Quantitativ, Fundamental, Kombiniert Die richtige Strategie bei Schwellenländern wählen

Gerberviertel in Marokko: In Schwellenländern prallen Welten aufeinander – im Portfoliomanagement auch bei der Frage, ob quantitative oder fundamentale Ansätze die richtige Wahl sind.

Gerberviertel in Marokko: In Schwellenländern prallen Welten aufeinander – im Portfoliomanagement auch bei der Frage, ob quantitative oder fundamentale Ansätze die richtige Wahl sind. Foto: Imago Images / Pond5 Images

Der prinzipielle Reiz von Schwellenländern ist der einer klassischen Wachstumsgeschichte. Im Vergleich zu den Industrienationen starten Schwellenländer schließlich von einer niedrigeren wirtschaftlichen Basis. Das verspricht ein höheres Wachstum. Schwellenländer profitieren auch von ihren demografischen Gegebenheiten: Eine grundsätzlich jüngere und schneller wachsende Bevölkerung trägt zur höheren Vitalität ihrer Wirtschaften bei.

Die Kehrseite der Medaille: Anlagen in Schwellenländern sind herausfordernd. Historisch gesehen waren Investments in diese Märkte riskanter als Investments in Industrieländer: Höhere Volatilität und stärkere Kursrückgänge zeigten das. In einzelnen Ländern können zusätzlich die Währungen schwanken, sich geopolitische Probleme auswirken und Staaten in die Wirtschaft eingreifen. Solche länderspezifischen Risiken lassen sich in einem globalen Schwellenländer-Portfolio weitgehend wegdiversifizieren.

 

Die Volatilität von Schwellenländern ist in den vergangenen Jahren auf das Niveau von entwickelten Märkten gesunken. Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben sich von 1999 bis 2011 besser entwickelt als die Börsen der entwickelten Länder – hinken diesen seitdem aber hinterher.

Die Historie zeigt aber auch, dass Schwellenländer tendenziell dann eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen, wenn der Markt sie relativ gesehen teurer bewertet als die Aktienmärkte der Industrieländer. Andersherum entwickeln sie sich unterdurchschnittlich, wenn sie günstiger bewertet sind.

Folglich erklären überwiegend unterschiedliche Bewertungsniveaus und nicht Fundamentaldaten den Rendite-Rückstand von Schwellenländern in den vergangenen Jahren. Dies führt dazu, dass Schwellenländer aktuell so günstig bewertet sind wie zuletzt vor 20 Jahren. Genau zu dem Zeitpunkt begannen die Schwellenländer gerade, die Märkte der Industrieländer zu überflügeln. Konkret waren Schwellenländer Ende Januar 2024 mit einem erwartetem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,3 mehr als 35 Prozent günstiger als entwickelte Märkte mit einem erwarteten KGV von 17,7.

Zudem glauben wir, dass die Industrieländer mit ihrem Kampf gegen die Inflation viele makroökonomische Vorteile der letzten Jahre verlieren. Die quantitative Lockerung ist Geschichte, die Realzinsen normalisieren sich, während Schwellenländer von niedrigerer Kerninflation, wachsenden Devisenreserven, Handelsüberschüssen und umsichtiger Fiskalpolitik profitieren.

Investoren haben möglicherweise Bedenken hinsichtlich nachhaltiger Investitionen in den Schwellenländern. Unsere Analysen zeigen aber, dass die nachhaltigsten Unternehmen in den Schwellenländern auf Augenhöhe mit jenen in entwickelten Märkten sind. Unsere These: Mit den richtigen Werkzeugen und Daten ist es auch in diesen Märkten möglich, nachhaltige Aktienportfolios zu konstruieren.

Quantitativ versus fundamental

Anleger, die sich für ein Investment in Schwellenländern entscheiden, können am Fondsmarkt sowohl aus fundamentalen als auch quantitativen Strategien wählen. Fundamentale Manager analysieren traditionell finanzielle, wirtschaftliche und geschäftliche Aussichten eines Unternehmens und berücksichtigen makroökonomische und politische Risiken in den einzelnen Schwellenländern. Im Gegensatz dazu gehen quantitative Manager systematisch vor, um Faktorprämien basierend auf spezifischen Unternehmensmerkmalen zu erfassen. Dafür nutzen die Fondsmanager mathematische Modelle und Algorithmen, um sich für Investments zu entscheiden und das Portfolio aufzubauen.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Wertentwicklung der beiden Anlagestile in Schwellenländern untersucht. Muss man fundamental investieren, um in Schwellenmärkten erfolgreich zu sein? Oder sind fundamentale Investoren nur verkappte Faktorinvestoren? Oder lassen sich beide Welten kombinieren?