Ein kaputtes Knie hat Dierk Wilhelmsmeyer in die Finanzbranche gebracht. Eigentlich wollte er Offizier werden, die Bundeswehrlaufbahn war geplant. Dann entschied das Knie anders. Es folgte eine Banklehre bei der Bayerischen Vereinsbank, vier bis fünf Jahre als Private Banker mit echten Kunden am Tisch und danach der Schritt in die Konzernrevision, weil ihn interessierte, was hinter dem Beratungsgespräch passiert. „Ich möchte mal hinter die Kulissen gehen“, sagt er über die Entscheidung.
Heute ist er dort geblieben. 2022 gründete er in München Tradevest, einen Infrastrukturdienstleister für Banken und Vermögensverwalter: Handel, Verwahrung, Regulatorik, Antragsstrecke. Alles im Hintergrund, alles weiß etikettiert. „Letztendlich liefern wir die Schaufeln“, beschreibt Wilhelmsmeyer das Geschäft. Die Kreativität, wie der Prozess für den Endkunden aussieht, überlässt er den Partnern.
Interessant wird das durch ein Datum: Im Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot. Für Tradevest ist es „eins der Kernprodukte für die Zukunft“. Aber nicht, weil sich damit hohe Margen holen ließen, ganz im Gegenteil. Der Gesetzgeber hat die Kosten gedeckelt. Wer das Produkt anbietet, kann nicht beliebig bepreisen. Damit entscheidet die Produktionskostenseite darüber, ob sich das Geschäft überhaupt trägt. Und die sinkt nur, wenn der Prozess vollständig automatisiert läuft.
Genau hier liegt Wilhelmsmeyers Verkaufsargument, und zugleich auch der Konflikt. Ein Teil des Wettbewerbs arbeite im Backoffice noch mit papierhaften Prozessen, sagt er. Tradevest verarbeite in Echtzeit, nicht am nächsten Tag.
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Die Zielgruppe, um die es geht, sitzt bislang nicht beim Vermögensverwalter. Sie sitzt auf Sparkonten, in Versicherungen, in Sichteinlagen. Rund 500 bis 600 regulierte Vermögensverwalter gibt es in Deutschland – viele davon, so Gastgeber Malte Dreher im Gespräch, haben nicht einmal eine anständige Homepage. Wilhelmsmeyer widerspricht nicht. Er hält das Altersvorsorgedepot für den Hebel, der klassische Häuser zur Digitalisierung zwingt: „Ich glaube, das ist das Muss sogar.“ Ein traditioneller Vertriebsweg sei bei diesem Produkt „wenig effizient“.
Interessant ist, wie er die Schwelle beziffert, ab der es sich lohnt. Zehn Kunden online: uninteressant. Dreistellig: wird interessant. Für Tradevest selbst spielt das Volumen keine Rolle: Aus Initialabschlüssen fließen keine Erlöse, das Pricing hängt am Leistungspaket und wird individuell verhandelt.
Bleibt die Frage, die auch Wilhelmsmeyer offenlässt: Der Riester-Umzug auf das neue Depot soll per Vertragsnummer und Häkchen funktionieren. Er ist selbst Riester-Kunde und will übertragen. Gesehen hat das noch niemand. Wie das technisch laufen soll, wo Technologie und Regulatorik gegeneinander arbeiten und worauf Dierk Wilhelmsmeyer jetzt setzt, darüber spricht Dierk Wilhelmsmeyer im Podcast.