Frau Piscopiello, Herr Hanser: Warum sollten Anleger Dividenden als eine eigenständige Dimension der Diversifizierung betrachten – über Sektoren und Regionen hinaus?
Patrik Hanser: Wenn Anleger an Diversifizierung denken, sind Sektoren und Regionen die naheliegendsten Ansätze. Doch echte Diversifizierung ist nicht zweidimensional – sie umfasst viele Dimensionen und kann auf unterschiedliche Weise umgesetzt werden. Die Art der Erträge ist ein gutes Beispiel für einen potenziell übersehenen Diversifikationsfaktor. Anstatt sich nur auf Kursgewinne zu verlassen, sind wir der Ansicht, dass Anleger gut daran tun könnten, auch die Ertragskomponente der Rendite zu berücksichtigen, die historisch gesehen eine höhere Stabilität als Kursgewinne geboten hat.
Wie können dividendenorientierte Strategien Anlegern helfen, unterbewertete oder übersehene Bereiche des Aktienmarkts zu erschließen?
Elisa Piscopiello: In einer Phase, in der die Bewertungsniveaus – ausgedrückt in hohen Multiples – praktisch überall hoch sind, glauben wir, dass Dividenden Zugang zu marktseitig günstiger bewerteten Segmenten eröffnen können. Denn Dividenden stammen häufig von Unternehmen, die ihre Phase des höchsten Wachstums bereits hinter sich haben. Sie investieren weiterhin in Wachstum, verfügen jedoch über freie Cashflows, die sie an die Aktionäre zurückgeben können, anstatt alles in Wachstumschancen zu reinvestieren.
Gesundheitswesen, Industrie und Konsumdienstleistungen sind Beispiele für wichtige Dividendensektoren, die nicht die mit Technologie verbundenen „Growth“-Bewertungen aufweisen. Durch die Ausrichtung auf Quellen von Dividendenerträgen können Anleger potenziell günstigere Marktbereiche erschließen – mit dem Ziel, sowohl Value- als auch Diversifizierungseffekte zu erzielen.
Was könnte Dividendenerträge im Vergleich zu reinen Kursgewinnen über Marktzyklen hinweg zu einer stabileren Renditequelle machen?
Hanser: Kursgewinne beruhen auf dem Marktpreis – im Wesentlichen darauf, was jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt zu zahlen bereit ist – und reagieren sehr empfindlich auf die Marktstimmung. Dividenden hingegen werden aus einbehaltenen Gewinnen gezahlt und sind damit in der Cash-Realität eines Unternehmens verankert. Diese Überlegung spiegelt sich auch in empirischen Beobachtungen zum MSCI-World-Index zwischen Dezember 1999 und Dezember 2025 wider: Die annualisierte Standardabweichung des 12‑Monats-Ergebnisses je Aktie (Earnings per Share) betrug 17 Prozent, während die annualisierte Standardabweichung der 12‑Monats-Bruttodividende je Aktie lediglich 6 Prozent betrug.1
Wie vermeiden Sie sogenannte „Dividend Traps“ und wie identifizieren Sie gleichzeitig attraktive Dividendenchancen?
Piscopiello: Keine Diskussion über Dividendenstrategien wäre vollständig, ohne auf die Dividendenfallen – die gefürchteten„Dividend Traps“ – einzugehen. Eine gut konstruierte Strategie muss über die ausgewiesene Rendite hinausblicken und die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen berücksichtigen. Deshalb halten wir es für wichtig, einen Qualitätsfilter einzubeziehen. Ein Anstieg der Dividendenrendite kann beispielsweise durch einen fallenden Aktienkurs verursacht sein, obwohl die Dividenden gleichgeblieben oder sogar gesunken sind. Unternehmen sollten in den letzten zehn Jahren einen positiven Wachstumstrend ihrer Dividende je Aktie gezeigt haben und aller Voraussicht nach weiterhin Dividenden zahlen. Allein die Beobachtung der Dividendenrendite und ihrer Trends ist möglicherweise nicht ausreichend. Wir achten auf die Nachhaltigkeit der Dividende.
Welche Rolle spielt eine Gleichgewichtung dabei, die Diversifizierung zu verbessern und das Konzentrationsrisiko in Dividendenstrategien zu reduzieren?
Hanser: Eine Gleichgewichtung kann die Diversifizierung verbessern und hat das Potenzial, Konzentrationsrisiken zu reduzieren, indem das Engagement gleichmäßiger auf Aktien und Regionen verteilt wird. Sie führt außerdem zu einer natürlichen Neigung hin zu kleineren Unternehmen, die in marktkapitalisierungsgewichteten Indizes typischerweise unterrepräsentiert sind. Indem der Einfluss der größten Aktien begrenzt wird, verringert eine Gleichgewichtung das Engagement in Unternehmen, deren Kurse bereits stark gestiegen sind, und erzeugt im Zeitverlauf einen Bias in Richtung kleinerer Unternehmen und Value.
Wie setzen Sie diese Erkenntnisse in die Praxis um?
Piscopiello: Unsere Quality Dividend ETFs verwenden einen Gleichgewichtungsansatz, um Einkommensquellen zu diversifizieren und das Konzentrationsrisiko zu reduzieren. Durch die Verteilung der Allokation auf Large-, Mid- und Small-Caps vermeidet die Strategie eine übermäßige Abhängigkeit von wenigen Einzeltiteln und trägt dazu bei, ein ausgewogeneres Einkommensprofil zu schaffen. Darüber hinaus können Anleger im L&G Global Quality Dividends UCITS ETF (ISIN IE0005AJA0P1) von monatlich planbaren Ausschüttungen profitieren.
1 Quelle: L&G und Bloomberg. Monatliche Beobachtungen vom 31. Dezember 1999 bis 31. Dezember 2025. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.
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