Die iranischen Drohnen- und Raketenangriffe auf Dubai haben weltweit Aufmerksamkeit auf das Emirat gelenkt. Für viele internationale Investoren, Unternehmen und Vermögensverwalter stellt sich seither eine drängende Frage: Wie sicher und aussichtsreich ist Dubai als Standort noch – und wie belastbar ist das Vertrauen in das Emirat als Wirtschafts- und Finanz-Metropole? José Campos Nave, Rechtsanwalt und Managing Partner der Kanzlei Spencer West in Dubai, kennt die Region seit 2004 und war bis kurz vor den Angriffen vor Ort. Das private banking magazin hat ihn um seine Einschätzung gebeten.
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Die iranischen Drohnen- und Raketenangriffe auf Dubai haben weltweit Aufmerksamkeit auf das Emirat gelenkt. Für viele internationale Investoren, Unternehmen und Vermögensverwalter stellt sich seither eine drängende Frage: Wie sicher und aussichtsreich ist Dubai als Standort noch – und wie belastbar ist das Vertrauen in das Emirat als Wirtschafts- und Finanz-Metropole? José Campos Nave, Rechtsanwalt und Managing Partner der Kanzlei Spencer West in Dubai, kennt die Region seit 2004 und war bis kurz vor den Angriffen vor Ort. Das private banking magazin hat ihn um seine Einschätzung gebeten.
private banking magazin: Sie waren bis kurz vor den iranischen Drohnen- und Raketenangriffen auf Dubai vor Ort. Wie haben Sie die Situation persönlich wahrgenommen?
José Campos-Nave: Ja, ich bin einige Tage zuvor ausgereist. Zu dieser Zeit war aber bereits eine Anspannung in Dubai spürbar, insbesondere seitdem US-Flugzeugträger im Golf lagen. Als die Angriffe erfolgten, war die Verunsicherung und die Angst zunächst ziemlich groß. Das gab es in Dubai noch nie. Nach zwei Tagen legte sich diese Anspannung wieder. Die Bürger hatten das Gefühl, dass der Staat alles im Griff hat. Das war auch so.
Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: Jetzt ändert sich die Lage in Dubai dauerhaft?
Campos-Nave: Nein. Ich kenne den Golf seit 2004. In der Region kommt es leider immer wieder zu solchen Angriffen. Für Dubai, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar war diese Situation jedoch ein Novum. Alle Sach- und Ortskundigen – und damit auch ich – gehen aber davon aus, dass sich für Dubai und die VAE nichts dauerhaft ändert.
Wie reagieren die Menschen in Dubai in solchen Momenten – merkt man Panik oder eher eine kontrollierte Krisenreaktion?
Campos-Nave: Es ist eindeutig eine kontrollierte Krisenreaktion. Die Warnungen kommen per Smartphone, und die Bevölkerung verhält sich diszipliniert. Eine Panik, wie man sie vielleicht aus anderen Kontexten kennt, habe ich nicht erlebt.
Dubai will sich als globaler Wirtschafts- und Finanzstandort positionieren, um unabhängiger vom Öl- und Gasexport zu werden. Wie stark trifft ein solcher militärischer Konflikt das Vertrauen in den Standort?
Campos-Nave: Das Vertrauen ist nicht erschüttert – nur kurzfristig beeinträchtigt. Die Dinge werden sich normalisieren. Dafür sind Dubai und die anderen Golfstaaten viel zu wichtig. Die Region Nahost ist und bleibt ein Pulverfass. Ohne Zweifel ist sie aber auch ein Zentrum der Rohstoffmärkte inklusive der nach wie vor bedeutendsten Energieträger für die Weltwirtschaft, zudem ein wichtiger Platz für Finanztransaktionen.
Die Schockwellen, die vom Nahen Osten ausgehen, erreichen die ganze Welt. Aber auch hier wird sich die Situation beruhigen – dafür werden auch die herrschenden Monarchien in den Emiraten, in Katar und Saudi-Arabien sorgen.
Der Tourismussektor ist für Dubai inzwischen ebenfalls zentral. Spüren Sie bereits erste Auswirkungen bei Buchungen, Geschäftsreisen oder Veranstaltungen?
Campos-Nave: Weitere Buchungen und der reguläre Tourismus sind zunächst ausgesetzt. Mein persönlicher Blick auf Dubai hat sich jedoch nicht verändert. Konflikte gibt es überall auf der Welt. Dubai und die Emirate sind und bleiben sehr sichere Gegenden – das sollte man nicht vergessen.
Viele internationale Unternehmen haben ihre regionalen Zentralen in Dubai aufgebaut. Gibt es Anzeichen dafür, dass Firmen ihre Präsenz überdenken?
Campos-Nave: Nein. Es gibt allenfalls das Bewusstsein, dass man auch in den VAE leider mit solchen Angriffen seitens eines unberechenbaren Nachbarn rechnen muss. Die Präsenz der Amerikaner in der Region – die sicherlich noch steigen wird – beruhigt die Lage aber erheblich.
Dubai will ein wichtiger Standort für Vermögensverwaltung, Family Offices und internationale Investoren sein. Wie reagiert das Emirat auf die aktuelle Eskalation?
Campos-Nave: Dubai ist bereits einer der wichtigsten weltweiten Standorte dafür – das sollte man nicht unterschätzen. Die Reaktion lässt sich kurz zusammenfassen: Business as usual, aber die IT-Systeme werden gehärtet. Das zeigt, dass man die Lage ernst nimmt, ohne in Panik zu verfallen.
„Das Vertrauen ist nicht erschüttert – nur kurzfristig beeinträchtigt. Die Dinge werden sich normalisieren.“
Gibt es bereits Hinweise auf Kapitalbewegungen oder erhöhte Vorsicht internationaler Investoren?
Campos-Nave: Nein. Investoren im Nahen und Mittleren Osten sind solche Ereignisse gewöhnt. Das kann man sich in Deutschland und Europa – Gott sei Dank – nicht richtig vorstellen. Aber es ist so. Die Resilienz, die man dort entwickelt hat, ist bemerkenswert.
Dubai hat sich bewusst als globaler Standort für Krypto- und Fintech-Unternehmen positioniert. Könnte die aktuelle Eskalation diesem Wachstum einen Rückschlag versetzen?
Campos-Nave: Nein. Die Kryptowelt ist weltweit bereits sehr eng vernetzt, und die Systeme laufen redundant in Dubai, New York und Singapur. Allein aufgrund der vorteilhaften Steuerstruktur ist und bleibt Dubai sehr attraktiv – das ändert kein militärischer Konflikt.
Welche Rolle spielt die Kryptoindustrie inzwischen für Dubais wirtschaftliche Strategie – auch im internationalen Wettbewerb der Finanzplätze?
Campos-Nave: Eine sehr bedeutende. Transaktionen laufen bereits über Krypto-Assets, Versicherungen werden über Kryptowährungen abgewickelt, und Grundstücke werden über Token aufgeteilt und handelbar gemacht. Diese Industrie ist in Dubai bereits sehr verbreitet und tief in die Wirtschaft integriert. Das ist sicherlich einer der wesentlichen Vorteile des Finanzplatzes Dubai im internationalen Wettbewerb – und dieser Vorsprung wird durch die aktuellen Ereignisse nicht gefährdet.
Über den Interviewten:
José Campos-Nave ist Rechtsanwalt, der deutsche und internationale Mandanten zu Fusionen und Steuern, Geschäftserweiterungen und grenzüberschreitenden Projekten mit Schwerpunkt auf Europa, dem Nahen Osten und Afrika berät. Der promovierte Experte ist zudem zertifizierter Berater für Krypto-Assets und Steuern sowie Compliance-Beauftragter.