Debatte unter Ökonomen Langfristig droht Stagnation

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Auch der momentan steigende Anteil älterer Menschen ist wenig zur Begründung einer akuten säkularen Stagnation geeignet. Zum einen haben sich ihre Konsumgewohnheiten geändert: Die sogenannten „Best Ager“ von heute sind deutlich konsumfreudiger als ältere Menschen der Vorgängergenerationen. Zudem hat die verbesserte Gesundheit nicht nur die Lebenserwartung erhöht.

Es arbeiten ebenfalls momentan mehr ältere Menschen als früher und fallen dem Sozialsystem erst später zur Last. Dies mag sich ändern, wenn die geburtenstarken Jahrgänge um das Geburtsjahr 1965 ab 2030 in Rente gehen. Vielleicht ist dann die Konsequenz, dass wir in zehn bis 15 Jahren Stagnationstendenzen bekommen. Heutzutage sind die Auswirkungen jedoch minimal.

Aber selbst bei sinkenden Geburtenraten und zunehmender Überalterung muss die Demografie nicht unbedingt zur wirtschaftlichen Stagnation führen: Einwanderer aus ärmeren Ländern können die Bevölkerungslücke schließen. Allerdings muss die politische Bereitschaft gegeben sein, die Grenzen zu öffnen. Hier hat insbesondere das traditionell auf Abschottung fixierte Japan ein großes Problem: Masseneinwanderung wird politisch nicht akzeptiert. Stattdessen wird darauf gesetzt, künftig fehlende Arbeiter durch Roboter zu ersetzen.

Diagnose „säkulare Stagnation“: heute immer noch falsch – aber möglicherweise wahr in zehn Jahren

Wir befinden uns in einer Phase des Niedergangs. Allerdings handelt es sich nicht um einen gesamt-wirtschaftlichen Zerfallsprozess in Form der säkularen Stagnation. Stattdessen gibt es einen relativen Abstieg der traditionellen Industriebranchen zu Dienstleistungen und neuen digitalen Angeboten.

Während sich der relative Niedergang der traditionellen Industrie mit den Instrumenten der ökonomischen Datenerfassung gut abbilden lässt und damit sehr sichtbar ist, erfolgt der Aufstieg der digitalen Branchen im Nebel. Der heutige Fortschritt ist noch nicht vollständig sichtbar: teilweise, weil er einen sehr langen Vorlauf hat, teilweise, weil die ökonomische Datenerfassung methodisch hierauf nicht ausgerichtet ist. Es entbehrt hierbei nicht der Ironie, dass ausgerechnet der Aufstieg der mit Datenverarbeitung verbundenen Branchen so schlecht mit Daten zu erfassen ist.