Debatte unter Ökonomen Langfristig droht Stagnation

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Beruht die aktuelle Popularität der Theorie säkularer Stagnation auf einer Verwechslung von Strukturwandel mit allgemeinem Niedergang?

Insbesondere drei Missverständnisse sind meiner Ansicht nach dafür verantwortlich, dass sich das Szenario säkularer Stagnation in den Köpfen vieler Ökonomen verfestigt hat: 

1.) Das mit den üblichen statistischen Methoden ermittelte BIP-Wachstum spiegelt nicht mehr die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung wieder, weil a) die Verbesserungen durch neue Basisinnovationen teilweise sehr lange brauchen, bis sie die Produktivität sichtbar verbessern; sowie b) neue Dienstleistungen im Rahmen der Digitalisierung von den gängigen Methoden der ökonomischen Statistik nicht oder falsch erfasst werden.

2.) In der neuen, durch Dienstleistungen und Digitalisierung geprägten Ökonomie findet eine Verschiebung der Investitionen von materiellen Gütern wie Maschinen in immaterielle Güter wie Bildung, Forschung und Marken statt. Letztere werden jedoch von der Ökonomie (noch) nicht als Investitionen erfasst. Zudem ist der Rückgang von Anlageinvestitionen weniger dramatisch, als es auf den ersten Blick aussieht.

3.) Die demografische Entwicklung ist zwar ungünstig, wirkt sich aber bisher zumeist noch nicht signifikant negativ auf die Wirtschaftsentwicklung aus, weil soziale und politische Veränderungen ihr derzeit noch entgegenwirken.

Wie lange dauert es, bis Innovationen wirken? Manchmal sehr lange!

In den vergangenen Jahren haben insbesondere Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee in mehreren Büchern sowie Vorträgen die aktuelle Welle an Basisinnovationen thematisiert, die ihrer Ansicht nach in der Lage ist, eine neue industrielle Revolution auszulösen. Die beiden Autoren haben sich hierbei auch mit der Frage befasst, wie lange es dauern kann, bis sich Basisinnovationen tatsächlich in Produktivitätsfortschritten niederschlagen.

Aus historischen Vergleichen mit anderen Phasen signifikanter Basisinnovationen haben sie abgeleitet, dass hierfür mehrere Jahrzehnte notwendig sein können. Denn solange dauert die Entwicklung von einer grundlegend neuen Idee zu einem ausgereiften und allgemein akzeptierten Produkt. Ob Eisenbahn, Auto oder Computer: In den ersten Jahrzehnten nach ihrer Erfindung haben diese Entwicklungen die Produktivität nicht erhöht, sondern aufgrund der Entwicklungs- und Implementierungskosten wahrscheinlich sogar etwas vermindert.

Insofern lässt sich aus schwachen Produktivitätszahlen nicht unbedingt auf verminderte Innovations-kraft zurückschließen. Ganz im Gegenteil können sie genauso gut als Vorboten einer neuen Welle von starken Produktivitätsverbesserungen interpretiert werden.