US-Kapitalmarktregulierung Halbjahr statt Quartal – SEC greift tief in Berichtspflichten ein

Donald Trump und Paul Atkins.

Im Windschatten auf der Erfolgsspur: Paul Atkins lauscht Donald Trump. Atkins war Trumps Wunschkandidat für den SEC-Posten. Er diente dem US-Präsidenten bereits während dessen erster Amtszeit als Politikberater. Bildquelle: Imago Images / ABACAPRESS

Vier Berichte pro Jahr – das war bislang die Pflicht für alle an US-Börsen gelisteten Unternehmen. Damit könnte es bald vorbei sein. Die SEC veröffentlichte Anfang Mai einen Regelvorschlag, der es Unternehmen freistellen würde, statt drei Quartalsberichten auf dem bisherigen Formular 10-Q künftig nur noch einen Halbjahresbericht auf dem neuen Formular 10-S einzureichen. Das Ergebnis: pro Geschäftsjahr noch zwei statt vier Pflichtberichte.

Dass Atkins diesen Kurs verfolgt, war von Anfang an absehbar. Trump nominierte ihn im. Dezember 2024 persönlich via Truth Social und lobte ihn als „bewährten Anführer für vernünftige Regulierung“. Atkins war Trumps Wunschkandidat: Er hatte dem Präsidenten bereits während dessen erster Amtszeit als Politikberater gedient und galt dem Übergangsteam als erste Wahl für die Nachfolge des scheidenden SEC-Chefs Gary Gensler. Der Senat bestätigte ihn im April 2025 mit 52 zu 44 Stimmen. 

 

Atkins, seit dem 21. April 2025 im Amt, betreibt also konsequent, was er von Beginn an angekündigt hatte. Vereinfachung, Skalierbarkeit und Modernisierung sind seine erklärten Ziele – regulatorische Anforderungen sollen sich stärker an Größe, Reifegrad und Geschäftsmodell eines Unternehmens orientieren, anstatt pauschal für alle zu gelten.

Jahrzehnte Bürokratie, jetzt der Gegenkurs

Atkins argumentiert, die über Jahrzehnte angehäuften Vorschriften für börsennotierte Unternehmen hätten das Listing an US-Märkten teurer und aufwändiger gemacht. Tatsächlich ist die Zahl gelisteter US-Unternehmen seit Mitte der 1990er Jahre um rund 50 Prozent zurückgegangen – von über 8.000 auf heute knapp 4.000. Die halbjährliche Berichtsoption soll Compliance-Kosten senken und es insbesondere kleineren Unternehmen erleichtern, den Weg an die Börse zu wagen.

Für institutionelle Investoren außerhalb der USA ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sinkt der bürokratische Aufwand für Unternehmen, was die Attraktivität des US-Marktes für Emittenten steigern dürfte. Andererseits würde die Informationsdichte für Anleger abnehmen. Wer heute auf Quartalszahlen zur Portfoliosteuerung setzt, hätte bei Unternehmen, die das neue Format wählen, seltener Einblick in aktuelle Geschäftsentwicklung und Risikolage.

Lücken in der Informationsbasis

Der Vorstoß beim Berichtswesen steht nicht allein. Atkins hat seit seinem Amtsantritt bereits eine Reihe von Regelvorhaben der Vorgängerregierung zurückgezogen, darunter Pflichtoffenlegungen zu Human Capital Management und Vorstandsdiversität sowie klimabezogene Offenlegungsanforderungen. Die Zahl der SEC-Durchsetzungsmaßnahmen sank im Fiskaljahr 2025 auf 313 Fälle – das niedrigste Niveau seit einem Jahrzehnt und ein Rückgang von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Für europäische institutionelle Investoren, die auf konsistente Nachhaltigkeits- und Unternehmensdaten angewiesen sind, entstehen damit zunehmend Lücken in der Informationsbasis – zumal die Abkehr der USA von ESG-Verpflichtungen es europäischen Regulatoren erschwert, eigene Berichtspflichten bei multinationalen Konzernen durchzusetzen.

 

Noch kein beschlossenes Recht

Bis zur Umsetzung ist es noch ein weiter Weg. Der Vorschlag durchläuft zunächst eine 60-tägige öffentliche Kommentierungsphase, bevor die SEC eine finale Regel verabschieden kann. Selbst bei zügiger Bearbeitung ist nicht vor Ende 2026 oder 2027 mit einer verbindlichen Neuregelung zu rechnen. Ob und wie viele Unternehmen die Option dann tatsächlich nutzen würden, bleibt offen.

Dennoch lohnt es sich, die Entwicklung zu verfolgen. Die SEC signalisiert mit jedem neuen Regelvorschlag, dass das Pendel in Washington nach Jahren zunehmender Regulierungsdichte nun in die andere Richtung ausschlägt – mit Implikationen, die weit über den amerikanischen Markt hinausreichen.

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