Ertragsfalle Stiftungen Die schleichende Entschuldung ist für Staaten einfach zu verführerisch

Thomas Buckard

Thomas Buckard

Ich traue mich kaum noch, dieses Thema anzuschneiden, denn fast schon gebetsmühlenartig werden wir seit Monaten von den Medien vor der kalten Enteignung gewarnt. Dem Prozess, in dem die Inflation die derzeit risikolos erzielbare Verzinsung in Festgeldern und Anleihen auffrisst.

Das Wahlergebnis in Italien hat uns in beeindruckender Weise vor Augen geführt, welche Gefahren für Politiker bestehen, die den Reform- und Sparkurs in ihren Ländern tatsächlich durchführen. Der bisherige Ministerpräsident Mario Monti wurde erbarmungslos abgestraft, populistische oder total verweigernde Parteiführer haben mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten.

Gnadenloser kann uns die Europaskepsis weiter Bevölkerungsteile nicht vor Augen geführt werden. Was hat das mit einer Ertragsfalle zu tun? Eine ganze Menge, denn die Krise hat uns wieder.

Ich würde mir wünschen, dass Italien über viele Jahre hinweg spart, um sein Staatsdefizit abzubauen. Aber eher wird es Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) ausüben, Budgetdefizite zu finanzieren und Staatsanleihen aufzukaufen – auch von Staaten, die nicht das Hilfsprogramm des Rettungsschirms beantragen.

Umdenken ist nötig


Wenn die EZB diesem Druck nachgibt, sind alle Dämme gebrochen. Dann werden Länder wie Spanien, Portugal, Irland und vielleicht auch Frankreich folgen. Außerdem ist die Saat für einen deutlichen Anstieg der Inflation gelegt. Dies wiederum führt zu einer noch stärkeren kalten Enteignung, denn dieses Programm macht nur Sinn, wenn die Inflation zwar steigt, nicht aber der Zins.

Deswegen muss die Warnung vor dem „Weiter so“ noch eindringlicher werden. Alle Marktteilnehmer (besonders Stiftungen, Pensionskassen und Lebensversicherer) müssen endlich umdenken und die alten, ausgetretenen Pfade verlassen.

Eine Verzinsung, die wenigstens die Inflation wettmacht, wird es in den nächsten Jahren nicht geben. Die schleichende Entschuldung durch die sogenannten finanzielle Repression ist für die Staaten einfach zu verführerisch.

Warum hat mehr als die Hälfte der Deutschen Angst vor Inflation, aber nur die wenigsten treffen Maßnahmen zur Sicherung ihres Vermögens? Aktien und Aktienfonds sind Anlageinstrumente mit Sachwertcharakter, jederzeit handelbar, verfügbar und mit geringen Nebenkosten verbunden – aber leider in deutschen Portfolios gnadenlos unterrepräsentiert.

Es liegt auf der Hand, dass bei Aktien, Immobilien und Rohstoffen die Wertbeständigkeit langfristig wahrscheinlich ist. Dagegen ist bei Renten- und Geldmarktanlagen das Risiko deutlicher Kaufkrafteinbußen offensichtlich.

Viele Stiftungen bevorzugen trotzdem schwankungsarme Anlagen (das fordern meist die jeweiligen Anlagerichtlinien) und verwechseln die niedrige Volatilität mit Sicherheit. Ein Trugschluss, den sie teuer bezahlen werden.

Rechtzeitig handeln

Die Rückzahlung des nominellen Kapitals ist bei steigender Inflation zwar gesichert, die Kaufkraft dagegen deutlich verringert. Aktien und aktienähnliche Instrumente strapazieren die Nerven durch die ihnen anhaftende Volatilität. Sie bieten aber dagegen die besten Chancen, Kaufkraft trotz Inflation zu erhalten.

Darüber hinaus ermöglichen anleiheähnliche Medien, mit deutlich geringeren Schwankungen als in der Aktien-Direktanlage, Renditen zu erzielen, die eben diesen Inflationsausgleich gewährleisten. Wer jetzt nicht umdenkt, akzeptiert stillschweigend die Erosion seines Kapitals.

Deshalb wird es höchste Zeit, endlich zu handeln: Richten Sie die Vermögensanlage Ihrer Stiftung gegebenenfalls neu aus. Schaffen Sie den nötigen Rahmen für die Anlage in Aktien (weltweit gestreut) und schützen Sie Ihre Stiftung vor inflationären Tendenzen und unerwarteten politischen und wirtschaftlichen Ereignissen durch eine größtmögliche Diversifikation der Anlageklassen.

Meine beherzte Prognose zum Schluss: Bis 2015 wird der Dax fünfstellig sein.