Gestiegen sind auch die Renditeerwartungen institutioneller Investoren. Fast die Hälfte der Befragten erwarten Renditen von 4,5 Prozent und mehr. Das war vor einem Jahr deutlich defensiver. Ihre Meinung dazu.
Benner: Klar, unter 4,5 Prozent macht es in der heutigen Zinslandschaft keinen Sinn mehr, Immobilien zu erwerben. Die Konkurrenz ist heute nur anders: Jeder Investor bekommt bei Anleihen von guten Firmen wie Bosch oder Siemens inzwischen 4 Prozent und mehr, und dies ohne Aufwand. Und die Aktienmärkte sind ebenfalls stark gelaufen, so dass das Interesse an Immobilien derzeit eher gering ist. Und das finde ich persönlich hervorragend! Denn als wir 2010 erstmals mehr Mehrfamilienhäuser erworben haben, war wenig Nachfrage da, es gab meist nur zwei oder drei Bieter. Dann kamen immer mehr Glücksritter und Spekulanten, die nur auf Wertsteigerung kaufen wollten. Die Krise hat dies nun bereinigt, man kann wieder ungestörter ankaufen und der Markt ist wieder kleiner. Und es fragt mich auch kein Taxifahrer mehr, wo man noch schnell als Investment eine Wohnung kaufen könnte.
„Wir werden erleben, wie die Politik ihre absurden Vorgaben wieder nach und nach rückabwickelt“
Nun sind wir erneut Partner Ihres P5 The Property Kongress in Frankfurt. Was erwartet die über 1.000 Fachbesucher?
Benner: Wir werden sogar einen Rekord mit 1.200 Teilnehmern aufstellen. Für mich ist der Kongress ja eher ein Ehrenamt als Engagement, welches ich persönlich gerne begleite. Unser Orga-Team macht dort einen super Job und wir haben spannende Redner und über 60 Workshops, wo wir in der Tiefe Themen besprechen. Ich denke, dass das Format einfach gut ankommt, weil wir eben nicht irgendwelche Firmen hier einen Werbevortrag halten lassen, sondern echte Inhalte und Lessons Learned vermittelt werden, die einen weiterbringen. Und wir diskutieren auch kontrovers, egal in welche Richtung.
Wenn wir erneut in einem Jahr sprechen: Was wären ihre Top-3-Vorhersagen für die kommenden 12 Monate? Bitte mal 3 Schlagzeilen.
Benner: Zum einen werden wir erleben, wie die Politik ihre absurden Vorgaben wieder nach und nach rückabwickelt. Denn egal ob Heizungsgesetz oder kommunale Wärmeplanungsvorgabe, das meiste hat nur Verunsicherung gebracht und Chaos hinterlassen. Eine neue Regierung steht in 2025 an. Und keine Partei wird mehr auf die Idee kommen, neue Heizungsverbote als Wahlkampfthema aufzugreifen.
Zum anderen sehen wir, dass die Bestandsmieten massiver steigen als je zuvor. Für Mieter ist dies nicht gut, denn die Nebenkosten steigen ja auch durch die immer höheren Abgaben für Müll, Versicherung und Energie. Die Baukrise wird dazu führen, dass wir deutlich unter 200.000 neue Wohnungen rutschen, und dies führt in Metropolen zu Knappheit. Immerhin gehen nun die Flüchtlingszahlen massiv zurück, so dass hier eine Entspannung einkehrt.
Drittens wird der Staat als Akteur auf dem Immobilienmarkt immer aktiver: Er kauft nicht nur tausende Wohnungen von Vonovia & Co, sondern erwirbt auch immer mehr Innenstadtobjekte und Grundstücke, um Stadtentwicklung voranzutreiben. Dadurch können Bestandshalter ihre Problemobjekte loswerden, Bilanzen bereinigen. Ich sehe das eher skeptisch, denn der Staat war noch nie der bessere Eigentümer, im Gegenteil. Und auch die ganzen Diskussionen, dass Bauen günstiger werden müsste und die Vorgaben seitens der Bauordnung gelockert werden: Das wird nie passieren und sind nur nette Lippenbekenntnisse der Akteure. In den Niederlanden ist Bauen nunmal 30 Prozent günstiger, weil man auf vieles verzichtet und der Staat weniger vorgibt.
Über den Interviewten:
Dominik Benner ist seit 2014 geschäftsführender Gesellschafter der Benner Holding und deren Beteiligungen in den Bereichen Grundbesitz, Handel, Agrar & Energie und Gastronomie. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft an den Universitäten St. Gallen (Bachelor, Master), Schweiz, und San Diego sowie an der französischen Wirtschaftshochschule Insead Fontaineblau erhielt Benner die Promotion als Dr. oec. HSG. Nach verschiedenen Führungspositionen und Prokura bei Bilfinger Berger wurde Benner 2011 zum Geschäftsführer innerhalb der juwi-Gruppe berufen und bekleidete dort mehrere Führungs- und Projektpositionen.