Erfahrungen aus der Anlagepraxis Der Unternehmensdialog ist in der Krise wichtiger denn je

Aaron Hay arbeitet für Federated Hermes und entwickelt für die Fondsgesellschaft Engagement-Strategien. Diese dienen der Zusammenarbeit mit den Unternehmen, in die die Gesellschaft investiert.

Aaron Hay arbeitet für Federated Hermes und entwickelt für die Fondsgesellschaft Engagement-Strategien. Diese dienen der Zusammenarbeit mit den Unternehmen, in die die Gesellschaft investiert. Foto: Federated Hermes

Der Marktschock bietet eine einzigartige Gelegenheit: er zeigt nämlich, wie und ob Unternehmen zu ihren Werten stehen. Während diese Krise andauert, arbeiten wir wie gehabt mit Unternehmen in Risiko- und Strategiefragen zusammen. Und natürlich auch bei Themen wie Umwelt-, Sozial- und Governance (ESG).

Was den Dialog mit Unternehmen betrifft, so sind wir nach wie vor beeindruckt: Trotz dringlicher geschäftlicher Herausforderungen haben sich viele Unternehmen bemüht, die Kultur des offenen Dialogs aufrechtzuerhalten. Als Investoren hat uns der Marktschock durch Covid-19 also eine einzigartige Gelegenheit geboten, um zu verstehen, wie Unternehmen in diesen Zeiten ihren Werten treu bleiben.

Während unserer jüngsten Arbeiten sind wir der Frage nachgegangen, wie Unternehmen auf kurzfristige Risiken reagieren, die – bei einer falschen Einschätzung – weitreichende finanzielle und soziale Folgen sowie Reputationsschäden nach sich ziehen. Dies hilft unseren Anleiheanalysten, ein genaueres Verständnis in zweierlei Hinsicht zu entwickeln: einerseits bezüglich der kurzfristigen Reaktionen verschiedener Unternehmen auf Kernrisiken. Andererseits aber auch, um eine Momentaufnahme des ethischen Bewusstseins, der Kompetenzen und Entscheidungsstärke von Führungskräften zu erhalten.

Wichtig hierbei: unser Ansatz stellt eine reale Prüfung dar, wie sehr Verantwortung innerhalb der Unternehmenskultur verankert ist. Es müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden, um die finanzielle Stabilität zu erhalten und gleichzeitig die Bedürfnisse aller Stakeholder auszubalancieren – einschließlich besorgter Mitarbeiter und Kunden, gefährdeter Lieferanten sowie der Gesellschaft, innerhalb der diese Unternehmen geschäftlich tätig sind. Solche Entscheidungen sind ein eindrucksvolles Beispiel für ein umfassendes ethisches Bewusstsein im Management sowie im Vorstand und liefern echte qualitative Erkenntnisse für langfristige Investitionsentscheidungen.

Beispiele aus der Praxis 

Während eines Treffens mit Sealed Air – einem Verpackungsunternehmen, das wir in unserem SGD Engagement High Yield Fund halten – erkannten wir kürzlich: die Gesundheit der Belegschaft steht für besagtes Unternehmen an oberster Stelle. Deshalb wechselten im Januar alle globalen Einrichtungen in den Krisenmanagementmodus. Dies war aufgrund der schnellen Entscheidungen des Unternehmens möglich, die wiederum auf früheren Erfahrungen der in China ansässigen Produktionsstätten beruhten. Die Entscheidung geschah sogar mit einem Vorsprung von mehreren Monaten, bevor die Richtlinien der Regulierungsbehörden für US-Unternehmen bekannt gegeben wurden.

Ebenfalls beeindruckten uns die detaillierten Angaben des Industrieproduzenten Alcoa zu den unterschiedlichen regionalen Herausforderungen, die sein Bauxit-, Tonerde- und Aluminiumgeschäft betreffen sowie die Offenheit des Unternehmens, den Dialog über seine Kapitalallokation fortzuführen – zumal die Unsicherheit groß ist, mit der viele seiner Endmärkte im Jahr 2020 und darüber hinaus konfrontiert sind.

Wir sind zutiefst überzeugt, dass viele Unternehmen den langfristigen Wert darin erkennen, ihre Geschäfte unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfaktoren zu führen. Trotz der heftigen Einschnitte bei den Fundamentaldaten der Anleihen sind die Unternehmen nach wie vor bereit dazu, mit uns gemeinsam ihre Fortschritte auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit weiter auszubauen. Das zeigt deutlich: die „grüne“, nachhaltige Entwicklung hat die Unternehmenskultur und Kapitalallokation durchdrungen und sich dort auch etabliert.


Über den Autor:
Aaron Hay ist seit August 2018 im internationalen Geschäft der Fondsgesellschaft Federated Hermes tätig. Er ist verantwortlich für die Entwicklung von Engagement-Strategien und die Zusammenarbeit mit den Unternehmen des Federated Hermes SDG Engagement High Yield Credit Fund. Hay verfügt über ein Jahrzehnt Erfahrung in der Beratung zu Nachhaltigkeitsstrategien von Unternehmen und ökologischen und sozialen Herausforderungen im privaten und im öffentlichen Sektor sowie von Nichtregierungsorganisationen.