Insight Index, Teil 3 Der entwachsene Bruder MSCI Emerging Markets

Skyline von Schanghai

Skyline von Schanghai: China spielt unter den Schwellenländern und im MSCI Emerging Markets eine dominierende Rolle. Foto: imago images/VCG

Kaum ein Index hat so einen starken Wandel durchlaufen wie der MSCI Emerging Markets in seiner gut 30-jährigen Geschichte. Aufgelegt wurde er 1988 mit den acht Ländern Mexiko, Argentinien, Brasilien, Jordanien, Chile, Malaysia, Thailand und den Philippinen. Zur damaligen Zeit war die Investition in Aktien dieser Länder etwas für wagemutige Investoren und wenig verbreitet. Der Zugang zu Informationen und die Handelbarkeit von Aktien waren damals stark eingeschränkt und ein Engagement für institutionelle Investoren ein Randthema.

Heute ist der MSCI Emerging Markets Index die international von Investoren am häufigsten genutzte Vergleichs- und Investitionsgrundlage für Engagements in Aktien der Schwellenländer. Das liegt neben dem wirtschaftlichen Erfolg der Schwellenländer auch an den attraktiven Risiko-Ertrags-Eigenschaften.

>>Eine Tabelle mit Schwellenländer-Indexfonds finden Sie hier

Zwar ging ein Engagement meist mit erhöhten Wertschwankungen im Vergleich zu Aktien der Industrieländer einher, die Inkaufnahme wurde jedoch auch mit einem Mehrertrag von 2,4 Prozent pro Jahr vergütet. Weltweit werden ETFs im Gesamtvolumen von 87 Milliarden US-Dollar auf Basis des Index gemanagt. Dieser bildet die Wertentwicklung der Aktienmärkte von inzwischen 26 aufstrebenden Ländern ab und setzt sich aus rund 1.400 Aktien zusammen.

Er deckt damit rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung der Schwellenländer ab und kann demnach mit gutem Gewissen als kleiner Bruder des MSCI World Index bezeichnet werden. Zusammen bilden die beiden Indizes den MSCI All Countries World Index (ACWI), der die Aktienmärkte von 49 Einzelländern unter einem Dach vereint. Wie stark die Schwellenländer in den vergangenen Dekaden international an Bedeutung gewonnen haben, ist an der Gewichtung im MSCI ACWI abzulesen. Im Startjahr des MSCI Emerging Marktes Index betrug das Gewicht nur ein Prozent. Heute sind es schon 12 Prozent.

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Betrachtet man den Zeitraum seit Start des MSCI Emerging Markets Index, lassen sich vier prägnante Perioden ausmachen. In der ersten Phase, die bis Mitte der 1990er Jahre andauerte, etablierten sich die Schwellenländer als neue eigene Anlageklasse, die zunehmend internationale Investoren anzog. Ein Engagement in den Emerging Markets ergab auch aus Gründen der Diversifikation Sinn, da die Korrelation mit 0,4 zum S&P 500 sehr gering war.

Lateinamerika dominierte damals den Index. Die erfolgreiche Restrukturierung der hohen lateinamerikanischen Staatsverschuldung hatte Ende der 1980er Jahre den Grundstein für eine wirtschaftliche Erholungsphase gelegt, von der auch die dortigen Börsen stark profitierten. Neue Länder wie Indonesien, Indien und Korea kamen hinzu und stärkten das Gewicht asiatischer Aktien im Index.

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Die zweite Periode folgte dann bis zur Jahrtausendwende. Sie war einerseits durch den Fall und die Öffnung des Ostblocks geprägt. Länder wie Polen, Ungarn und Russland ergänzten den Index. Anderseits drückten aber auch heftige Krisen dieser Phase den Stempel auf. Die Asien-Krise in den Jahren 1997 bis 1998 bereitete dem Kredit-Boom, der in den 90er Jahren viele asiatische Volkswirtschaften geprägt und zu einer gewaltigen Fehlallokation von Kapital geführt hatte, ein jähes Ende.

Das Umfeld verunsicherte viele Investoren, die ihr Kapital abzogen und damit weitere Krisen, wie die in Russland 1998, auslösten. Während in Europa und Amerika die Technologie-Aktien boomten, kämpften Schwellenländeraktien mit deutlichen Kursverlusten. In dieser bewegten Phase wurde auch der neue heimliche Star China aufgenommen.

Quelle: Weberbank

In der dritten prägenden Phase erlebten die Schwellenländer ihr Comeback. Hohes Wirtschaftswachstum und günstige Bewertungen bereiteten den Boden für ein Jahrzehnt überdurchschnittlicher Aktienerträge. Jim O’Neill, damaliger Chefvolkswirt von Goldman Sachs, prägte mit dem Akronym Bric, das für die Länder Brasilien, Russland, Indien und China stand, eine Dekade. Diese Schwellenländer verzeichneten über einen längeren Zeitraum jährliche Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung von 5 bis 10 Prozent und zogen massiv Anlagegelder an. Mit der Weltfinanzkrise ab dem Jahr 2008 kehrte auch in den aufstrebenden Volkswirtschaften Ernüchterung ein.