Die Volksbanken kommen Bielefelder Platzhirsche haben keine Angst vor neuer Private-Banking-Konkurrenz

Hauptsitz des traditionsreichen Bankhaus Lampe auf dem Marktplatz im nordrhein-westfälischen Bielefeld (rechts)

Hauptsitz des traditionsreichen Bankhaus Lampe auf dem Marktplatz im nordrhein-westfälischen Bielefeld (rechts) Foto: Nils Ehnert, Creative Commons

Die Genossen kommen: In Bielefeld wird es 2015 zwei neue Adressen geben, die betuchten Kunden ihre Dienste anbieten. Zwei Volksbanken, die sich alles andere als grün sind, planen den Eintritt in einen der attraktivsten und zugleich umkämpftesten deutschen Märkte für Vermögensmanager.

Neuling Nummer eins ist die 2013 durch eine Fusion entstandene Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Die ehemalige Volksbank Gütersloh ist seit dem Jahr 2000 im Private Banking in Bielefelds Nachbarstadt aktiv. Von den rund 4.000 Kunden (1,2 Milliarden Euro Volumen) stammen bereits heute 1.000 (400 Millionen Volumen) aus Bielefeld.

Losgehen soll es mit sechs Mitarbeitern. In vier Jahren will man die Kundenzahl und das verwaltete Vermögen verdoppeln. Das Team soll bis dahin auf 14 Personen anwachsen.

Neuling Nummer zwei ist die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold. Zusammen mit dem ehemaligen Niederlassungsleiter der Lampe-Bank in Bielefeld, Willi Ernst, gründete man gerade eine Vermögensverwaltung namens „Werther und Ernst“.

Das „Werther“ im Namen wurde vom „Bankverein Werther“ übernommen, den sich die Volksbank Paderborn 2011 einverleibt hatte, um so einen Fuß in den Bielefelder Markt zu bekommen. Ein Tabubruch, wetterten die Volksbanken Bielefeld und Halle damals. Sie werteten das Eindringen in ihren Markt als Verstoß gegen das genossenschaftliche Regionalitätsprinzip („Ein Markt – eine Bank“).

Jedoch handelt es sich hier um ein ungeschriebenes Gesetz, das lediglich auf einem verbandsinternen Beschluss basiert. Der sogar vor Gericht geführte Streit zwischen den Volksbanken ist mittlerweile beigelegt.



Auch die Paderborner starten ihre Mission Bielefeld mit sechs Mitarbeitern. Aktuell betreut die Volksbank, bisher in Kooperation mit der DZ Privatbank, rund 3.000 vermögende Kunden mit einem Volumen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro. Das hehre Ziel: Zu einer der größten Vermögensverwaltungen in ihrem Geschäftsbereich werden.

„Schon viele sind gekommen“

Zwei neue Adressen im scheinbar gesättigten Bielefelder Private-Banking-Markt – sind das nicht zwei zu viel? Ja und nein. Zum einem ist die Zahl potenzieller Kunden begrenzt. Passend dazu äußert sich Werner Schönfeld, Leiter Vermögensmanagement bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, gegenüber der Neuen Westfälischen: „Wir werden nur wachsen, wenn wir anderen etwas wegnehmen."

Auf der anderen Seite wächst der Markt dennoch. Der Bundesverband der Volksbanken sagt für Bielefeld im Jahr 2015 einen Vermögenszuwachs allein aus steigenden Einkommen, Zinsen oder Gewinnausschüttungen um zirka 123,5 Millionen Euro vorher.

So oder so: Die Private-Banking-Platzhirsche geben sich gegenüber der neuen Konkurrenz unbeeindruckt. „Schon viele sind gekommen, und viele sind wieder gegangen, etwa die Credit Suisse", wird zum Beispiel Frank Brüggemann, Leiter des Wealth Management bei der Commerzbank, von der Neuen Westfälischen zitiert. Der Markt sei laut Brüggemann trotz vieler Wettbewerber groß genug.

Christoph Kaleschke, Sprecher der Sparkasse Bielefeld, sieht kurzfristig keine „Marktverschiebungen“ und schiebt selbstbewusst hinterher: „Wir sind nicht nur die Bank der normalen Sparer, sondern auch die der Millionäre.“