Die Deutsche Bank will noch in diesem Jahr einen Verwahrdienst für digitale Vermögenswerte anbieten. Er richtet sich an Unternehmen und institutionelle Kunden in Europa, die ihre Bestände halten und an Dritte übertragen wollen. Das Institut verwaltet dabei die Wallets und die privaten Schlüssel; Kunden müssen also keine eigene Verwahrinfrastruktur aufbauen und betreiben. Der Start steht unter dem Vorbehalt, dass das regulatorische Verfahren abgeschlossen ist.
Zum Auftakt unterstützt die Bank Bitcoin und Ether sowie ausgewählte Stablecoins beziehungsweise E-Geld-Token, darunter USDC, EURC und EURAU. EURAU stammt von Allunity, einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutsche-Bank-Tochter DWS mit Flow Traders und Galaxy; die Bafin erteilte Allunity am 1. Juli 2025 die Zulassung als E-Geld-Institut. Tokenisierte Finanzinstrumente stehen laut Mitteilung ebenfalls auf der Produktplanung. Zur Zielgruppe zählen neben Unternehmen auch Vermögensverwalter, Hedgefonds, Verwahrstellen, Broker und staatliche Institutionen.
Freigaben durch mehrere Personen sollen die Bestände sichern
„Digitale Vermögenswerte haben das Potenzial, die Finanzmärkte sinnvoll zu ergänzen. Sie sind jedoch kein Ersatz für das bestehende Finanzsystem, sondern werden sich als zusätzliche Infrastruktur neben etablierten Marktstrukturen entwickeln“, sagt Gerald Podobnik, Co-Leiter der Unternehmensbank der Deutschen Bank. Weiterentwickeln will das Institut den Dienst je nach Nachfrage, regulatorischen Anforderungen und eigener Risikobereitschaft.
Technisch setzt es auf hardwarebasierten Schlüsselschutz, Freigaben durch mehrere Personen, getrennte Umgebungen für warme und kalte Verwahrung sowie kontrollierte Sicherung und Wiederherstellung. Für klar definierte Komponenten zieht die Bank externe Technologie- und Infrastrukturanbieter hinzu.
Antrag liegt seit 2023 bei der Bafin
Die Vorgeschichte reicht mehrere Jahre zurück. Bereits Ende 2020 kündigte die Unternehmensbank entsprechende Absichten an, im Juni 2023 folgte der Antrag auf eine Verwahrlizenz für digitale Vermögenswerte bei der Bafin. Im selben Jahr beteiligte sich die Deutsche Bank an einer Finanzierungsrunde von Taurus über 65 Millionen US-Dollar.
Im Wettbewerb ist sie damit spät dran: Die Commerzbank erhielt schon 2023 eine Lizenz zur Verwahrung von Kryptowerten und startete 2024 gemeinsam mit Crypto Finance ein Angebot für Firmenkunden. Auf die Risiken weist die Deutsche Bank ausdrücklich hin: Kryptowerte unterliegen keinem Einlagensicherungssystem, das mit dem Schutz sicherungsfähiger Bankeinlagen vergleichbar wäre.