Greenwashing vermeiden Diese Faktoren bestimmen Impact Investing

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Wie bestimmen wir den Einfluss von Konzernen?

Kapitalanlage in börsennotierte Wertpapiere bedeutet häufig, dass man in große, diversifizierte Unternehmen investiert. Der zusätzliche Effekt bei Firmen, die nur ein Produkt oder eine Dienstleistung anbieten, ist leichter zu bestimmen. Er erfordert allerdings immer noch Recherche, da diese Aktivitäten auch mit negativen Folgen verbunden sein können. Man denke beispielsweise an einen Hersteller von Solarpanelen, der keine Rücksicht auf die Umwelt oder auf die Situation der Arbeiter in der Lieferkette nimmt und sich nicht angemessen um seine Abfälle kümmert. Unter dem Strich hätte ein solches Unternehmen einen negativen Effekt auf Gesellschaft und Umwelt.

Im Rahmen unserer SDG-Systematik beziehen wir all diese Aspekte ein. Wir suchen nach Unternehmen, bei denen mehr als ein Drittel des Umsatzes zu mindestens einem der Nachhaltigkeitsziele beiträgt und bei der restlichen Geschäftstätigkeit keine negativen Effekte entstehen. Einen Bonus erhalten Firmen, die in Märkten mit unzureichender Abdeckung tätig sind (auf Basis des Human Development Index). Wichtig ist auch die Werthaltigkeit: Wir suchen nach Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen auf kosteneffektive und allgemein zugängliche Weise bereitstellen, und Firmen, die zu vernünftigen Kosten wichtige technische Fortschritte erzielen.

Die richtigen Messmethoden

Darüber hinaus ist es wichtig, über Methoden zu verfügen, mittels derer sich zeigen lässt, dass ein Investment tatsächlich positive Auswirkungen hat. Wir bei Robeco haben viel Arbeit in diesen Bereich investiert und uns dabei auf tatsächliche Investments in bestehenden Fonds gestützt. Um den Effekt zu berechnen, den die Produkte oder Dienstleistungen von Unternehmen in der Praxis bewirken, sind zahlreiche unterschiedliche Maße nötig. Allerdings muss man bei Angaben zur Einflussnahme vorsichtig sein.

So wurde kürzlich ein europäisches Finanzunternehmen verklagt, dem irreführende Behauptungen zum bewirkten Einfluss zwecks Neugeschäft vorgeworfen wurden. In den USA beanstandet die Wertpapieraufsicht SEC mittlerweile, wenn Fondsmanager potenziell Irreführendes hinsichtlich nachhaltiger Investments behaupten. Unterdessen sollen neue regulatorische Vorschriften in der EU diesen Bereich gründlicher regeln.

Wir haben beispielsweise unsere Messgrößen im Hinblick auf unseren Sustainable-Water-Fonds aktualisiert. Das betreffende Fondsmanagement investiert in Unternehmen, die zu Fortschritten bei Trinkwasser, sanitären Anlagen und Abwasser-Recycling beitragen. Damit ließ sich zeigen, dass die Portfolio-Unternehmen im Jahr 2020 pro eine Million Euro Investment 48 Milliarden Liter Trinkwasser bereitgestellt haben – ausreichend für 759 Haushalte durchschnittlicher Größe. Dies stellt tatsächlich einen Fortschritt für das Leben der Menschen dar, die zuvor nicht über sauberes Wasser verfügten, und hat unseren Kunden zugleich Rendite eingebracht.

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Zusätzlich zu den aktuellen Zahlen haben wir ergänzende Details aufgenommen, um sicherzustellen, dass den entsprechenden Reports kein Greenwashing vorgeworfen werden kann. Wir haben Informationen zu den Methoden (und deren Grenzen) hinzugefügt, die wir beim Abwägen des Impacts nutzen, und außerdem die dabei verwendeten Quellen aufgenommen. Wir stellen zudem klar, dass diese Effekte von den Unternehmen bewirkt werden, in die wir investiert haben, und deshalb mit dem Fonds in Kontakt stehen und nicht durch eine Anlage in den Fonds verursacht werden.

Auch wenn ich in diesem Text einige Bedenken dargelegt habe, bin ich nach wie vor stolz darauf, dass unsere Investments messbare Effekte hervorbringen. Die Palette der entsprechenden Produkte macht mittlerweile 12 Prozent aller von Robeco verwalteten Assets aus. So, wie das Kundeninteresse zunimmt, wird auch die Nachfrage steigen. Daher müssen wir sicherstellen, dass wir im Hinblick auf unseren Ansatz und unsere Kommunikation selbstkritisch bleiben.


Über die Autorin:
Masja Zandbergen ist Leiterin ESG-Integration bei Robeco. Für die niederländischen Investmentgesellschaft war sie bereits seit 1997 tätig. 2003 wechselte sie aus dem Aktien-Portfoliomanagement ins Nachhaltigkeits-Team und half das Active Ownership bei Robeco aufzubauen. Nach der Gründung eines eigenen Unternehmens und einer Station als Leiterin Aktien bei Syntus Achmea kehrte Zandbergen 2015 zu Robeco als Leiterin ESG-Integration zurück.