Analyse von Cofinpro Trotz Homeoffice: Deutsche Privatbanken können Kosten nicht senken

Blick auf das Frankfurter Bankenviertel

Blick auf das Frankfurter Bankenviertel: Das Beratungsunternehmen Cofinpro hat die Kosten- und Ertagsstruktur deutsche Banken untersucht. Foto: imago images/Jan Huebner

Trotz aller Sparmaßnahmen ist es vielen Privat- und Geschäftsbanken in den vergangenen Jahren offenbar nicht gelungen, ihre Kosten zu senken. Das zeigt eine Analyse des Beratungsunternehmens Cofinpro, das mehr als 9.000 Geschäftsberichte aus den Jahren 2016 bis 2021 von über 1.350 Finanzinstitute ausgewertet hat. Obwohl die Erträge pro Mitarbeiter zwischen 2020 und 2021 von 253.000 Euro auf 282.000 Euro über alle Institutsgruppen hinweg gestiegen sind, hat sich bei den Privat- und Geschäftsbanken das operative Ergebnis je Mitarbeiter verschlechtert.

Cofinpro-Vorstand: „Kosten dürfen nicht aus dem Ruder laufen“

Von 85.000 Euro auf 81.000 Euro sank das operative Ergebnis je Mitarbeiter in den beiden Institutsgruppen im betrachteten Zeitraum. Anders als bei den Genossenschaftsbanken, die sich von 56.000 Euro auf 65.000 Euro verbessern konnten. In der Gesamtbetrachtung über alle untersuchten Banken stieg die Kennzahl leicht von durchschnittlich 64.000 Euro auf 67.000 Euro. 

„Insbesondere vor dem Hintergrund des Einsparpotenzials durch den Homeoffice-Trend wäre bei den Privat- und Geschäftsbanken ein besseres operatives Ergebnis zu erwarten gewesen. Wie der Branchenvergleich zeigt, ist es den Banken jedoch nicht überall gelungen, von diesem Sondereffekt zu profitieren“, kommentiert Cofinpro-Vorstand Prior die Zahlen. Er mahnt Banken: „Vorsicht bei den Kosten, sie dürfen nicht aus dem Ruder laufen.“

 

Entgegen der Erwartungen hat sich auch das Aufwand-Ertrag-Verhältnis (Cost-Income-Ratio)  kaum verändert, während die Institute ihre Eigenkapitalausstattung um durchschnittlich 2,2 Prozent von 2020 auf 2021 verbessern konnten. Die systemrelevanten Großbanken konnten ebenso wie die Privat- und Geschäftsbanken zumindest den negativen Bereich verlassen (+0,0 Prozent bis 0,6 Prozent). Vor allem die Genossenschaftsbanken (+4,7 Prozent), die Sparkassen (+2,4 Prozent) und die kleineren Institute (+5,0 Prozent) stechen hier aber positiv hervor.

Spezielles Jahr für die Bankenlandschaft

 „2021 war ein untypisches Jahr, viele Banken mussten sich vertrieblich und prozessual neu aufstellen, was sich auch auf der Ertrags- und Kostenseite bemerkbar machte. Während sich die Eigenkapitalquote und Bilanzsummenrentabilität relativ konstant entwickelten, stieg der Ertrag pro Mitarbeiter zum Teil deutlich. Leider zeigt sich diese Entwicklung nicht im operativen Ergebnis. Dies lässt auf zu hohe Kosten in den Instituten schließen“, so Prior.

Alle 1.355 abgebildeten Finanzinstitute des Cofinpro-Bankenchecks lassen sich mit einer Anwendung auf der Homepage des Beratungsunternehmens im Detail betrachten. Zum Webtool geht es hier.

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