Gut 100 Milliarden Euro verwalteten Geldmarktfonds deutscher Provenienz zum Jahresende 2008 – ein neuer Rekord. Fünf Jahre später waren es gerade noch 10 Milliarden Euro. Das weist die Statistik des deutschen Fondsverbands BVI aus.
Nicht überall hatte die Finanzkrise derart fatale Folgen für die Fondskategorie wie auf dem stark Retail-geprägten deutschen Markt, der zudem von den traditionell engen Geschäftsbeziehungen zu Banken geprägt wird. In der Europäischen Union sanken die Assets under Management von Geldmarktfonds im gleichen Fünfjahreszeitraum laut Europäischer Zentralbank um etwa ein Drittel; weltweit gingen sie vom Ausgangsniveau von rund 5 Billionen US-Dollar lediglich um ein Viertel zurück.
In der Folge blieb der Zuspruch zu den Geldmarkt-Vehikeln lange verhalten. Die Erfahrungen aus der Finanzkrise – hohe Abflüsse, Liquiditätsengpässe und teilweise negative Performance – hatten nachhaltige Verunsicherung zur Folge. Und auch Leitzinsen nahe beziehungsweise auf null gaben wenig Anlass, mehr Kapital als nötig auch nur vorübergehend am kurzen Ende des Zinsmarkts zu parken.
Klar gewendet hat sich das Blatt erst etwa 15 Jahre nach der Finanzkrise: Mit dem Leitzins stieg 2023 auch die Nachfrage nach Geldmarktfonds deutlich. In Europa war diese Entwicklung besonders ausgeprägt. Dem europäischen Fondsverband EFAMA zufolge verzeichneten Geldmarktfonds im Jahr 2023 aufgrund der inversen Zinsstrukturkurven Zuflüsse in Höhe von 170 Milliarden Euro und erzielten damit eines der stärksten Ergebnisse des Jahrzehnts. Diese Dynamik beschleunigte sich 2024 weiter: Geldmarktfonds erreichten mit 223 Milliarden Euro einen Rekordwert bei den Nettozuflüssen.
Stabilere regulatorische Grundlage
Bemerkenswert ist dabei, dass die heutigen Zuflüsse auf eine deutlich stabilere regulatorische Grundlage treffen als noch vor 2008. Während der US-Geldmarktfondsmarkt bereits vor der Finanzkrise strenger reguliert war und daher vergleichsweise geringere systemische Schäden verzeichnete, fehlte in Europa lange ein einheitlicher Rahmen. Erst mit der europäischen Geldmarktfonds-Verordnung (MMFR) wurde ein vergleichbar robustes Regelwerk geschaffen.
In den USA hat die Aufsichtsbehörde SEC das Regelwerk nach den Lehren aus der Finanzkrise bereits dreimal angepasst – zuletzt 2023. Seither gelten unter anderem verschärfte Liquiditätsanforderungen; zudem müssen Fonds des Prime-Segments, die in nicht-staatliche Papiere investieren, Käufe und Rücknahmen zu einem marktwertbasierten oder „variablen" Nettoinventarwert abwickeln. Auch die 2019 in Kraft getretene EU-Verordnung (EU 2017/1131) hat strengere Vorschriften für Diversifizierung, Liquidität und Transparenz eingeführt. Die regulatorischen Rahmenbedingungen bieten Investoren damit eine verlässlichere Orientierung als in früheren Marktphasen.
Noch weit höher waren die Zuflüsse in den USA: Den dort aktiven Money Market Funds flossen allein 2023 rund 1 Billion US-Dollar zu. Ohnehin sind die Vereinigten Staaten der bei weitem größte Markt für Geldmarktfonds – die ersten Fonds wurden bereits in den 1970er Jahren aufgelegt, um die Zinsobergrenzen zu umgehen, mit denen Banken seinerzeit über die „Regulation Q" belegt waren. Das von Geldmarktfonds global verwaltete Vermögen erreichte Ende 2025 erstmals die Marke von 10 Billionen US-Dollar.
Drei Motive, eine Anlageklasse
Investoren und Treasurer halten Barmittel aus drei Gründen: um die laufende Handlungsfähigkeit sicherzustellen, um für schwierigere Zeiten vorzusorgen und um abzuwarten, bis sich die Marktbedingungen für langfristige Investitionen verbessern.
Geldmarktfonds dienen dabei in erster Linie der renditeoptimierten Aufbewahrung kurzfristiger Barmittel und als Instrument des Liquiditätsmanagements. Darüber hinaus werden sie als sinnvolle Ergänzung zu den üblichen Hausbankbeziehungen gesehen – ein Aspekt, der nach den Erfahrungen mit Bankeninstabilitäten auch in institutionellen Portfolios an Gewicht gewonnen hat.
Zunehmend werden Geldmarktfonds auch als Stabilitätsanker in Zeiten von Marktunsicherheit genutzt. Im Jahr 2025 führten geopolitische und wirtschaftliche Volatilitäten dazu, dass Institutionen verstärkt auf Barbestände setzten, was zu deutlichen Zuflüssen in Geldmarktfonds führte. Schon zuvor galten diese Vehikel als bewährte Möglichkeit, abwartend auf attraktive Investmentchancen zu reagieren.
Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits in der Covid-Phase: Nach den Marktverwerfungen im März 2020 und zwischenzeitlich angespannten Liquiditätsbedingungen verzeichneten europäische Geldmarktfonds im Gesamtjahr Nettozuflüsse von rund 215 Milliarden Euro und erreichten damit ein Rekordniveau. Dies unterstreicht ihre Funktion als Instrument zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung in Stressphasen.
Laddering als Renditepuffer
Unsicherheiten über die künftigen Entscheidungen der Notenbanken und steigende Volatilität an den Finanzmärkten könnten zwar zu einem gewissen Gegenwind führen. Doch selbst wenn die Leitzinsen 2026 wie erwartet weiter sinken, bieten Geldmarktfonds einen strukturellen Puffer: MMF-Portfolios verfolgen in der Regel eine „Laddered Strategy" – sie investieren in Wertpapiere mit unterschiedlichen Laufzeiten, die bei höheren Zinsen vor Zinssenkungen gekauft werden. Die Renditen dieser Portfolios sinken im Vergleich zum Gesamtmarkt damit langsamer, sodass Anleger länger höhere Renditen erzielen können.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Renditeoptimierung: Bei steigenden Zinsen bieten Geldmarktfonds oft höhere Renditen als Bankeinlagen, was sie für vorübergehend geparkte institutionelle Barmittel attraktiv macht. Tatsächlich waren Renditedifferenzen während des jüngsten Zinserhöhungszyklus ein zentraler Treiber für Allokationen in diese Anlageklasse – ein Vorteil, der sich strukturell auch in Phasen sinkender Zinsen halten kann.
Tokenisierung als nächster Entwicklungsschritt
Ein zusätzlicher Impuls für die Weiterentwicklung der Anlageklasse geht von der Tokenisierung aus: der Umwandlung von Eigentumsrechten oder Ansprüchen in digitale Token. Tokenisierte Geldmarktfonds versprechen eine schnellere Abwicklung, sodass Fondsanteile nahezu in Echtzeit zwischen Plattformen transferiert werden können; sie bieten außerdem Möglichkeiten für eine effizientere Besicherung, indem Geldmarktfondsanteile leichter für Margin-, Repo- oder On-Chain-Transaktionen mobilisiert werden können.
Doch der Markt befindet sich derzeit noch in einem frühen Entwicklungsstadium: Das globale Volumen tokenisierter Treasury- und Geldmarktfondsprodukte beläuft sich Anfang 2026 auf rund 20 bis 22 Milliarden US-Dollar. In Europa ist der Anteil am gesamten Geldmarktfondsmarkt bislang noch sehr gering und liegt bei unter 1 Prozent, zeigt jedoch eine zunehmende Entwicklungsdynamik.
Neue Produktstrukturen können darüber hinaus auf spezifische institutionelle Anforderungen zugeschnitten werden. Besonders strikt regulierte qualifizierte Geldmarktfonds sind in einem Umfeld mit höheren Zinsen eine zunehmend relevante Alternative zu traditionellen Euro-Bankguthaben. Institutionelle Investoren mit hohen Governance-, Transparenz- oder Kontrahentenanforderungen – etwa E-Money-Institute – können durch Repo-freie Strategien ihre Abhängigkeit von besicherten Wertpapierpensionsgeschäften reduzieren.
Fazit
Geldmarktfonds haben sich als liquide, effiziente Vehikel für die Aufbewahrung kurzfristiger Barmittel etabliert und liefern häufig einen Mehrertrag gegenüber Bankeinlagen. Ihre Funktion als taktischer Stabilitätsanker in volatilen Marktphasen macht sie zu einem relevanten Bestandteil institutioneller Portfolioarchitektur – jenseits des bloßen Cashparkens.
Über den Autor: Frank Pöpplow ist Head of Business Development für Deutschland und Österreich bei Federated Hermes. Zuvor war er Managing Director der europäischen Niederlassung von Federated Hermes sowie General Manager von attrax S.A. in Luxemburg. Seine Karriere begann er bei der DZ Bank. Pöpplow hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre von der Universität Bonn.
Interessenhinweis: Der Autor ist als Head of Business Development bei Federated Hermes tätig, einem Anbieter von Geldmarktfonds. Der Beitrag gibt seine persönliche Einschätzung wieder.
