Düstere Prognose „Derzeit sieht es ein bisschen nach einer ESG-Blase aus”

Der Government Pension Investment Fonds, dessen Chef Hirano vier Jahre lang war, wurde 2006 gegründet

Der Government Pension Investment Fonds, dessen Chef Hirano vier Jahre lang war, wurde 2006 gegründet: Der Fonds verwaltet ein Vermögen von knapp 1,35 Billionen Euro Foto: Imago Images / Kyodo News

„Der GPIF muss zu seinen Wurzeln zurückkehren und darüber nachdenken, wie analysiert werden kann, ob ESG wirklich profitabel ist, und wie ESG bewertet und standardisiert werden kann”, sagte Eiji Hirano, der die Leitung des japanischen Government Pension Investment Fonds (GPIF), des weltgrößten Pensionsfonds Anfang 2021 nach knapp vier Jahren abgegeben hat, im Interview mit Bloomberg. Er ergänzt: „Derzeit sieht es ein bisschen nach einer ESG-Blase aus, und wir sollten sowohl das Gute als auch das Schlechte berücksichtigen.”

Unter der Führung des früheren Investmentvorstands Hiromichi Mizuno und Ex-Präsident Norihiro Takahashi war GPIF ein Pionier der ESG-Investments, der versuchte, “die Welt zu ändern”, so Hirano. „Jetzt ist es Teil des Corporate-Governance-Kodex, und die Regierung hat inzwischen begonnen, Vorreiter bei der Bewältigung von Themen wie dem Klimawandel zu sein. Der Trend hat sich etabliert, auch wenn der GPIF nicht derjenige ist, der die Führung übernimmt.”

Hirano, der den knapp 1,35 Billionen Euro schweren GPIF von 2017 bis Anfang dieses Jahres leitete, erläuterte zudem, warum der Fonds bei seiner nächsten Portfolioüberprüfung 2025 die Gewichtung inländischer Aktien überdenken muss: „Das Gewicht japanischer Aktien unter den globalen Märkten beträgt etwa sechs bis sieben Prozent. Aus der Sicht eines Profis ist die aktuelle Gewichtung von 25 Prozent für japanische Aktien zu hoch. Es ist nicht ungewöhnlich, einen ‘Home Bias’ zu haben, aber dies wird wahrscheinlich einer der Diskussionsbereiche sein.” Eine weitere schwere Entscheidung, denkt er, muss beim GPIF getroffen werden, weil der FTSE Russell ab Oktober chinesische Anleihen in seinen Benchmark-Index für globale Anleihen aufnehmen wird. „Der GPIF soll keine politischen Agenden berücksichtigen, denken Sie nur an die risikogewichtete Rendite, doch die Politik kann den Markt beeinflussen.“


Bei alternativen Anlagen wie Private Equity, Immobilien oder Infrastruktur sieht der mittelfristige Plan des GPIF eine Obergrenze von fünf Prozent vor. Das Anlagesegment müsse sich aber erst noch bewähren, so Hirano: „Das größte Problem ist die Performance. Als langfristiger Investor kann der GPIF das hohe Liquiditätsrisiko alternativer Anlagen im Gegenzug für gute Renditen auf sich nehmen. In einem Dachfondsformat gibt es jedoch viele Intermediäre und hohe Gebühren. Wir müssen ständig prüfen, ob die Nettorendite, abzüglich des Risikos und der Gebühren, genauso gut ist wie die von traditionellen Anlagen.”

Die Hauptaufgabe besteht laut Hirano darin, das öffentliche Verständnis für die Rendite des Fonds zu erhöhen. Während die vorgeschriebene Investitionsrendite des GPIF etwa 1,7 Prozent über den nominalen Lohnsteigerungen liege, strebe der Fonds insgesamt etwa drei Prozent an. „Da die Zinssätze in Japan nahe Null liegen und auch weltweit gesunken sind, ist es völlig unmöglich, auf dem Anleihenmarkt drei Prozent zu erzielen. Dennoch gibt es eine große Anzahl von Japanern, die denken, dass es gefährlich ist, in Aktien zu investieren. Es ist wirklich schwer, diese Kluft zu überbrücken.”