Drei Jahre Solvency II Wie Versicherungen das Mammutregelwerk stemmen

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Solvency II ist aber nicht nur ein Regelwerk mit zahlreichen komplexen Vorgaben, sondern auch ein Regelwerk mit teils absurden Berichtspflichten. Beispielsweise müssen die Versicherer in ihrer vierteljährlichen Berichterstattung auch einen Report über das vierte Quartal jedes Geschäftsjahres abliefern. Skurril daran ist die Tatsache, dass den Unternehmen für die Ausarbeitung des Dokuments nur fünf Wochen Zeit bleiben. Bei einigen Häusern liegen dann aber noch keine endgültigen Bilanzen vor, auch wenn spezielle Projekte auf einen zügigen Jahresabschluss hinarbeiten. Deshalb berichten diese Unternehmen für das vierte Quartal Schätzwerte. Diese weichen jedoch von den endgültigen Zahlen ab, die die Aufsicht ebenfalls verlangt. 

Der Termindruck steigt 

Die Unternehmen müssen nach Einschätzung von Assekurata-Expertin Stefanie Post „eine enorme Masse bewältigen“, und das sowohl quantitativ als auch qualitativ. „Und gleichzeitig in einer hohen Frequenz.“ Doch seit der Einführung von Solvency II sind drei Jahre vergangen. Da müsste sich doch der Umgang mit dem Berichtsaufwand eingespielt haben. Post sieht das nicht so. Denn die Veröffentlichung der SFCR-Meldung werde derzeit in jedem Jahr um zwei Wochen nach vorne gezogen. „Das heißt, der Aufwand für die Unternehmen bleibt hoch.“

Vor diesem Hintergrund mag die Versicherungsanalystin auch noch nicht vom Ende des Regulierungsmarathons sprechen. Denn bereits mit der ersten Veröffentlichung der Solvency-II-Richtlinie hat der Gesetzgeber angekündigt, die Standardformel zu überprüfen. „Das heißt, wir befinden uns gerade wieder in einem Review-Prozess der ersten Säule. Und für 2020 ist von der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung, Eiopa, ein Review für das Reporting geplant.“ Auch die internen Modelle sollen in Teilen überprüft werden, erläutert Post.

Die LV 1871 gibt sich unbeeindruckt von dem unsteten Arbeitsfeld und setzt alle Hebel in Bewegung, um die Effizienz zu steigern, allein schon, um die von Stefanie Post skizzierte Verkürzung der Berichtsintervalle einzuhalten. „Daher stellen wir uns die Frage, wie wir zeitlich noch effizienter werden können, um die sich verschärfenden Terminanforderungen abzudecken“, erläutert Andreas Billmeyer. „Wir automatisieren beispielsweise Datenströme. Bei Anlagen, die wir außerhalb des Hauses bei Fondsgesellschaften halten, fügen wir die Zahlen möglichst automatisiert zu unseren Beständen hinzu.“ Ansonsten sei die Effizienzsteigerung in Solvency begrenzt.

Auch die Gothaer setzt auf Effizienz. Stefan Oetzel: „Die jährlichen Abgabefristen für die Übermittlung der Solvenzbilanz und der Jahresendmeldung passen nicht zu unseren Jahresabschlussprozessen. Da wir nicht börsennotiert sind, hatten wir in der Vergangenheit mehr Zeit als andere.“ Die Effizienzsteigerung ist durchaus ein Thema für die Gothaer.

„Wir müssen die Datenverarbeitung effizient abbilden und das auch nicht mit zu viel Personal tun und dafür auch nicht zu viele Kosten haben“, fährt Oetzel fort und ruft nach drei Jahren Solvency II nach einer Komplexitätsreduktion über alle drei Säulen hinweg. „Uns stört weniger, wenn die europäische Aufsichtsbehörde kommt und an der Standardformel inhaltlich etwas ändern möchte, wenn es dadurch richtiger wird. Das ist im Moment gar nicht unsere Baustelle. Wir wünschen uns vielmehr, dass die Komplexität in der Berichterstattung reduziert wird.“

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