Proptechs im Private Banking Die schöne neue Immobilienwelt

Norbert Paddags, Geschäftsführer der Dr. Paddags Consulting

Norbert Paddags, Geschäftsführer der Dr. Paddags Consulting: Er gibt einen Überblick über das Leistungsvermögens von Proptechs für Private-Banking-Kunden.

Es ist zum Haare raufen! Wohin mit der Liquidität? Aktien: Dax-Höchststand bei deutlich mehr als 14.000 Punkten. Gleiches Bild beim S&P 500. Anleihen: Die Federal Reserve Bank (Fed) will die Niedrigzinspolitik bis 2024 weiter führen trotz guter Wachstumsprognosen für die USA. Und in Europa ist vor dem Hintergrund der Corona-bedingten Schuldenaufnahme eine Änderung der Zinspolitik auch nicht bald zu erwarten. Also bleibt bei der Suche nach akzeptablen Renditen oft nur die Flucht in illiquide Asset-Klassen wie Private Equity oder Immobilien.

Immobilien sind als Anlageklasse beliebt: So beträgt typischerweise der Wert vermieteter Immobilien, die Private-Banking-Kunden als Renditeobjekte halten, dem der liquiden Wertpapieranlagen in ihren Depots. Zudem sind Immobilien weltweit die größte Asset-Klasse. Allein Wohnimmobilien hatten 2017 einen Gesamtvolumen von 220 Billionen US-Dollar und damit mehr als Aktien und Anleihen zusammen.

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Trotz des Volumens, der Werthaltigkeit und guter Renditen, zumindest bei gehebelten Anlagen, weisen Immobilien-Investment immer noch eine Reihe von Nachteilen aus. Wählt man den Weg eines Direktinvestments, sprich Kauf einer Immobilie, so hat man als Anleger hohen Aufwand beim Finden eines geeigneten Objekts, Kosten für Makler, Notar und Grunderwerbssteuer plus lästige Themen bei der Vermietung. Des Weiteren werden die meisten Private-Banking-Kunden aufgrund der Höhe der Einzelinvestments keine angemessene Diversifikation ihres Immobilienportfolios erreichen.

Möchte man heute 500.000 Euro in Immobilien anlegen, so kann man in Metropolregionen in guter Lage dafür eine Wohnung kaufen. Selbst bei einer hohen Finanzierungsquote lässt sich kein breit gestreutes Immobilienportfolio zusammenstellen. Außerdem werden die meisten Anleger Objekte in der Nähe ihres Wohnorts bevorzugen und ihre Investments nicht international streuen, welches das Klumpenrisiko noch weiter erhöht.

Aus Sicht des Wealth Managers bereiten die Direktinvestitionen in Immobilien auch nicht viel Freude, da diese typischerweise außerhalb des Depots liegen. Abgesehen von einer möglichen Kreditfinanzierung lässt sich mit Direktinvestments in Immobilien somit in der Regel kein oder nur wenig Geld verdienen. Vielmehr kann die Entscheidung für ein Zinshaus zur Liquidation von Werten im Depot führen und das Depotvolumen dauerhaft verringern. Leider stellen auch Finanzinstrumente auf Basis von Immobilien oft keine gute Alternative dar: Man hat in der Regel keinen Einfluss auf die Auswahl der Immobilien, Kosten für Immobilienfonds sind hoch und außerdem fehlt das gute Gefühl einer sicheren Anlage.

Immobilienwirtschaft ist analog, aber im Umbruch

Diese Nachteile von Immobilieninvestments bestehen jedoch nicht nur aus Sich der Investoren, sondern sind leider noch typisch für die Branche als Ganzes. Viele analoge Prozesse verursachen hohe Transaktionskosten. Die herausragende Bedeutung regionaler Kenntnisse von Objekten führt zu Informationsasymmetrien zum Nachteil des Anlegers. Jedoch befindet sich die Branche im Umbruch.

Was für die Finanzbranche die Fintechs, sind die Proptechs für das Immobiliensegment. Grundlage für diese Veränderung ist die Anwendung neuer Technologien, die von Virtual Reality zur Planung und Design von Bauvorhaben über künstliche Intelligenz zur Standardisierung von relevanten Informationen bis zur Blockchain-Technologie zur Dokumentation von Eigentumsverhältnissen reicht.