Dividendenstrategien Emerging-Markets-Zugang mit reduzierter Volatilität

Samsung Electronics war im Dezember eine der größten zehn Positionen im NN Emerging Markets High Dividend Fund. | © Getty Images

Samsung Electronics war im Dezember eine der größten zehn Positionen im NN Emerging Markets High Dividend Fund. Foto: Getty Images

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Bei Schwellenländern denken viele vor allem an Kurszuwächse. Werden dort überhaupt nennenswerte Dividenden gezahlt?

Manu Vandenbulck: Ja, in den vergangenen Jahren haben die Dividendenzahlungen in den Emerging Markets stark zugenommen, und ihr Anteil an der Gesamtrendite ist größer geworden. Mittlerweile schütten etwa 90 Prozent der börsengelisteten Unternehmen an die Aktionäre aus. Die Dividendenrendite des MSCI Emerging Markets liegt bei knapp 3 Prozent. Das ist etwas weniger als in Europa, aber mehr als in Japan und den USA. In unserem Fonds liegt die durchschnittliche Dividendenrendite bei 4 bis 4,5 Prozent.

Sollten Unternehmen in aufstrebenden Märkten nicht lieber in ihr eigenes Wachstum investieren, als die Gewinne an Investoren auszuschütten?

Könnte man denken, aber Statistiken zeigen, dass Unternehmen, die Dividenden zahlen, stärker wachsen als Unternehmen, die nicht ausschütten. Ein Grund dafür ist, dass diese Unternehmen weniger Geld für Investitionen zur Verfügung haben und diese daher besser überdenken. Sie investieren weiser und verschwenden weniger Geld.

Schlägt sich das auch in der Performance nieder?

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass dividendenstarke Unternehmen in den Emerging Markets seit 1996 eine bessere Performance geliefert haben als Unternehmen, die eine niedrige Dividende zahlen. In Abwärtsphasen wirkt die Dividende wie ein Puffer, das führt zu geringeren Schwankungen. Die Volatilität im Fonds liegt bei 10 bis 15 Prozent unter der des MSCI Emerging Markets.

Welche Kriterien spielen neben der Dividende eine Rolle für die Titelauswahl?

Wir legen großen Wert auf eine fundamentale Analyse der Unternehmen. Wir achten auf die Bewertung und bevorzugen günstig bewertete Value-Aktien.

NNIP managt auch Dividendenstrategien für andere Regionen, etwa für Europa oder die USA. Gelten für Emerging Markets besondere Regeln?

Ja, zum Beispiel setzt sich der Gesamtertrag anders zusammen. In der entwickelten Welt macht die Dividendenrendite einen wichtigen Teil aus. In den Emerging Markets ist der Anteil des Dividendenwachstums deutlich größer. Daher steht bei unserem Fonds das Dividendenwachstum im Fokus. Ein aktives Management ist für Dividendenstrategien in den Emerging Markets unerlässlich. Ein passive Abbildung bringt nichts, denn nicht die bereits gezahlte Dividende ist entscheidend, sondern ob und wie viel das Unternehmen künftig ausschüttet. Und dazu braucht es eine gute fundamentale Analyse und man muss auf Marktentwicklungen, wie den Ölpreisverfall, reagieren können.

Gibt es länderspezifische Unterschiede in der Dividendenpolitik?

Ja, solche Unterschiede haben ihre Gründe zum einen in der Bewertung, sie aber können auch politisch sein. In Brasilien und Taiwan gibt es zum Beispiel ein Gesetz, das Unternehmen vorschreibt, mehr als ein Viertel ihrer Gewinne an Aktionäre auszuschütten. Auf so etwa muss man achten. Die Dividende ist hier nicht unbedingt ein Zeichen für nachhaltige Entwicklung, sondern Pflicht. Oft geht eine niedrige Bewertung mit höheren Dividendenrenditen einher. In Indien zum Beispiel war der Markt vor zwei Jahren günstig, und es gab attraktive Dividendenrenditen. Jetzt mit der neuen reformeifrigen Regierung hat der Aktienmarkt aufgewertet, und die Dividendenrenditen sind gefallen. In China hingegen sind die Ausschüttungsrenditen zurzeit sehr attraktiv.
 
Ist das der Grund dafür, dass China die größte Länderposition im Fonds ist?

Es ist ein Grund. Wir haben eine Tendenz zu einigen Märkten, wenn wir dort bessere Dividendenchancen sehen, aber hauptsächlich wird unsere Titelauswahl von der Bewertung bestimmt. In Asien zum Beispiel mögen wir China, die Philippinen aber nicht. Unternehmen aus beiden Ländern haben solide Fundamentaldaten und ein vernünftiges Gewinnwachstum. Allerdings wurden philippinische Unternehmen dafür an der Börse bereits ausreichend belohnt, chinesische hingegen nicht.

Haben Sie auch Favoriten bei den Sektoren?

Wir haben zum Beispiel Versorger im Portfolio übergewichtet. Wir glauben, dass dieser Sektor vom stärkeren Wachstum profitiert. Wenn sich die Märkte weiter entwickeln, brauchen sie eine funktionierende Stromversorgung, ohne eine solche Infrastruktur kann der Binnenkonsum nicht wachsen. Versorger sind für stete Dividenden bekannt, werden aber von vielen Investoren als langweilig betrachtet und vernachlässigt. Eine unserer besten Aktien im Portfolio seit Auflage ist ein chinesischer Versorger.

Dividende hin oder her: Lohnt sich jetzt überhaupt ein Investment in Emerging Markets – auch vor dem Hintergrund steigender Fed-Zinsen?

Aus Bewertungssicht sind die Emerging Markets heute viel attraktiver als in den letzten Jahren. Natürlich können die Bewertungen noch weiter fallen, für mich ist die Asset-Klasse aber klar in der Kaufzone. Der Bewertungsabschlag gegenüber den Industriemärkten liegt unter dem langfristigen Durchschnitt von 30 Prozent. Für 2015 wird ein zweistelliges Gewinnwachstum erwartet. Vor dem Hintergrund des niedrigen Ölpreises und der schwachen Währungen halte ich ein 10-Prozent Wachstum für durchaus möglich. Einen Anstieg der Fed-Zinsen sollten die Aktienmärkte der Emerging Markets weitgehend unbeschadet überleben. Wenn sie bereits stark gelaufen und die Bewertungen entsprechend hoch wären, würde mich eine Zinserhöhung beunruhigen. In der jetzigen Phase jedoch nicht.