeichnen ein differenzierteres Bild.
Monatliche Daten seit 1989 zeigen, dass Duration nicht durchgehend als Absicherung gewirkt hat. Tatsächlich war die Beziehung zwischen Kreditspreads und Staatsanleiherenditen in rund 42 Prozent der Zeit positiv. Das bedeutet, dass Duration in diesen Phasen das Risiko erhöhte, anstatt es zu reduzieren (Quelle: Bloomberg, L&G Stand 31. Dezember 2025).
Unsere Untersuchungen zeigen zudem, dass bei einer erwarteten Inflation von mehr als 3 Prozent die Korrelation zwischen Risikoanlagen (für längere Zeitreihen anhand von Aktien gemessen) und Staatsanleihen in 92 Prozent der Fälle positiv war (Quelle: Bloomberg, L&G Stand 31. Dezember 2025).
Die Herausforderung bei der Portfoliokonstruktion
Diese veränderten Zusammenhänge stellen Anleger bei der Konstruktion von Kreditportfolios vor neue Herausforderungen.
Wie stark die Volatilität einer Anleihe durch Duration oder Kreditrisiko beeinflusst wird, unterscheidet sich erheblich zwischen einzelnen Marktsegmenten. So ist bei Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als 25 Jahren das durch Duration verursachte Volatilitätsrisiko rund doppelt so hoch wie das Kreditrisiko. Kreditintensivere Bereiche wie BB-geratete Hochzinsanleihen werden dagegen typischerweise weniger stark von der Duration beeinflusst (Quelle: Bloomberg, L&G Stand 31. Dezember 2025).
Auch Korrelationsmuster sind nicht konstant, sondern verändern sich mit den makroökonomischen Rahmenbedingungen, insbesondere mit dem Inflationsumfeld. Phasen niedriger Inflation gingen häufig mit negativen Korrelationen einher und stärkten damit die Rolle der Duration als Absicherung. Höhere Inflationsphasen waren dagegen oftmals von positiven Korrelationen geprägt, in denen sich Duration eher wie ein Risikoanlage verhielt.
Dies deutet darauf hin, dass Duration nicht als statische Allokation betrachtet werden sollte. Ihre Funktion und Wirksamkeit hängen maßgeblich vom vorherrschenden makroökonomischen Umfeld und dem jeweiligen Korrelationsregime ab.
Ein dynamischer Ansatz beim Durationsmanagement
Duration kann in Phasen von Stress an den Kreditmärkten ein wirkungsvolles Absicherungsinstrument sein. Sie kann jedoch ebenso eine bedeutende Risikokomponente innerhalb von Kreditportfolios darstellen und für Absolute-Return- beziehungsweise Unconstrained-Anleihestrategien, die langfristig möglichst stabile Erträge anstreben, Herausforderungen mit sich bringen.
Unsere Unconstrained-Anleihestrategien halten breit diversifizierte Kreditengagements als langfristige Kernquelle der Rendite. In diesen Portfolios betrachten wir Duration als aktive Asset-Allokationsentscheidung und nicht als dauerhaftes Risikoengagement. Wir sind überzeugt, dass dieser flexible Ansatz beim Management der Duration zu den langfristigen Ergebnissen und zum Risikomanagement beigetragen hat.
Erfahren Sie mehr über die Vorteile eines dynamischen Durationsmanagements und unseren Ansatz für Unconstrained-Anleihestrategien in unserem Whitepaper Whitepaper (auf Englisch).
- Mehr zu Active Fixed Income und unserer Unconstrained Range finden Sie hier.
Wesentliche Risiken
Der Wert einer Anlage sowie die daraus erzielten Erträge sind nicht garantiert und können sowohl steigen als auch fallen. Anleger können weniger zurückerhalten als den ursprünglich investierten Betrag. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die hierin enthaltenen Angaben dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die vorstehenden Informationen werden auf allgemeiner Basis bereitgestellt und berücksichtigen nicht die individuellen Umstände einzelner Anleger. Etwaige geäußerte Ansichten entsprechen der Einschätzung von L&G zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Nicht zur Verbreitung an Personen bestimmt, die in einer Rechtsordnung ansässig sind, in der eine solche Verbreitung gegen geltendes Recht oder regulatorische Vorschriften verstoßen würde.
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Es kann jederzeit beschlossen werden, die für die Vermarktung des Fonds in einem EWR-Mitgliedstaat, in dem der Fonds derzeit vertrieben wird, getroffenen Vorkehrungen zu beenden. In einem solchen Fall werden die Anteilinhaber im betroffenen EWR-Mitgliedstaat über diese Entscheidung informiert und erhalten für mindestens 30 Arbeitstage ab dem Datum dieser Mitteilung die Möglichkeit, ihre Fondsanteile ohne Gebühren oder Abzüge zurückzugeben. Soweit nach nationalen Vorschriften erforderlich, wird das Basisinformationsblatt für Anleger zudem in der jeweiligen Landessprache des betreffenden EWR-Mitgliedstaats zur Verfügung gestellt.
Informationen zu nachhaltigkeitsbezogenen Aspekten der Fonds sind unter Fund Centre verfügbar. Die Entscheidung zur Investition in die Fonds sollte sämtliche Merkmale oder Ziele des Fonds berücksichtigen, wie sie im Verkaufsprospekt und im jeweiligen Basisinformationsblatt für Anleger beschrieben sind.
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