Themen-Experte
CANDRIAM

ANZEIGE

Themen-Experte
CANDRIAM

ANZEIGE
ANZEIGE

Marktausblick von Candriam Die global auseinanderdriftende Geld- und Fiskalpolitik eröffnet Anlegern Chancen

Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan

Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan: Die japanische Zentralbank dürfte angesichts sehr niedriger Inflationsraten ihre lockere Geldpolitik beibehalten. Foto: imago images / Kyodo News

Die erste Jahreshälfte 2021 brachte risikoreiche Anlagen nach vorn, unterstützt durch die erfolgreiche Einführung von Impfstoffen und das Wiederhochfahren der wichtigsten Volkswirtschaften.

Während die Pandemie in den kommenden Quartalen die Weltbevölkerung weiterhin vor Herausforderungen stellen dürfte, gehen wir davon aus, dass sie für Marktteilnehmer zunehmend geringere Bedeutung hat: Die Impfkampagnen in den entwickelten Volkswirtschaften legen an Tempo zu, womit die Herdenimmunität trotz der Virusmutationen näher rückt. Obwohl die Impfstoffe in ihrer Wirksamkeit variieren, schützen die meisten ebenfalls sehr effektiv gegen durch Varianten ausgelöste schwere Krankheitsverläufe. Das Risiko neuer Lockdowns, die den Volkswirtschaften erneut schwer zusetzen könnten, verringert sich dadurch.

Volkswirtschaften vor neuer Marktphase

Nach der Aufholjagd im Zuge der kräftigen Konjunkturerholung treten die Volkswirtschaften jetzt in eine neue Phase ein. Die Zentralbanken werden in absehbarer Zeit die Indikatoren für Wachstum und Inflation sorgfältig prüfen.

Die durch die Impfungen verbesserten Aussichten in der Pandemie und die beträchtliche geld- und fiskalpolitische Unterstützung waren die Auslöser für den Aufschwung der Volkswirtschaften. Vor diesem Hintergrund hat sich die jährliche US-Inflationsrate von 1,4 Prozent im Dezember 2020 auf 5,0 Prozent im Mai 2021 beschleunigt. Die Erwartungen für das globale Wirtschaftswachstum 2021 wurden von der OECD von 4,2 Prozent (Dezember 2020) auf 5,8 Prozent (Mai 2021) nach oben revidiert. Darüber hinaus übertrafen die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals die Markterwartungen bei weitem – das Gewinnwachstum in den USA und in der Eurozone lag um fast 20 Prozent über den Prognosen.

Auch wenn die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst, ist der Aufschwung weltweit nicht gleichmäßig verteilt. China konnte als erstes Land die Pandemiefolgen bewältigen, gefolgt von den USA. Europa und Lateinamerika sind hingegen noch nicht über den Berg. Diese unterschiedlichen Phasen der wirtschaftlichen Erholung sollten das jeweilige Niveau der geld- und fiskalpolitischen Unterstützung in den kommenden Quartalen beeinflussen.

Fiskalpolitik soll Aufschwung festigen

Mit Blick auf die Fiskalpolitik ist nicht zu erwarten, dass das gewaltige Ausmaß der Unterstützung weiterhin aufrechterhalten wird. Um den Aufschwung nicht abzuwürgen, dürften die Regierungen jedoch ihre Fiskalmaßnahmen beibehalten. In Europa soll ein neues EU-Fiskalpaket bereits im Juli in einigen Ländern starten. Italien und Spanien werden die Hauptnutznießer sein und haben angekündigt, Kapital in langfristige, wachstumsfördernde Projekte zu investieren. In den USA wird der nächste Infrastrukturplan „Build Back Better“ zwar noch lebhaft diskutiert, sollte aber bald umgesetzt werden.

Was die Geldpolitik betrifft, so halten die Zentralbanken an den lockeren finanziellen Rahmenbedingungen der jüngsten Vergangenheit fest. Wir erwarten jedoch, dass ein weiter anziehendes Wachstum und höhere Inflationsraten sie dazu ermutigen werden, ihre Haltung zu ändern, den Übergang jedoch so reibungslos wie möglich zu gestalten. Tempo und Zeitpunkt des Abbaus ihrer Bilanzen werden jedoch von Land zu Land variieren. So dürfte die Bank of Japan (BOJ) angesichts der sehr niedrigen Inflationsraten eine Geldpolitik beibehalten, die im englischen Sprachraum mit „lower for longer“ beschrieben wird. Anders in der Eurozone: Angesichts eines stark anziehenden Wachstums und einer Inflation nahe 2 Prozent erwarten wir, dass sich die Kommunikation der Europäischen Zentralbank (EZB) bald ändern wird. Einerseits dürfte der EZB-Rat seine stark expansive Politik bis weit in den Aufschwung hinein beibehalten, könnte aber eine sanfte Straffung einleiten, indem er das Tempo der Anleihekäufe im Rahmen des PEPP-Programms Anfang nächsten Jahres leicht verlangsamt. Andererseits dürfte die EZB die Zinsen noch mehrere Jahre lang niedrig halten.

US-Notenbank wird als erste die Geldpolitik straffen

Wir erwarten, dass die US-Notenbank als erste Zentralbank einen Schritt zur Drosselung der Ankäufe von Vermögenswerten unternimmt. Bereits im Verlauf des Sommers dürfte sie dieses Thema zur Diskussion stellen. Erste Tapering-Schritte sollten später im Jahr oder Anfang 2022 erfolgen.

In jedem Fall werden exzellente Kommunikationsfähigkeiten von den Zentralbanken gefordert sein, um die Markterwartungen behutsam zu lenken und ein Wiederaufflammen der Volatilität zu vermeiden. Da die Märkte vielerorts bereits gute Nachrichten einpreisen, erwarten wir in den kommenden Monaten positive, aber niedrigere Renditen. Doch einige Opportunitäten bleiben! Welche das sind, erfahren Sie im Ausblick von Candriam auf die zweite Jahreshälfte.