Der Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments (ECON) der EU hat für den digitalen Euro abgestimmt und den Weg für die Pilotphase geebnet. Die Europäische Zentralbank (EZB) soll demnach ab 2029 das Mandat erhalten, digitales Zahlen zu steuern. In Deutschland bewarben sich dafür die Deutsche Bank, die Hessische Landesbank (Helaba), der Zahlungsabwickler Pay One, und die DZ Bank für die genossenschaftlichen Institute bei der EZB.
Insgesamt gingen bei der EZB circa 50 Bewerbungen für die rund 20 freien Plätze bei der EZB ein. „Wir werden im Juli bekannt geben, welche Zahlungsdienstleister ausgewählt wurden, damit die Entwicklungsarbeiten im dritten Quartal dieses Jahres beginnen können“, sagte Piero Cipollone im Direktorium der EZB. Er sprach im Juni vor dem ECON im europäischen Parlament.
Die von der EZB gewählten Banken sollen ab dem dritten Quartal ein Pilotsystem ausarbeiten. Das Bankenkonsortium soll dafür zwölf Monate Zeit haben. Erhält ein EU-Bürger einen digitalen Euro, entsteht bei seinem Kreditinstitut eine Forderung bei der EZB. Der digitale Euro verbrieft – wie Bargeld – eine Forderung gegenüber der EZB. Banken verwalten die Konten ihrer Kunden, treten aber nicht selbst als Gegenpartei auf.
Zu klären ist, welche Infrastruktur benötigt wird und wie Compliance-Vorgaben einzuhalten sind. Das digitale Zahlen soll für alle EU-Bürger kostenfrei sein. Offen ist auch, wie der digitale Euro das Geschäftsmodell von Banken und Finanzdienstleistern beeinflusst.
Digitaler Euro ist für EU-Bürger kostenlos
Der Kunde soll kostenlos ein Konto eröffnen können und über die Ländergrenzen hinweg bezahlen können. Banken können weiterhin das Kundenkonto bepreisen und für besondere Zahlungen Geld verlangen. Für Unternehmen wird der digitale Euro dahingegen nicht gebührenfrei sein.
Die Merchants Payments Coalition Europe, ein Verbund von Unternehmen in Europa, fordert eine Transaktionsgebühr von maximal 0,1 Prozent und bis zu vier Cent pro Kauf. Für Offlinevorgänge sollen demnach keine Gebühren erhoben werden. Die EZB schreibt noch recht vage, der digitale Euro sei für Unternehmen „kosteneffizient“. Die Zentralbank wolle generell für den digitalen Euro „weder Transaktionsgebühren erheben noch von diesen profitieren“.
Die Experten der EZB sprechen auf ihrer Institutsseite von Kosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, um den digitalen Euro zu entwickeln. Jährlich würden Kosten von rund 320 Millionen Euro anfallen. Analysten von PWC kamen 2025 sogar zu dem Schluss, dass den Banken innerhalb der EU Kosten in Höhe von 18 bis 30 Milliarden Euro entstehen.
EZB diskutiert Spanne für Einlagengrenze
Marc Pussar, Rechtsanwalt und Partner bei KPMG Law sagt: „Der digitale Euro ist nicht als vollständiger Ersatz für Bankeinlagen gedacht.“ Durch Obergrenzen pro Person will man verhindern, dass in großem Umfang Guthaben aus dem Bankensystem abgezogen werden. Burkhard Balz, im Vorstand der Deutschen Bundesbank, sagt: „Die Spannbreite, die aktuell diskutiert wird, liegt zwischen 500 bis 3.000 Euro.“
„Der digitale Euro soll ausdrücklich keine Überwachungswährung werden“, sagt Pussar. Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann weist auf ein weit verbreitetes Missverständnis hin. Viele Befürworter würden den digitalen Euro als europäische Antwort auf Kryptowährungen wie Bitcoin deuten. Anders als Kryptowährungen unterliege der digitale Euro institutioneller Verwaltung. Er gilt damit nicht als autonomes Zahlungsmittel.