Vermögensverwalter Markus Lehner Der Frontrunner

Markus Lehner, Rennfahrer, Pilot und Vermögensverwalter

Markus Lehner, Rennfahrer, Pilot und Vermögensverwalter

„Egal, was die machen, ich will das auch tun.“ Das ist der erste Gedanke von Markus Lehner, als er Mitte der 80er Jahre vor dem Sitz der Fondsgesellschaft Fidelity in Los Angeles steht – einem Palast aus Marmor und Glas „mit hübschen Sekretärinnen am Empfang“. Lehner, damals 21 Jahre alt, lernt an einer Business School Wirtschaftsenglisch. Vormittags Schule, nachmittags Hausaufgaben, dann läuft er durch Los Angeles. „Ich bin bei Fidelity reingegangen und habe gefragt, was die machen“, erzählt er. So viel Selbstbewusstsein beeindruckt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Der Vertriebsmanager wird geholt und erklärt ihm genau, was Fidelity ist – und was Investmentfonds sind. Die Initialzündung für Lehners Karriere.

Er springt ins kalte Wasser, gründet 1990, mit 25 Jahren, die Vermögensverwaltung Lehner Investments in Wien und ist „der Erste, der Investmentfonds nach Österreich importiert“. Fidelity-Fonds machen den Anfang, Produkte von Fleming und Pioneer folgen. „Haben sie einen Vertretungsvertrag, kriegen sie auch weitere. Man kennt sich schließlich“, erzählt Lehner. Schnell sind zehn bis zwölf Gesellschaften zusammen, deren Fonds er vertreibt. „Ein Knochenjob.“ Lehner muss in seinem kleinen Büro viel Überzeugungsarbeit leisten. „Die Wiener wachsen mit dem Sparbuch auf. Und Anlageberater hatten damals einen ganz miesen Ruf.“ Doch ans Aufgeben denkt Lehner nicht. Er ist ehrgeizig. „Ich hasse es, etwas anzufangen und dann zu scheitern.“

Lehner startet eine Imagekampagne. Er macht sehr viel Medienarbeit: „Von September 1995 bis März 1996 war ich öfter in der Wiener Presse als Rennfahrer Niki Lauda, mein großes Vorbild.“ Er führt zusammen mit der Wiener Wirtschaftskammer einen Ausweis für staatlich geprüfte Anlageberater ein („um Vertrauen bei den Investoren zu schaffen“), und er macht die Prüfung zum gerichtlich vereidigten Sachverständigen für Investmentfonds. „Ich war nicht nur der jüngste, sondern auch der einzige.“ Es funktioniert. Das Geschäft läuft gut.

Lehner hebt ab

1995 zieht er nach Monaco, ins Reservat der Reichen. Die Steuervorteile seien für ihn dabei nur eine angenehme Begleiterscheinung gewesen. Lehner erfüllt sich einen Wunsch. „Ich bin gern am Meer, in der Wärme, und ich schätze die Sauberkeit und Sicherheit sowie das kosmopolitische Leben in Monaco.“ Er wohnt in einem Drei-Zimmer-Apartment im „Le Mirabeau“, in den unteren Etagen sind gerade einige Wohnungen zu verkaufen – für 148.000 Euro pro Quadratmeter.

Und noch einen Wunsch erfüllt sich Lehner. Er wollte „schon immer“ Pilot werden und sein eigenes Flugzeug fliegen. 1999 nimmt er seine ersten Flugstunden in Südfrankreich, 2002 macht er seine letzte Prüfung in Florida. 2008 kauft er sich sein eigenes Flugzeug, eine Diamond DA 42, und gründet LehnAIR, jene Abteilung von Lehner Investments, „die alles betreut, was mit der Fliegerei zu tun hat“. Seitdem reist er bevorzugt im eigenen Flugzeug. „Ich komme viel direkter und schneller überallhin.“ Denn, so einer seiner Merksätze, „Zeit ist eines der wenigen Dinge im Leben, die man nicht ersetzen kann.“

Nach zehn Jahren Fremdfondsvertrieb ändert Lehner sein Geschäftsmodell. Seine Idee: „Warum nicht eigene Fonds kreieren, die wir exklusiv über große Fondsvertriebe verkaufen.“ Natürlich brauchen die nicht den hundertsten globalen Aktienfonds. Im November 2001 legt er darum den Dachfonds Multi Leaders Fund auf. „Er war einer der ersten Dachfonds, die überhaupt im deutschsprachigen Raum zugelassen wurden.“ Der zweite Teil seiner Karriere beginnt: Financial Engineering, maßgeschneiderte Fondsprodukte für institutionelle Anleger. Das Wissen darüber muss er sich erst einmal aneignen. „Autos zu verkaufen ist ja schließlich etwas anderes, als Autos zu bauen.“ Inzwischen verwaltet er in seinem Fonds über 2 Milliarden Euro und hat über 35.000 Investoren. Und Lehner Investments ist nach Luxemburg gezogen.

„Durch Zufall“ erfüllt sich 2002 noch ein weiterer Wunsch. Sein Ferrari-Händler stellt ihn für die Ferrari-Challenge auf, eine professionelle Rennserie für Gentleman-Driver. 14 Rennen im Jahr, an sieben Wochenenden. 2003 führt Lehner die Liste nach zehn Rennen an – und gewinnt die Meisterschaft. Seitdem fährt er nicht mehr, es gibt keine Herausforderung. „Ich habe relativ spät, mit 37 Jahren, angefangen. Da kommt man nicht mehr in die Formel 1.“ Vielleicht aber steigt er doch noch einmal in den Rennanzug: „Ich habe das Angebot bekommen, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu fahren.“ Auch hier kommt er sicher schnell auf die Zielgerade. Sein Erfolgsrezept ist kein Geheimnis: „Egal, was sie machen. Sie müssen dafür brennen und dürfen nie aufgeben.“