Digitalisierung im Private Banking, Teil 1 Die neue Welt des Private Bankings

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Kosten und Investitionen des Multi-Channelings

In der Digitalisierungsdebatte entsteht häufig der Eindruck, Digitalisierung oder keine Digitalisierung, seien die beiden zur Diskussion stehenden Alternativen. Dies wird auch gerne in vielen Publikationen zum Thema so verallgemeinert. Digitalisierung ja oder nein? 0 oder 1? Schwarz oder Weiß?

Nun lässt sich die Thematik sicherlich auch aus dieser bipolaren Optik betrachten. Allerdings ist die Realität, in der das Bankmanagement Entscheidungen zu treffen hat, viel facettenreicher. Zwischen digital und nicht-digital gibt es viele Nuancen und Schattierungen. Die Frage erscheint weniger ob digital, sondern wo und wie, für wen und ab wann digital.

Zudem macht es die Aufgabe des Bankmanagements nicht leichter, dass damit im Normalfall immer die Frage eines Multi-Channel-Managements verbunden ist, da Angebote, welche sich vollumfänglich auf einen einzigen Kanal ausrichten bei den etablierten größeren Anbietern sowieso nicht existent sind und selbst bei den neuen Angeboten nicht in purer Form vorkommen (Beispiel: Smart Phone und Webpage).

Was aus Sicht von Strategieberatern oft spektakuläre Visionen zur Bankarchitektur von morgen sind, erweisen sich in der Realität des Bankmanagements in den Niederungen der IT- und Backoffice als äußerst komplexe und kostenintensive Angelegenheit. Die einheitliche und zeitkonsistente Abstimmung aller Kanäle der Bank, welche der Kunde nutzen kann, ist für etablierte Anbieter eine Herausforderung, zeigt aber eben auch, dass die Digitalisierungsfrage immer in einem Multi-Channel-Kontext zu beantworten ist.

Zumindest bis heute hat noch kein etablierter Anbieter den Schritt gewagt, sich vom Multi-Channel-Konzept zu verabschieden und nur einen Kanal zu nutzen. Der Umstand, dass der etablierte Anbieter verschiedene aufeinander abgestimmte Kanäle anbieten kann, ist selbstverständlich auch ein potentieller Vorteil gegenüber reinen Ein-Kanal-Anbietern, stellt aber auch sicher weit höhere Anforderungen an Kosten, Komplexität und damit schlussendlich an der Implementierungszeit.  

Von den Autoren erscheint Mitte 2018 das Buch „Digitalisierung im Private Banking“ (500 Seiten, gebunden, 79,90 EUR; ISBN 978-3-95647-114-8; Frankfurt School Verlag).

 


Über die Autoren:

Teodoro D. Cocca ist Professor für Wealth und Asset Management an der Johannes Kepler Universität in Linz sowie assozierter Professor am renommierten Swiss Finance Institute. Davor war er einige Jahre bei der Citibank im Investment und Private Banking tätig und forschte an der Stern School of Business in New York.

Wolfgang Reittinger ist seit 2011 Professor und Programmdirektor des Bereichs Private Wealth Management der Frankfurt School of Finance & Management. Vor seiner Lehrtätigkeit war er selbst im Private Wealth Management tätig: von 2007 bis 2010 als Leiter Produkte & Beratung bei der Hypovereinsbank und von 2003 bis 2006 als Leiter Wealth Planning bei der UBS Deutschland.

Armin Lauer war viele Jahre in leitender Position bei den Finanzinstituten UBS, Deutsche Bank und VP Bank sowie bei den Beratungshäusern Capco, Zeb und EY tätig. Themenschwerpunkte waren zumeist Strategieplanung, Digitalisierung oder Cross Border im Private Banking. Derzeit ist er mit der Firma Grosvenor Madison selbstständiger Unternehmensberater sowie Partner der Private-Equity-Gesellschaft Mountains & Hills.