Der Feind in meinem Netz So nutzen Anleger den Megatrend Cyber-Sicherheit

Der Schaden durch Cyber-Attacken steigt weltweit stetig an.  | © Pixabay

Der Schaden durch Cyber-Attacken steigt weltweit stetig an. Foto: Pixabay

Der erste Hack war der Pfiff eines blinden Jungen in den USA: Der siebenjährige Joe Engressia, geboren ohne Augenlicht, aber dafür mit absolutem Gehör, entdeckte 1957 zufällig, dass er durch Pfeifen in den Hörer des elterlichen Telefons bei einer Frequenz von exakt 2.600 Hertz die elektronische Vermittlung des Telekommunikationsriesen AT&T manipulieren konnte. Seine Entdeckung nutzte er für kostenlose Ferngespräche.

Was klein begann, bedroht wenige Jahrzehnte später Konzerne und sogar ganze Volkswirtschaften. So zeigt der Fall von Aramco aus dem Jahr 2012, was passiert, wenn Cyber-Kriminelle sich Zugriff zu Unternehmensrechnern verschaffen: Bei dem Angriff einer mutmaßlich iranischen Hackergruppe auf den saudi-arabischen Ölmulti legte die Schad-Software Shamoon innerhalb kürzester Zeit global mehr als 35.000 Rechner des Konzerns so lahm, dass dessen Geschäft komplett zusammenbrach.

Wochenlang mussten die Mitarbeiter auf Papier, Schreibmaschine und Fax zurückgreifen. Zwischenzeitlich gab das Unternehmen Sprit sogar kostenlos an seine Landsleute ab, um den Wirtschaftskreislauf Saudi-Arabiens am Laufen zu halten. Erst nach knapp einem halben Jahr war Aramco wieder am Netz – mit neuer Hardware und einer deutlich aufgestockten IT-Abteilung. Der Angriff gilt noch heute als der zerstörerischste und teuerste der Geschichte.

                            Illustrationen: HANKA FERENTIC/ISTOCK, EDUARDROBERT/ISTOCK, JISIGN/FOTOLIA, BSGSTUDION
 Quelle: 2017 Norton Cyber Security Insights Report

Seitdem steigt der Schaden durch Cyber-Attacken weltweit stetig an. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass in großem Stil gestohlene Zugangsdaten ins Netz gelangen, millionenschwere Bitcoin-Börsen leergeräumt werden oder sich Regierungen beschuldigen, die digitale Infrastruktur der jeweiligen Gegenseite attackiert, infiltriert oder manipuliert zu haben – bis hin zur Einflussnahme auf US-Präsidentschaftswahlen.

Allein in den USA beliefen sich die durch Cyber-Attacken entstandenen Kosten für das Jahr 2016 dem Weißen Haus zufolge auf bis zu 109 Milliarden US-Dollar. In Deutschland geht der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, Bitkom, von 43 Milliarden Euro Schaden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage in den vergangenen zwei Jahren aus. Weltweit schätzen ihn Experten mittlerweile auf rund 600 Milliarden Euro jährlich.