Daten von 107 institutionellen Investoren Deutsche Versicherer hinken bei Alternatives hinterher

Florian Bucher vom BAI

Florian Bucher, Marktanalyst alternative Märkte beim BAI Bildquelle: BAI

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Deutsche Versicherungsunternehmen weiteten ihre Investitionen in alternative Anlagen im vergangenen Jahr deutlich aus. Im Vergleich zu den anderen institutionellen Investoren rangieren sie weiterhin weit hinten. Das zeigt eine Studie des Bundesverbands Alternative Investments (BAI), die Florian Bucher mit seinem Team verfasst hat.

Laut der Studie stieg der Anteil privater Anlagen in den Portfolios der Versicherer in den vergangenen drei Jahren von 18,6 auf 25,2 Prozent. Trotz dieses Zuwachses liegen sie unter allen weiteren untersuchten Investorengruppen nur auf dem vorletzten Platz. Dafür investieren Versicherer jedoch in auffallend viele Arten von Private-Market-Assets (sieh Grafik weiter unten)

Kranken- und Kompositversicherungen statt Lebensversicherungen 

Ein Grund für das zunehmende Austesten privater Anlagen liegt laut Bucher im Strukturwandel der deutschen Versicherungsbranche. Garantiebasierte Produkte weichen zunehmend fondsgebundenen Lösungen. Klassische, liquiditätsintensive Lebensversicherungen verlieren an Gewicht, während Kranken- und Kompositversicherungen an Bedeutung gewinnen.

Für die Untersuchung wertete Bucher mit seinem Team Daten von 107 institutionellen Investoren aus Deutschland aus. Insgesamt verwalten diese rund 2,23 Billionen Euro. Unter den Teilnehmern befanden sich 29 Versicherungsunternehmen, die entweder unter dem europäischen Aufsichtsregime Solvency II stehen oder der deutschen Verordnung über die Anlage des Sicherungsvermögens von Pensionskassen, Sterbekassen und kleinen Versicherungsunternehmen (ANLV) unterliegen.

 

Bucher weist allerdings darauf hin, dass an den Umfragen tendenziell eher Investoren mit einer „gewissen Affinität zu alternativen Anlageklassen“ teilgenommen hätten. Das könne die ausgewiesenen Allokationen nach oben verzerren.

Ergänzend interviewten die Autoren Experten deutscher Versicherungen und berücksichtigten Ergebnisse einer internationalen Studie des Vermögensverwalters Blackrock.

Single Family Offices sind Vorreiter

Mit einer Quote von 25,2 Prozent investieren Versicherungen weniger Kapital in alternative Anlagen als andere institutionelle Investoren, dessen Anteil im Durchschnitt bei 30 Prozent liegt. An der Spitze stehen Single Family Offices: Sie halten im Schnitt 47 Prozent ihres Vermögens in alternativen Investments. Es folgen Versorgungswerke mit 44,3 Prozent sowie Stiftungen mit 29,2 Prozent. 

Single Family Offices sind in ihrer Kapitalanlage weitgehend unreguliert und verfolgen meist sehr langfristige Strategien. Gemeinsam mit Versorgungswerken können sie daher höhere Illiquiditätsquoten tragen – ein Vorteil für alternative Anlagen. Versicherer dagegen unterliegen strengeren Kapitalregeln und müssen größere Liquiditätsreserven vorhalten. Zwar gibt es unter Solvency II keine festen Quoten für alternative Anlageklassen, anders als in der ANLV, doch wirken die Kapitalanforderungen faktisch begrenzend.

Versicherungen wählen Private Debt

Deutlich wird der Unterschied bei Unternehmensbeteiligungen und Fremdfinanzierung. Bei Private Equity beträgt der Vorsprung institutioneller Investoren 3 Prozentpunkt. Bei Immobilien Equity liegt er bei 2 Prozentpunkten. Nur bei Infrastruktur Debt und Immobilien Debt haben Versicherungen mit 2 Prozentpunkten beziehungsweise 1 Prozentpunkt die Nase vorn.

Während der Niedrigzinsphase hatten viele Versicherer liquide Anleihen in illiquide Private-Debt-Anlagen umgeschichtet. „Die Rückkehr höherer Zinsen stoppte den weiteren Ausbau der Alternatives“, sagt Christoph Wichmann, Bereichsleiter Asset Management Inter-Versicherungsgruppe, in einem Experteninterview gegenüber Bucher. Die historisch gewachsene Allokation präge die sektorale Struktur des Versicherungsgeschäfts.

Versicherungen streuen über alternative Anlageklassen

Auffällig ist zugleich, dass Versicherer in einer größeren Bandbreite alternativer Anlageklassen engagiert sind als viele andere institutionelle Investoren. Mit Ausnahme von Rohstoffen, Kryptowährungen, Fremdkapitalfonds, Hedgefonds sowie Insurance-Linked Securities.  

Am häufigsten investieren Versicherer in Corporate Private Equity: 93 Prozent der befragten Anlagechefs allokieren in diese Anlageklasse. Zum Vergleich: Unter den übrigen institutionellen Investoren liegt der Anteil bei 70 Prozent. Ebenfalls verbreitet sind Immobilien-Equity-Investments (90 Prozent), sowie Infrastruktur-Equity und Corporate Private Debt mit jeweils 86 Prozent.

50 Prozent wollen Immobilienanlagen reduzieren

Für die Zukunft zeigen sich jedoch Verschiebungen. Die Hälfte der deutschen Versicherer plant, ihre Engagements in Immobilien-Equity zu reduzieren, während die andere Hälfte den Bestand stabil halten will.

Mehr Vertrauen genießt dagegen Corporate Private Debt: 65 Prozent der Befragten wollen ihre Allokation ausbauen, 26 Prozent planen keine Veränderungen und nur neun Prozent einen Rückgang.

International rechnen Versicherer insgesamt mit einem leichten Wachstum der Anlagen in private Märkte. Laut Studie erwarten 79 Prozent einen Anstieg der Quote um ein bis fünf Prozentpunkte, weitere 13 Prozent um sechs bis neun Prozentpunkte.

In der aktuellen Allokation gewichten Versicherer Immobilien-Equity weiterhin am stärksten. Der Anteil liegt im Schnitt bei 7,9 Prozent. Dahinter folgen Infrastruktur-Equity mit 4,3 Prozent und Corporate Private Equity mit 3,9 Prozent.

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