Proptechs im Private Banking Die schöne neue Immobilienwelt

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Auf Basis dieser Technologien sind in den vergangenen Jahren auch neue Investitionsmöglichkeiten im Immobiliensegment entstanden, die vor allem Start-ups anbieten, die sich an der Schnittstelle von Immobilien und Finanzen in Stellung bringen. Diese haben aus Investorensicht folgende grundsätzliche Vorteile:

  • Sie verringern die Informationsnachteile durch standardisierte Aufbereitung von investitionsrelevanten Informationen und digitalen Zugang
  • Sie verringern die Transaktionskosten und erhöhen die Fungibilität durch Trennung von Finanzinstrument, das den wirtschaftlichen Nutzen abbildet, salopp gesagt vom „Grundbucheintrag“
  • Sie vollbringen eine leichtere Diversifikation des Risikos für den Einzelinvestor durch die Möglichkeit, anstatt der ganzen Immobilie Anteile an derselben zu erwerben

In einer idealen Welt bedeutet dies, dass sich ein Investor auf seinem Tablet eine Vielzahl von Immobilieninvestments anschauen und auf Basis standardisierter Daten vergleichen, eine Investition ab 1 Euro mit einem Klick tätigen und sich so ein Immobilienportfolio nach seinen Rendite-Risiko-Profil zusammenstellen kann. Und natürlich dies auch umschichten und liquidieren kann. Wie lange müssen wir noch auf diese schöne neue Immobilienwelt warten? Weniger lange als man erwarten würde, da sich eine Vielzahl von Firmen mit signifikantem Backing durch Venture-Capital-Fonds dieser Themen angenommen hat, wobei diese im Detail unterschiedliche strategische Ausrichtungen und „Reifegrade“ haben.

So fokussiert beispielsweise die Firma Cadre mit Sitz in New York auf HNWIs, Family Offices und Institutionelle Anleger, die beispielsweise in Anteile an Wohnanlagen investieren wollen. ISPX in London ist eine Immobilienbörse, die den Handel unter anderem von Gewerbeimmobilien erleichtert. Property Partner, ebenfalls in Großbritannien aktiv, bietet Retail-Investoren die Möglichkeit, sich an der Finanzierung von Wohnimmobilien zu beteiligen.

Im deutschen Markt ist insbesondere Exporo bekannt, das Crowdfunding für kleinteilige Immobilieninvestments anbietet und seit Gründung immerhin rund 700 Millionen Euro vermittelt hat. Im Vergleich zu herkömmlichen Hypothekenfinanzierung einer Regionalbank ist dies aber immer noch ein überschaubares Volumen, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Löwenanteil Mezzanine-Finanzierungen waren („Exporo-Finanzierung“), während die Produktlinie, die den gesamten wirtschaftlichen Nutzen abbilden soll („Exporo Bestand“), noch ganz am Anfang steht.

Probleme und Chancen aus Sicht eines Private Bankers

Lösen die genannten Beispiele nun das Problem des Private Bankers, seinen Kunden ein rentables, kosteneffizientes und relativ fungibles Investment anzubieten? Dies ist leider noch nicht der Fall, da die Mehrzahl der Startups ein B2C-Geschäftsmodell hat und sich somit direkt an Retail-Kunden wendet. Etablierte Berater im Wealth Management, welche den Kunden bei der Investition in größere Tickets unterstützen, werden oft ausgeklammert.

Die Zukunft gehört Unternehmen, die sich als Transaktionsplattform und Mittler zwischen den Welten Immobilien und Wealth Management positionieren. Diese könnten Mehrwerte liefern, unter anderem bei der effizienten Aufbereitung von investitionsrelevanten Informationen über Immobilienprojekte, unterstützt durch künstliche Intelligenz, die Prüfung und Auswahl der Objekte und kosteneffiziente Investitionsmöglichkeiten. Ein Beispielunternehmen aus diesem Segment ist Estating, ein Fin-Proptech, gegründet 2020 von einem sehr erfahrenen Team mit Expertise im Wealth Management, Fintech und Technologie.

Das Start-up nutzt etablierte Finanzinstrumente (Verbriefung von Einzelimmobilien nach Luxemburger Recht) und bewährte Vertriebskanäle, nämlich unabhängige Vermögensverwalter, Family Offices und Privatbanken. Das Angebot richtet sich aktuell an professionelle Investoren, die an Investments ab 50.000 Euro in Objekte in Miami, Madrid oder Berlin interessiert sind.

Auch wenn diese schöne neue Immobilienwelt noch etwas Zeit brauchen wird, um breite Akzeptanz zu finden, sind die Vorteile für Investoren eindeutig: geringere Kosten, Diversifikationsvorteile und ansehnliche Renditen. Aus Sicht eines Private Bankers kommt hinzu, dass es sich um ein innovatives Angebot jenseits von Anleihen und Aktien handelt, mit dem man sich vom Wettbewerb differenzieren kann, und das gut zu einer gesamthaften Vermögensberatung passt.

 


Über den Autor:

Dr. Norbert Paddags ist Geschäftsführer der Dr. Paddags Consulting, die Banken und Dienstleister in Financial Services zu allen Fragestellungen des Digital Wealth Managements berät. Des Weiteren unterstützt er als Strategiechef das Fin-Proptech Estating.