Vermögensverwaltung „Die Kunst ist, Fehler zu vermeiden“

Klaus-Dieter Erdmann (MMD Multi Manager), Andreas Meißner (Andreas Meißner Vermögensmanagement), Ralf Borgsmüller (PSM Vermögensverwaltung), Markus Deselaers (private banking magazin), Christoph Benner (Chom Capital), Stefan Riße (HPM Hanseatische Portfoliomanagement), Nicolas Schmidlin (ProfitlichSchmidlin Rösrath) (v. l.)

Klaus-Dieter Erdmann (MMD Multi Manager), Andreas Meißner (Andreas Meißner Vermögensmanagement), Ralf Borgsmüller (PSM Vermögensverwaltung), Markus Deselaers (private banking magazin), Christoph Benner (Chom Capital), Stefan Riße (HPM Hanseatische Portfoliomanagement), Nicolas Schmidlin (ProfitlichSchmidlin Rösrath) (v. l.)

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private-banking-magazin.de: Nach langem politischen Gezerre hat die Große Koalition ihre Arbeit aufgenommen. Sorgt das bei Ihnen eher für ein Aufatmen?

Christoph Benner:
Man muss schauen, was in den kommenden Jahren von dem, was im Koalitionsvertrag steht, wirklich umgesetzt wird. Wichtig ist aber, dass wir jetzt eine gewisse Stabilität haben – das ist nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa und weltweit von großer Bedeutung.

Das Signal ist, dass man am eingeschlagenen Weg festhält und damit vor allem auch fürs Ausland berechenbar ist. Zum jetzigen Zeitpunkt, wo wir vielleicht am Wendepunkt der Krise stehen, kann dies international für Vertrauen sorgen.

private-banking-magazin.de: Klar ist jedoch auch, dass die Staatsverschuldung alles andere als gestoppt ist.

Nicolas Schmidlin:
Das stimmt. Wichtig ist dabei: Einen Schuldenschnitt wie in Griechenland könnte man höchstens noch in Zypern durchführen.

In den anderen Peripherieländern, insbesondere Italien, Spanien und Portugal, hätte man das Problem, dass die Schulden hauptsächlich bei den inländischen Banken liegen.

Ein Haircut wäre in diesem Fall ein Nullsummenspiel: Was der Staat gewinnt, muss bei den Banken rekapitalisiert werden. Sollte die Krise zurückkommen, wären wohl eher Prolongationen das Mittel der Wahl.

Die Laufzeiten der Anleihen würden also immer weiter hinausgeschoben werden. Wir haben diesen Fall schon teilweise bei Anleihen, die nach eigenem Recht aufgelegt wurden, auf mehr oder weniger freiwilliger Basis in Zypern und Portugal beobachten können.

private-banking-magazin.de: Und das Zinstief bleibt uns erhalten.

Ralf Borgsmüller:
Ja. Von tiefen Zinsen ist weiter auszugehen. Denn die wichtigsten Notenbanken wissen, dass jede Zinserhöhung den Staatsschuldenturm zum Einsturz bringt.

Wir sehen die Marktentwicklung im ersten Halbjahr 2014 alles andere als optimistisch und erwarten, dass die Finanzkrise 2.0 eventuell schon im ersten Quartal einsetzt.

Die EZB wird dann geldpolitisch reagieren müssen, und wir werden durch Aufkäufe von Anleihen mit niedrigen Zinsen nicht nur am kurzen, sondern für die kommenden 12 Monate auch am langen Ende konfrontiert sein.

Langfristig betrachtet gilt dies natürlich nicht, denn wir befinden uns am Ende eines 30-jährigen Zinszyklus mit fallenden Zinsen. Der nächste Zinszyklus wird nach oben gehen und schon in den kommenden Jahren beginnen.

Andreas Meißner:
Wenn ich in Spanien oder Italien ansässig wäre, würde ich wohl nicht von einem Zinstief sprechen. Nicht umsonst kommen Unternehmen aus Italien zu uns, um sich hier zu verschulden. Wir werden voraussichtlich eine unterschiedliche Zinsentwicklung erleben.

Deutschland wird sich eher etwas hinauf und die südlichen Länder sich etwas hinab bewegen. Und die EZB wird wohl dann demnächst aus allen 18 Euro-Ländern Anleihen aufkaufen, um eine gewisse Homogenität zu schaffen.

Benner: Diese Annäherung hat übrigens schon begonnen. Der Risikoaufschlag, den Spanien und Italien gegenüber Deutschland hatte, lag bei 10-jährigen Staatsanleihen lange bei 500 oder 600 Basispunkten. Der Abstand liegt jetzt bereits bei nur noch rund 200 Punkten.

private-banking-magazin.de: Wenn Sie eine Zwischenbilanz ziehen: Ist das Gros vermögensverwaltender Fonds mit den Marktverwerfungen der vergangenen Jahre gut zurechtgekommen?

Klaus-Dieter Erdmann:
Es sind eher einige wenige, die dies zumindest für unseren Betrachtungszeitraum der vergangenen fünf Jahre unter Beweis gestellt haben. Aber es ist zu sehen, dass einige Marktteilnehmer aus den zwei zurückliegenden Krisen der Jahre 2000 und 2008 gelernt und mittlerweile ein Risikomanagement implementiert haben.

Bei vielen steht jetzt der Kapitalerhalt und nicht mehr der Kapitalgewinn im Vordergrund. Da findet ein Umdenken statt. Früher war es so: Wenn ich als Anleger Kapitalerhalt wollte, habe ich Renten gekauft. Wollte ich Kapitalgewinn, musste ich Aktien kaufen. Heute ist das nicht mehr so einfach.