Doch befinden wir uns weiter in einer Abschwungsphase oder bereits wieder einer Aufschwungsperiode? Das ursprüngliche von Kondratjew identifizierte zeitliche Ablaufmuster legt nahe, dass wir uns immer noch im Niedergang befinden. Wenn allerdings der Höhepunkt des vorangegangenen Zyklus schneller erreicht wurde, so könnte man vermuten, dass der Abstieg ebenfalls schneller erfolgte, sich also die Zyklusdauer insgesamt auf zirka 30 bis 40 Jahre verkürzt hat. Nicht auszuschließen ist, dass sie sich in Zukunft sogar noch weiter verkürzt.
Diese Fragestellung ist gerade für langfristig orientierte Anleger sehr interessant, da die Entwicklung der Aktienbörsen bisher eng mit dem Verlauf eines Kondratjew-Zyklus verknüpft war. Dies belegt untenstehende Grafik, bei der Simulationsrechnungen für den Verlauf dieser Zyklen sowie die historischen Performancedaten der führenden Aktienmärkte (vor 1871 Großbritannien, danach USA) übereinandergelegt wurden. Mit Ausnahme einer Delle durch den Ersten Weltkrieg stimmen Zyklus und verfügbare Aktienkursdaten gut überein.
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Aufschwungsphasen im Kondratjew-Zyklus sind in der Regel mit lang anhaltenden Bullenmärkten verknüpft, wie wir es zuletzt in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gesehen haben.
Für die Endphasen ist typisch, dass viele Marktteilnehmer nach Perioden lang anhaltenden Fortschritts den zyklischen Charakter verkennen. Sie schreiben mit in ihren Erwartungen die positiven Trends immer weiter in die Zukunft fort und werden viel zu optimistisch. Höhepunkte in der langen Welle waren deshalb immer mit weit übertriebenen Aktienkursen verbunden, wie während der Roaring Twenties, der Phase der Nifty-Fifty-Aktien Anfang der 70er oder eben während des Internetaktienbooms bis zum Jahr 2000.
Nach dem exzessiven Rausch kam dann jeweils ein heftiger Kater, der meist zirka 10 Jahre wirtschaftliche Stagnation und hohe Volatilität an den Börsen mit sich brachte: Die Weltwirtschaftskrise der 30er und die Ölkrise der 70er Jahre schlossen so jeweils ihre Kondratjew-Zyklen ab. Insofern liegt es nahe, auch die Krisenphase des vergangenen Jahrzehnts zwischen platzender Internetblase, Finanzkrise sowie Euro-Staatsschuldenkrise als Endphase der fünften Welle zu interpretieren.
Inzwischen gehe zumindest ich sogar davon aus, dass die letzte Abschwungsphase nicht nur beendet ist, sondern die nächste Aufschwungswelle schon längst begonnen hat. Für diese Sichtweise spricht, dass sich in den vergangenen Jahren in einer Reihe von Forschungsgebieten vielfältige Neuheiten entwickelt haben, die das Potenzial für echte Basisinnovationen haben. Erste Markteinführungen von Produkten, die auf neuen Techniken basieren, sind schon erfolgt oder stehen in absehbarer Zeit bevor.
Deswegen erscheint es interessant, einen Blick auf diese Innovationen zu werfen, die unser Leben – und auch die Wertentwicklung unserer Kapitalanlagen entscheidend beeinflussen können.
Die sechste Welle Wo befinden wir uns im Kondratjew-Zyklus?
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