Digitalstrategie bei Berenberg „Das Apps-Angebot deutscher Privatbanken ist überschaubar“

Karsten Wehmeier, Direktor der Unternehmenskommunikation der Berenberg Bank, über den Einsatz von Apps und digitalen Kommunikationskanälen im Private Banking

Karsten Wehmeier, Direktor der Unternehmenskommunikation der Berenberg Bank, über den Einsatz von Apps und digitalen Kommunikationskanälen im Private Banking

private banking magazin: Braucht man als moderne Bank heutzutage eine digitale Strategie?

Karsten Wehmeier: Man muss sich schon Gedanken darüber machen, wie man mit seinen Kunden kommuniziert. Wir sind ja vergleichsweise breit aufgestellt, haben neben dem Private Banking ein Investment Banking, ein Asset Management und ein Corporate Banking. Also viele verschiedene Zielgruppen. Während früher gerade im Private Banking der persönliche Kontakt durch nichts zu ersetzen war, so spielt sich – insbesondere im internationalen Bereich – heute vieles auch online ab. Schon allein, weil die Kunden viel mobiler sind.

Welchen Mehrwert kann man dem Private-Banking-Kunden sinnvollerweise bieten?

Wehmeier: Gerade Inhaber komplexer internationaler Vermögen wollen heute online einen Überblick über ihre Vermögenswerte, konsolidiert über mehrere Banken und das in Echtzeit. Und auch bei der Informationsvermittlung spielt das Digitale eine große Rolle. Wir haben eines der größten Research-Teams einer deutschen Bank mit 80 Aktienanalysten und fast zehn Volkswirten. Dieses Know-how stellen wir sowohl auf unserer Website als auch in einer App jedermann zur Verfügung. Wer sich also für europäische Aktien und volkswirtschaftliche Fragestellungen interessiert, ist im Online-Angebot bei Berenberg hervorragend aufgehoben.

Wann und wie kam es zu den Berenberg-Apps?

Wehmeier: Die Nutzerzahlen für mobile Endgeräte steigen bekanntermaßen seit Jahren. Mit unseren Apps tragen wir dem Rechnung. Wir haben die erste App schon vor über vier Jahren angeboten. Das war allerdings mehr ein Distributionskanal für ausgewählte Informationen unserer Website. Heute haben wir neben zwei allgemein zugänglichen Apps zwei weitere für Firmenkunden insbesondere zum Zahlungsmanagement im Angebot.

Die Berenberg-Apps gibt es allerdings nur für das Handy-Betriebssystem iOS. Mögen Sie das Betriebssystem Android nicht?

Wehmeier: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir in unseren Zielgruppen mit iOS die allermeisten Kunden und Interessenten erreichen.

Auf welchen digitalen Kommunikationskanälen findet man die Berenberg Bank noch?

Wehmeier: Wir setzen zum Beispiel Blogs und Videos ein, twittern und sind auf Linkedin vertreten.

Wo steht die Berenberg Bank bei digitalen Service-Angeboten im Vergleich zu Wettbewerbern?

Wehmeier: Wenn man sich die deutschen Privatbanken ansieht, ist das Angebot an Apps sehr überschaubar. Die meisten haben schlicht und einfach keine Apps. Auch bei der Informationstiefe auf der Website und dem Angebot an News sehe ich uns sehr gut positioniert.

Ist das Nutzerverhalten der App und des Online-Bereichs Ihres Equity-Researchs für die Bank messbar?

Wehmeier: Ja, natürlich messen wir die Nutzung und bauen unser digitales Angebot entsprechend aus.

Ist der Datenschutz bei der digitalen Kommunikation ein schwieriges Thema?

Wehmeier: Datenschutz und Diskretion sind natürlich das A und O im Bankgeschäft und gerade bei einer Privatbank von extrem hoher Bedeutung. Das war schon immer so und man muss die modernen Kommunikationsmittel diesem Anspruch  anpassen – sonst darf man sie nicht anbieten.

Gibt es bereits Pläne, wie man Private-Banking-Kunden über weitere digitale Kanäle Dienstleistungen anbieten möchte?

Wehmeier: Ich sehe nicht, dass man im Private Banking etwa die Beratung über Avatare löst. Hier ist das persönliche Gespräch nicht zu ersetzen. Unsere Dienstleistungen sind ja sehr komplex. Standardprodukte kann man über das Netz verkaufen. Für eine Beratung, wie wir sie verstehen, muss man den Kunden kennen. Wir sehen aber eine hohe Relevanz der digitalen Kanäle für die Vermittlung von allgemeinen Markteinschätzungen und Informationen sowie Auswertung von individuellen Depots.