Digitalisierung von Donner & Reuschel „Kunden können in Echtzeit an unserem gesamten Know-how teilhaben“

Marcus Vitt (l.), Vorstandssprecher von Donner & Reuschel, und Chris Bartz, Mitgründer von Elinvar.  | © Donner & Reuschel/Elinvar

Marcus Vitt (l.), Vorstandssprecher von Donner & Reuschel, und Chris Bartz, Mitgründer von Elinvar. Foto: Donner & Reuschel/Elinvar

private banking magazin: Herr Vitt, Donner & Reuschel arbeitet nun schon einige Zeit mit Elinvar an der Digitalisierung der Bank. Waren die völlig unterschiedlichen Unternehmenskulturen – hier die Privatbank mit mehr als 220 Jahren Tradition, dort das junge Fintech – bei der Zusammenarbeit ein Problem?

Marcus Vitt: Im Gegenteil. Bei uns herrschte große Neugier auf die Themen, die man sonst nur aus den Medien kennt. Wie arbeitet ein Fintech? Was ist der Unterschied zu unserer Arbeit? Wir haben schnell gemerkt, dass der Unterschied gar nicht so groß ist. Denn Elinvar beschäftigt eine ganze Reihe von Mitarbeitern, die aus dem Bereich Banking und Finanzdienstleistungen kommen. Das hilft bei der Übersetzung.

Angetan waren viele tatsächlich von dem Tempo, mit dem wir Dinge, die wir schon immer verwirklichen wollten, nun auf die Straße bringen. Stichworte sind hier agile Organisationsformen und kurze Innovationszyklen. Ein Start-up ist da selbstverständlich noch einmal ganz anders aufgestellt als eine Bank, die stark in historischen Organisationsprozessen unterwegs war.

Gab es einen Schlüsselmoment für die Entscheidung, Ihr Geschäft zu digitalisieren?

Vitt: Den brauchte es gar nicht. Unser Institut besteht seit mittlerweile 221 Jahren. Wer über einen so langen Zeitraum eine Zukunft haben will, muss sich unentwegt mit den Themen beschäftigen, die für die Zukunft entscheidend sind. Und Digitalisierung ist heute alles, davon kann sich keiner frei machen.

Der Startschuss für die Zusammenarbeit mit Elinvar fiel im Frühjahr 2018. Wie ist der Stand heute?

Vitt: Wir haben alle Kundendaten migriert und dabei auch die Vorjahre verarbeitet, denn es ist für den Kunden wichtig, sich auch die Historie anschauen zu können. Jetzt befinden wir uns in der Family-and-Friends-Phase, in der besonders digitalaffine Kunden die Neuerungen testen und wir Feedback sammeln. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, kommt der breite Roll-out. Durch die Arbeit mit Elinvar haben wir aber bereits jetzt deutlich weniger Schnittstellen und damit weniger Risiken.

Gab es bisher viele fragmentierte IT-Systeme nebeneinander, also ein Ordersystem, ein Portfoliomanagement-System, ein CRM-System und so weiter, verschmilzt das jetzt quasi alles in eine homogene Welt. Zugleich sehen wir bei der Kundenzentrierung große Fortschritte, denn künftig bekommt der Kunde dieselben Informationen zu Gesicht wie Asset Manager und Kundenbetreuer.

Herr Bartz, Elinvar hat bereits einige Anbieter digitalisiert. Geht es da immer um dieselben Prozesse?

Chris Bartz: Da bei jedem Partner dessen jeweiliges Geschäftsmodell zugrunde liegt, ist es von der Logik her immer anders. Dabei merken wir, dass gerade Privatbanken, die langfristig denken, sich viel stärker damit beschäftigen, wo sie eigentlich hinwollen und sich fragen, was ist unsere Kernkompetenz, unser Geschäftsmodell? Das ist sehr hilfreich, denn weiß man, was der Partner von einem erwartet, ist die Zusammenarbeit viel einfacher. Zugleich wird unsere Plattform mit jedem Mal besser, da wir routinierter darin werden, wie wir die Migration der Daten gestalten, welche Daten wir ziehen und woher.