Die Wachstumsformel
Wenn man die Rolle des technischen Fortschritts in der wirtschaftlichen Entwicklung verstehen will, stößt man unweigerlich auf die Namen zweier Ökonomen, die seine Rolle grundlegend analysiert und beschrieben haben: Nikolai Kondratjew und Joseph Schumpeter.
Nikolai Kondratjew veröffentlichte 1926 den bahnbrechenden Aufsatz „Die Langen Wellen der Konjunktur“. Auf der Basis empirischen Materials aus Deutschland, Frankreich, England und den USA stellte er fest, dass es zwei Arten von Wirtschaftszyklen gibt: mittelfristige durch allgemeine Angebots- und Nachfrageschwankungen sowie sehr lange Konjunkturwellen, die 40 bis 60 Jahre dauern können.
Als Ursache für diese langen Wellen wurden Paradigmenwechsel in der Wirtschaft durch technische Neuerungen identifiziert, die zu massiven Investitionen in neue Technologien führten. Joseph Schumpeter entwickelte in den 1930er Jahren in seinen Untersuchungen über Konjunkturzyklen die Ideen von Kondratjew weiter. Er bezeichnete die langen Konjunkturwellen erstmals als Kondratjew-Zyklus.
Weiterhin prägte Schumpeter den Begriff der Basisinnovationen für die grundlegenden technischen Innovationen, die Ausgangspunkt für diese langen Wellen sind und zu einer Umwälzung in der Produktion und Gesellschaft führen. Für Schumpeter war für den Erfolg einer Basisinnovation nicht ihre Entdeckung ausschlaggebend, sondern der weitverbreitete Einsatz. Insofern war für ihn nicht unbedingt der Wissenschaftler oder Erfinder der Innovation die entscheidende Figur, sondern derjenige, welcher die Neuheit kommerziell verwertete und damit ihre Verbreitung vorantrieb: der dynamische Unternehmer.
Unternehmer verbreiten Innovationen, weil sie sich hiervon kommerzielle Erfolge versprechen. Andere Unternehmer imitieren die Pioniere, worauf diese mit weiteren Verbesserungen reagieren müssen, um ihre Stellung zu halten. Dies zieht wiederum Reaktionen der Wettbewerber nach sich. Aus dem Wechselspiel zwischen Innovation und Imitation beschleunigt sich der technische Fortschritt.
Allerdings geht dies meist zulasten traditioneller Produkte, die dann ganz oder teilweise verdrängt werden. Innovativer Fortschritt ist deshalb auch immer ein Prozess kreativer Zerstörung. Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung der Tablets in den vergangenen Jahren. Technisch schon lange möglich, waren diese Mini-Rechner mehrere Jahre eher unpopuläre Nischenprodukte geblieben. Erst als der dynamische Unternehmer Steve Jobs von Apple die Idee aufgriff und mit dem iPad ein sehr benutzerfreundliches Tablet präsentierte, verbreiteten sich diese rasend schnell. Wettbewerber wie Samsung kamen mit ähnlichen Produkten auf den Markt, was den ursprünglichen Innovator Apple zu weiteren Verbesserungen zwang.
Tablets wurden damit ebenfalls immer mehr zum Ersatz für traditionelle Computer, deren Markt in der Folge massiv beeinträchtigt wurde. Die wichtige Rolle des dynamischen Unternehmers – und seiner ebenfalls dynamischen Nachahmer – bei der Durchsetzung von Innovationen erklärt, warum das System freier Marktwirtschaft mit einem relativ ungehinderten Marktzugang so wichtig ist für Wirtschaftswachstum. Etablierte Unternehmen und Bürokraten haben immer ein Interesse daran, dass sich möglichst wenig ändert, da ihre Besitzstände durch den Prozess kreativer Zerstörung gefährdet werden.
Die sechste Welle Wo befinden wir uns im Kondratjew-Zyklus?
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