Die falsche Reputation Happy Deflation?

Gerhard Rosenbauer ist Geschäftsführer der auf Rentenanlagen spezialisierten Investmentboutique Inprimo Invest

Gerhard Rosenbauer ist Geschäftsführer der auf Rentenanlagen spezialisierten Investmentboutique Inprimo Invest

Das Gespenst der Deflation geht um. Schon ein Rückgang der Inflation auf Werte um ein Prozent lässt aus aller Welt – vor allem aus deren angelsächsischen und südeuropäischen Teil – den Ruf laut werden nach drastischeren Gegenmaßnahmen durch die EZB. Aber ist denn das Deflationsrisiko tatsächlich so groß und wäre es vor allem so gefährlich?

Deflation bedeutet, dass Preise fallen und die Geldmenge schrumpft. Das Gegenteil ist der Fall: Mögen auch derzeit die Verbraucherpreise nur sehr gering ansteigen – die Vermögenspreise tun es umso mehr. Auch die ohnehin eng gefasste Geldmenge M1 – quasi das Geld, über das jederzeit verfügt werden kann – stieg im dritten Quartal 2014 um 6,2 Prozent. Und in Spanien können wir derzeit beobachten, dass selbst bei einer Inflationsrate unter 0,5 Prozent die Wirtschaft um rund 2 Prozent wachsen kann. Weder befinden wir uns also in einer deflationären Periode noch muss sie ein Horrorszenario sein.

Konsum trotz Deflation

Richtig ist: Bei einer Deflation gewinnen die Gläubiger, nicht die Schuldner. Aber in alternden Gesellschaften wie der unseren werden nun einmal diejenigen, die entweder Renten beziehen oder Ansprüche auf solche haben, immer mehr. Und sie alle profitieren von deflationären Tendenzen, weil ihre Kaufkraft in der Zukunft nicht abnimmt, sondern vielleicht sogar steigt. Das muss nicht zwangs¬läufig bedeuten, dass der Konsum auch tatsächlich in die Zukunft verschoben wird.

Entscheidend sind die Präferenzen der Verbraucher: Es verzichtet schließlich auch kaum einer auf das neueste Smart¬phone Modell, bloß weil er weiß, dass es in zwei Jahren billiger zu haben sein wird.  Ein Gutteil der Bevölkerung kann und wird also mehr ausgeben und so die Nachfrage ankurbeln. Happy Deflation? Zumindest ein starkes Gegengewicht zur Warnung der Deflationspaniker, das – unstrittige – Ansteigen der realen Schuldenlast würde die gesamtwirtschaftliche Nachfrage abwürgen.

Keine Angst vor der Vermögensdeflation

Auch für Anleger muss das Deflationsszenario nicht schädlich sein. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Renditen, die sie mit ihren Anlagen erzielen, mangels Inflation mehr oder weniger der realen Renditen entsprechen.

In den frühen 90er und frühen 2000er Jahren sahen zwar die nominalen Zinssätze gut aus, real lagen sie aber unter null. Wem es also gelingt, mit einem über alle Regionen, Schuldner und Laufzeiten gut diversifizierten Rentenportfolio 4 bis 5 Prozent Rendite zu erwirtschaften, generiert einen echten Vermögenszuwachs.

Wir sollten uns also davor hüten, das Deflationsgespenst immer weiter aufzublasen und damit der Politik die Rechtfertigung an die Hand zu geben, über das Ankurbeln der Notenpresse den Schuldenberg langsam per Entwertung abzubauen. Vielleicht steigt ja zusammen mit einer real immer drückendere Schuldenlast auch der Leidensdruck, die Überschuldung durch strukturelle Maßnahmen abzubauen.