Fuchs | Richter Prüfinstanz „Die meisten Anbieter kratzen bei Nachhaltigkeit an der Oberfläche“

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Wie sieht es im Vergleich dazu am unteren Ende der Skala aus?

Vielhaber: Diese Banken haben vom Thema gehört und kennen die wichtigsten Nachhaltigkeitsfilter am Markt. In den Kundengesprächen neigen die Berater aber dazu, den Kunden von seinem Anliegen wegzuführen, ihm abzuraten.

Wie verteilen sich die Institute auf die fünf Kategorien?

Vielhaber: Wenig überraschend gibt es ein schmales Spitzenfeld. Sieben Anbieter zählen dazu. Insgesamt halten wir 18 Anbieter für empfehlenswert. Bei diesen Instituten erhalten Kunden bei nachhaltiger Geldanlage eine gute Beratung. Bei weiteren zehn Banken sehen wir Potenzial. Es folgt ein breites Mittelfeld. Von diesen Anbietern würden wir nicht abraten, denn darunter sind auch Häuser, die herkömmlich gut beraten, aber in dem Spezialfeld Nachhaltigkeit aufholen müssen. Dann gibt es einen unteren Rand, der auf diesem Gebiet enttäuscht hat. Oftmals haben die Kunden noch nicht einmal einen Anlagevorschlag bekommen.

Im vergangenen Jahr haben Banken aus Deutschland enttäuscht. War das in diesem Jahr anders?

Vielhaber: Ja, in diesem Jahr haben Institute aus Deutschland besser abgeschnitten. Betrachtet man die Anzahl der hier vertretenen und geprüften Institute gibt es allerdings Nachholbedarf. Das Thema Nachhaltigkeit ist an anderen Finanzplätzen schon deutlich früher angekommen und wird dort intensiver gelebt.

Neben Kundengesprächen ist in diesem Jahr auch ein Expertentest in Ihre Studie eingeflossen. Wie lief dieser Test ab?

Vielhaber: Im Fachjargon nennt man so einen Test Beauty Contest, also Schönheitswettbewerb. Die Fuchs | Richter Prüfinstanz mit Jörg Richter und mir hat weitere Juroren mit Fachexpertise auf dem Gebiet Portfolioqualität und im Produktbereich eingeladen, um sich die Erläuterungen der Bankvertreter zu ihren Anlagevorschlägen anzuhören und zu bewerten.

Abgesehen vom Nachhaltigkeits-Knowhow: Gibt es weitere Punkte, bei denen die Berater aus Ihrer Sicht Nachholbedarf haben?

Vielhaber: Auffallend waren hier zwei Punkte: Nur ganz wenige Berater sind in der Lage, bei einer Präsentation ihren Ansatz in eine größere Geschichte einzubinden. Was hat sie bewogen, dem Kunden gerade diesen Lösungsweg anzubieten? Viele kleben an vorgefertigten Marketingaussagen oder erfreuen sich an Zahlenakrobatik. Das andere: Wir waren überrascht, wie wenige Berater in der Lage waren, sich auf das Wertesystem des Kunden einzulassen. Darauf kommt es bei der Beratung zu nachhaltiger Geldanlage aber im Wesentlichen an.

Veranstaltungshinweis: Der Private Banking Gipfel, auf dem die Fuchs | Richter Prüfinstanz die diesjährigen Gewinner kürt, findet 2020 am 16. November als Online-Veranstaltung statt. Ab Mitte November ist auch der 60-seitige Report zur Studie erhältlich.

Über den Interviewten:

Ralf Vielhaber ist seit 1995 Verlagsleiter und Geschäftsführer des Verlags Fuchsbriefe. Zusammen mit Jörg Richter vom Institut für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen (Dr. Richter | IQF) bildet er als Partner die Fuchs | Richter Prüfinstanz. Diese testet einmal jährlich das deutschsprachige Private Wealth Management, die sogenannten Tops, 2020 in der bereits 18. Auflage.