Drei Jahre Solvency II Wie Versicherungen das Mammutregelwerk stemmen

Stefanie Post ist Senior-Analystin bei der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur Assekurata.  | © Assekurata

Stefanie Post ist Senior-Analystin bei der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur Assekurata. Foto: Assekurata

Seit Anfang 2016 müssen Versicherungen in Europa die Vorgaben des Drei-Säulen-Konzepts Solvency II umsetzen und nun umfangreich über ihre Risiken Rechenschaft ablegen. Die Regulierung umfasst an anderer Stelle auch den Vertrieb und die IT und macht auch vor der Kapitalanlage nicht halt.

Die Grundidee von Solvency II sieht so aus: Ein Versicherer muss ausreichend Eigenkapital entsprechend seiner Risikosituation vorhalten. Das klingt vernünftig und ist es auch. Denn die Unternehmen betreiben risikobehaftete Versicherungs- und Kapitalanlagegeschäfte. Fallen Verluste an, muss genug Eigenkapital vorhanden sein, um die Gelder der Versicherungsnehmer zu schützen. Weniger vernünftig erscheint, dass die Unternehmen in jüngerer Vergangenheit ganze Scharen an Risikomanagern an Bord holen mussten, um der Regulierungsflut Herr zu werden.

Wenn aber auf der Kapitalanlageseite mehrere interne Risikomanager jeweils einen Kollegen im Portfoliomanagement überwachen, wie das heute der Fall sein soll, dann klingt das weder nach schlank und auch nicht nach effizient. Die alles entscheidende Anforderung an die Eigenmittelausstattung – auch Solvabilität genannt – wird in Solvency II mithilfe der sogenannten Standardformel der Aufsicht oder eines internen Modells, und sei es nur partiell, berechnet. 

Das Standardmodell ist für fast alle Versicherer Standard 

Das Standardmodell bezieht sich auf ein fiktives europäisches Durchschnittsunternehmen, dessen Eigenschaften zu keiner Versicherungsgesellschaft 100-prozentig passen. Unternehmen können auch ein internes Modell entwickeln. Sie können damit in der Regel nachweisen, dass sie im Vergleich zur Standardformel weniger Solvenzkapital brauchen.

Ein internes Modell kann von großem Vorteil sein: Im Idealfall schaffen die Versicherer sich mehr Spielraum, um zusätzliche Geschäfte zu machen – für die Eigenkapital als Risikopuffer vorhanden sein muss. Doch viele schrecken vor dem mit einem internen Modell verbundenen Aufwand zurück: Für die Berechnung der Solvenzkapitalanforderung verwenden 72 Unternehmen die Standardformel und 11 Unternehmen ein partielles internes Modell. 

Während beim partiellen Modell eine unternehmensindividuelle Berechnung für eine oder mehrere Risikokomponenten erfolgt, sind die Unternehmen beim internen Vollmodell noch freier und definieren selbst die zu modellierenden Risiken. Das heißt hier können auch über die Standardformel hinausgehende Risiken berücksichtigt werden. Nach Angaben von Stefanie Post, Senior-Analystin bei der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur Assekurata, wenden die Unternehmen der Generali-Gruppe, ein Teil der Talanx-Gesellschaften sowie die Arag-Gesellschaften partial-interne Modelle an.

Nutzer interner Modelle sind wiederum die Allianz- und die Axa-Gesellschaften, die Münchner Rückversicherung mit ihren Töchtern Ergo und DKV sowie die Hannover Rück und E+S-Rück. Es sind also vor allem die großen Versicherer, die eigene Modelle einsetzen. Sie haben die dafür erforderlichen Ressourcen – personell wie finanziell.