Rückblick auf das Branchentreffen Die Super Return 2024 und die große Frage nach dem „Wann“

Julien Zornig von Astorius:

Julien Zornig von Astorius: Foto: Astorius

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Die Teilnehmerzahl bei der Super Return 2024 in Berlin war wie immer beeindruckend. Wie schon in den Vorjahren verlagern Besucher ihre eigentlichen Meetings mehr und mehr vom Interconti weg in die umliegenden Hotels, Cafés und Restaurants. Das mag Kostengründe haben, oder auch dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und Differenzierung im intensivierten Wettbewerb um Investorengelder folgen.

Denn ein auffälliger Trend, der im vergangenen Jahr als kleiner Testballon begonnen hatte, war dieses Mal sprichwörtlich unübersehbar: die vielfache Nutzung von „Tiny Houses“, zu kleinen Konferenzräumen umfunktionierten Wohnwagen, die auf der Straße vor dem Hotel geparkt waren. An diesen prominenten „Räumlichkeiten“ liefen täglich tausende Besucher vorbei. Sogar ein Flixbus in Knallgrün wurde als improvisierter Meetingraum außerhalb der eigentlichen Konferenzfläche eingesetzt. Der Wettbewerb um verknapptes Investorenkapital hat ohne Frage zugenommen. Viele Fonds, deren Fundraising in den Boomjahren auch aus der Distanz gut funktionierte, suchen nun offenbar wieder die Nähe von Investoren. Dabei wählen einige Manager neue, kreative Herangehensweisen.

Optimismus trotz Herausforderungen

Trotz schwieriger Marktdaten wie dem schon angesprochenen, herausforderndem Fundraising, weniger Transaktionen und sinkenden Bewertungen – besonders im Large-Cap-Bereich – herrschte eine positive Grundstimmung.

 

Zwar wird von den meisten Besuchern anerkannt, dass die allgemeine Private-Equity-Lage schon mal besser war, doch konkret scheint das auffallend häufig vor allem „die Anderen“ zu betreffen. Die Branche agiert immerhin noch – oder wieder – auf Normalniveau, verglichen mit den Jahren vor dem Rekordjahr 2021.

Der Wendepunkt – wann geht es wieder aufwärts?

Die zentrale Frage auf der diesjährigen Super Return war, wann der Markt wieder spürbar an Fahrt aufnimmt. In den letzten zwei Jahren waren Transaktionen und Fundraising träge, was angesichts des rasanten Zinsanstiegs und diverser geopolitischer Fragezeichen nicht überraschend ist. Aber wann wird ein neues Gleichgewicht erreicht?

Wir haben mit unserem Team in Berlin 51 europäische Fondsmanager aus dem Small- und Mid-Cap-Segment konkret dazu befragt. Überraschenderweise sieht die Mehrheit unserer Gesprächspartner den Wendepunkt im Transaktionsmarkt bereits erreicht. Weitere 40 Prozent erwarten eine Belebung noch im weiteren Verlaufe des Jahres, meist im vierten Quartal. Nur 8 Prozent rechnen erst ab 2025 wieder mit aktiveren Märkten.

Dieses Ergebnis ist überraschend, da globale Erhebungen wie zuletzt im Bain Private Equity Midyear Report 2024 noch zu circa 40 Prozent von einer Erholung erst ab 2025 ausgehen. Möglicherweise liegt der Optimismus unter unseren Gesprächspartnern an der Robustheit kleinerer Fonds, die weniger von Börsengängen und komplexen Finanzierungen abhängig sind. Die meisten dieser Manager verwalten spezialisierte Fonds von „nur“ 100 Millionen bis einer Milliarde Euro und unterliegen damit anderen Einflüssen als die prominenten Multimilliarden-Fonds, an denen sich die Branche am liebsten orientiert.

Herausforderungen und Chancen

Die Haltedauer von Bestandsinvestments ist nach der längeren Transaktionsflaute auf Rekordniveau. Viele Verkäufer können ihre anspruchsvollen Preisvorstellungen im veränderten Marktumfeld nicht realisieren, und der IPO-Markt entlastet die Branche auch nicht. Gleichzeitig müssen Fonds Kapital investieren, das in den Rekordjahren eingesammelt wurde und bald angelegt werden muss. Fast 25 Prozent dieses „Dry Powder“ ist mittlerweile mehr als vier Jahre alt und der Zeitdruck steigt.

Fondsmanager, die „Primary Deals“ machen und die ersten institutionellen Investoren in ihren Beteiligungsunternehmen sind, berichten von zunehmendem Interesse auf Unternehmerseite nach kapitalstarken und erfahrenen Private-Equity-Partnern.

 

Größere Fonds, die überwiegend auf „Secondary Deals“ fokussiert sind und Portfoliounternehmen von kleineren Fonds abkaufen, profitieren langsam wieder von stabilisierten oder auch leicht sinkenden Zinsen. Damit können sie auf den Anlagedruck des alternden „Dry Powder“ reagieren und zum Teil auch wieder beachtliche Bewertungen für hochqualitative Unternehmen zahlen.

Fundraising bleibt grundsätzlich eine Herausforderung, doch es gibt auch hier positive Signale. Von 48 befragten europäischen Fondsmanagern, die aktuell Kapital einwerben, stuften nur 4 Prozent das Umfeld gegenüber der Super Return 2023 vor zwölf Monaten als schlechter ein. Die Mehrheit nannte es unverändert herausfordernd, aber immerhin 44 Prozent sprachen bereits wieder von einer Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.

Ein vorsichtiges Aufatmen

Unabhängig vom genauen Zeitpunkt der Erholung im breiteren Private-Equity-Markt sehen wir vermehrt Exit-Ankündigungen von kleinen und mittelgroßen Fonds. Dies deutet darauf hin, dass sich das Umfeld für Private Equity stabilisiert haben könnte. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob dieser positive Trend anhält und die Branche auch gesamthaft wieder auf einen Wachstumskurs einschwenkt.


Über den Autor:

Julien Zornig ist Managing Partner bei Astorius. Nach seinem Studium leitete er in Zürich für die Berenberg-Gruppe die gesamten Hedge-Fonds-Aktivitäten. Nach dem Wechsel zur M.M. Warburg Gruppe war er im Bereich Private Equity tätig und baute gleichzeitig strategische Beziehungen zu Family Offices und Asset-Management-Gesellschaften auf. 

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