Die 7 größten Beteiligungen seines Portfolios Über seine Holding – Klaus-Michael Kühne hält nun 20 Prozent an der Lufthansa

Milliardär Klaus-Michael Kühne.

Milliardär Klaus-Michael Kühne. Bildquelle: Imago Images / Lars Berg

Klaus-Michael Kühne hält über seine Kühne Holding nun etwas mehr als 20 Prozent an der Lufthansa Group – zuvor hatte sein Anteil bei 15,01 Prozent gelegen. Die Aufstockung macht ihn zum größten Einzelaktionär der Airline-Gruppe, in deren Aufsichtsrat Karl Gernandt die Holding vertritt. Kühne hatte sich in der Vergangenheit offen gezeigt, seinen Anteil zu erhöhen, ergänzte jedoch, keine Kontrolle als Mehrheitsaktionär ausüben zu wollen.

Die Lufthansa-Aktie fiel im März und April um gut 20 Prozent und notierte zeitweise nur noch bei rund 7 Euro. Seit Anfang Mai ist das Papier wieder auf Erholungskurs, steht derzeit bei rund 8,40 Euro. 

Der Schritt ist charakteristisch für den Stil der Holding: langfristiges, aktives Engagement statt passiver Kapitalanlage. Kernbestandteile des rund 35 Milliarden Euro schweren Portfolios sind die Beteiligungen am Logistikriesen Kuehne+Nagel mit 54 Prozent sowie der Containerreederei Hapag-Lloyd mit 30 Prozent. Seit 2024 kommen mit dem Pharmauftragsfertiger Aenova und dem Fernbusanbieter Flix zwei Beteiligungen jenseits der Logistik hinzu – die Holding diversifiziert planmäßig in Gesundheit und Mobility.

Sehen Sie auf den nachfolgenden Seiten die sieben größten Beteiligungen der rund 35 Milliarden Euro schweren Kühne-Holding.

Kuehne+Nagel

Das Herzstück. Mit einem Anteil von rund  55 Prozent hält die Kühne Holding die Mehrheit am Logistikkonzern Kuehne+Nagel International, der an der Schweizer Börse SIX kotiert ist. Das Unternehmen wurde 1890 in Bremen gegründet und ist heute in rund 100 Ländern aktiv; 400.000 Kunden werden über 1.300 Standorte weltweit bedient. Das Geschäft gliedert sich in Seefracht, Luftfracht, Landverkehr und Kontraktlogistik. Holding-CEO Dominik De Daniel bezeichnet Kuehne+Nagel als „absolutes Herzstück und Basis des Erfolgs der Gruppe" – eine Beteiligung, von der man sich nach eigenem Bekunden nicht trennen werde. Seit 1994 ist das Unternehmen börsennotiert. Neben der Kühne Holding hält die Kühne-Stiftung 4,7 Prozent, Blackrock kommt auf 3,1 Prozent.

 

Hapag-Lloyd

Seit 2009 ist die Kühne Holding an der Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd beteiligt; die Position wurde seither auf 30 Prozent ausgebaut. Hapag-Lloyd zählt mit einer Flotte von 292 Containerschiffen zu den führenden Linienreedereien der Welt. Den Einstieg vollzog Klaus-Michael Kühne über das Konsortium Albert Ballin, das im Zuge der Finanzkrise die Reederei vor einer feindlichen Übernahme durch den dänischen Wettbewerber Maersk schützte. Kühne ist damit – gemeinsam mit der chilenischen CSAV, die ebenfalls 30 Prozent hält – größter Einzelaktionär.


Lufthansa

Seit dem jüngsten Zukauf hält die Kühne Holding mehr als 20 Prozent an der Lufthansa Group. Wie aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorgeht, überschritt der Anteil jüngst die 20-Prozent-Schwelle – zuvor hatte er bei 15,01 Prozent gelegen. Kühne ist damit größter Einzelaktionär der Airline-Gruppe, in deren Kontrollgremium Karl Gernandt als Vertreter der Holding sitzt. Seit dem Einstieg im Jahr 2022 hat die Holding die Beteiligung damit um mehr als fünf Prozentpunkte ausgebaut.

 

Kühne hatte sich in der Vergangenheit offen gezeigt, seinen Anteil zu erhöhen, betonte jedoch stets, keine Kontrolle als Mehrheitsaktionär anstreben zu wollen. Die Aufstockung erfolgt in einem belasteten Umfeld: Streiks der Spartengewerkschaften UFO und Vereinigung Cockpit sowie die Auswirkungen des Iran-Krieges auf den Luftverkehr trüben die Stimmung, obwohl Lufthansa für 2025 einen Rekordumsatz von 39,6 Milliarden Euro ausweist.


Brenntag

Seit 2021 ist die Kühne Holding an Brenntag beteiligt und hält inzwischen mehr als 20 Prozent – damit ist sie größte Aktionärin des im MDax notierten Essener Unternehmens. Brenntag gilt als weltgrößter Distributor von Chemikalien und Inhaltsstoffen und bedient Kunden in rund 77 Ländern. De Daniel sieht die Beteiligung als strategische Ergänzung zum Logistik-Kernportfolio: Das Geschäftsmodell von Brenntag weise erhebliche Überschneidungen mit den Aktivitäten von Kuehne+Nagel und Hapag-Lloyd auf.


Aenova

Mit dem Erwerb einer 87-prozentigen Mehrheitsbeteiligung am Pharmauftragsfertiger Aenova im Jahr 2024 vollzog die Kühne Holding den ersten wesentlichen Schritt in ein neues Investitionsfeld: den Gesundheitssektor. Aenova, übernommen vom britischen Finanzinvestor BC Partners, der das Unternehmen zuvor zwölf Jahre im Portfolio hatte, ist ein führender Auftragsentwickler und -hersteller für internationale Pharma- und Healthcare-Marken. Die verbleibenden 13 Prozent sollen laut De Daniel bis Mitte 2027 ebenfalls auf die Holding übergehen. Den Gesundheitsbereich hat die Holding als zweites strategisches Standbein definiert – wobei der Fokus auf Dienstleistungen und Medizintechnik liegt; Generikahersteller, Alten- und Pflegeheime sowie Healthcare-Software sind laut De Daniel kein Thema.


Flix

Gemeinsam mit dem schwedischen Finanzinvestor EQT erwarb die Kühne Holding 2024 eine Minderheitsbeteiligung von 35 Prozent an der Flix SE. Der Kaufpreis für das Konsortium lag laut übereinstimmenden Berichten aus Finanz- und Investorenkreisen bei rund einer Milliarde Euro. Flix wurde dabei mit mehr als drei Milliarden Euro bewertet. EQT investierte über seinen auf Nachhaltigkeit ausgerichteten EQT Future Fund. Flix betreibt unter den Marken Flixbus und Flixtrain Nah- und Fernreiseangebote in mehr als 40 Ländern auf vier Kontinenten und hatte 2023 erstmals einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro erzielt. De Daniel sieht Synergien mit den bestehenden Transportbeteiligungen der Holding. Mittelfristig gilt ein Börsengang als realistische Option – die Kühne Holding würde in einem solchen Szenario nach eigener Aussage als Ankeraktionär verbleiben.


Ottobock

Als Cornerstone-Investor beteiligte sich die Kühne Holding im Oktober 2025 am Börsengang des Prothesenherstellers Ottobock und zeichnete Aktien im Wert von 125 Millionen Euro. Der daraus resultierende Anteil liegt bei knapp drei Prozent. Ottobock, 1919 gegründet und mit Sitz in Duderstadt, gilt als weltweiter Marktführer in der Prothetik und Orthopädietechnik; das Unternehmen ist in rund 45 Ländern aktiv und beschäftigt rund 9.300 Mitarbeiter.

 

Der IPO, der größte deutsche Börsengang des Jahres 2025, wurde am oberen Ende der Preisspanne von 66 Euro platziert und war mehrfach überzeichnet. Die Marktkapitalisierung lag bei rund 4,2 Milliarden Euro. Als zweiter Cornerstone-Investor trat der Smallcap World Fund des US-Vermögensverwalters Capital Group auf, der Aktien für 115 Millionen Euro zeichnete. Für die Kühne Holding ist Ottobock das zweite Investment im Gesundheitsbereich nach Aenova. 

Jenseits der sieben Kernbeteiligungen ist Kühne auch im Fußball engagiert: Die Kühne Holding hält rund 13,5 Prozent an der HSV Fußball AG & Co. KGaA – zuletzt verkaufte Kühne 7,5 Prozent seiner Anteile an die Sparda-Bank Hamburg und sicherte sich im Gegenzug die Namensrechte am Volksparkstadion für drei weitere Jahre. In die Verbindung mit dem HSV hat der Milliardär nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro investiert.

 

Hinzu kommen Immobilien und Hotellerie: Die Holding ist Eigentümerin des Hamburger Luxushotels The Fontenay an der Außenalster, das Kühne auf dem Grundstück des früheren Intercontinental errichten ließ, sowie des Fünf-Sterne-Resorts Castell Son Claret auf Mallorca. Jüngst sorgte Kühne auch auf dem Wohnimmobilienmarkt für Aufsehen: Über die Hamburger Immobiliengesellschaft Quantum erwarb er 320 Wohnungen und kleinere Gewerbeflächen in der Münchener Wohnanlage „Welfengarten" auf dem ehemaligen Gelände der Paulaner-Brauerei – für 264,5 Millionen Euro, die höchste jemals für ein Wohnungsportfolio in München gezahlte Summe. 

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