Investorenumfragen Deutsche Großanleger reduzieren US-Anteil – wohin das Kapital fließt

Christina Volkmann übernimmt die Leitung des DACH-Kundengeschäfts bei Nuveen.

Christina Volkmann übernimmt die Leitung des DACH-Kundengeschäfts bei Nuveen. Bildquelle: Nuveen

Deutsche Versicherer und Pensionskassen haben ihre US-Positionen im vergangenen Jahr deutlich zurückgefahren. Das berichtet das „Handelsblatt“ auf Basis einer Nuveen-Umfrage, die im Herbst 2025 unter 80 institutionellen Investoren in Deutschland durchgeführt wurde und deren Ergebnisse dem Blatt nun exklusiv vorliegen. 

Die befragten Versicherer, Pensionskassen und Stiftungen verwalten zusammen 1,3 Billionen Euro.

Deutliche Mehrheit reduziert US-Anteil

72 Prozent der Befragten gaben demnach an, den US-Anteil in ihren Portfolios regional am stärksten reduziert zu haben. Mehr als die Hälfte nannte Europa als die Region mit dem größten Allokationszuwachs. Treiber sind geopolitische Risiken, die US-Zollpolitik sowie die Dollar-Abwertung im Jahr 2025.

Dass der Trend anhält, gilt als wahrscheinlich: Laut einer UBS-Analyse vom Juni 2025 könnten in den kommenden fünf Jahren bis zu 1,2 Billionen Euro vom US- in den europäischen Aktienmarkt umgeschichtet werden.

Globale Umfrage bestätigt Europa-Trend

Auch eine globale Investorenumfrage des US-Vermögensverwalters Adams Street Partners – ebenfalls unter institutionellen Anlegern – kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Dort überholt Europa erstmals Nordamerika als attraktivste Region für Private-Markets-Investments. Die Befragten nannten günstigere Bewertungen, politische Unterstützung und Chancen im europäischen Mittelstand als Gründe.

Zugleich zeigt die Adams-Street-Umfrage: 90 Prozent der Investoren erwarten, dass Liquiditätsengpässe ihre Strategie 2026 beeinflussen. Weil Rückflüsse aus bestehenden Beteiligungen stocken, investieren viele selektiver. Nur noch 53 Prozent wollen ihre Zusagen bei bestehenden Managern erhöhen – ein deutlicher Rückgang. 72 Prozent bevorzugen zudem Mittelstands-Fonds gegenüber großen Buyout-Fonds.

Langfristige Neubewertung, kein Bruch

Christina Volkmann, die das Kundengeschäft von Nuveen in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet, ordnet die Entwicklung gegenüber dem „Handelsblatt“ so ein: „Umschichtungen weg von den USA und hin zu Europa sind in unseren Gesprächen mit deutschen institutionellen Kunden aktuell ein prägnantes Thema.“ Dabei handle es sich nicht um einen kurzfristigen Rückzug, sondern um eine langfristige, überlegte Neubewertung.

Rund zwei Drittel der Befragten erwarten dem Bericht zufolge, dass die US-Dominanz an den Kapitalmärkten in den kommenden zehn Jahren abnimmt. Volkmann verweist zudem auf den traditionell hohen Home Bias deutscher Versicherer – also die Neigung, vergleichsweise viel Kapital im Inland anzulegen. Dieser Trend habe sich zuletzt noch verstärkt.

Private Markets im Aufwind

Daneben planen viele der befragten Großanleger laut Nuveen-Umfrage, ihre Allokation in nicht börsengehandelte Anlagen deutlich zu erhöhen. 44 Prozent wollen in fünf Jahren mehr als ein Fünftel des Portfolios in Private Markets – darunter Infrastruktur, Private Equity und Private Credit – investieren.

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