Tarifrunde privates Bankgewerbe DBV fordert 9,5 Prozent mehr Lohn für Bankangestellte

Wolfgang Ermann – DBV-Verhandlungsführer

DBV-Verhandlungsführer Wolfgang Ermann: „Ich erlebe in Banken seit Jahren, dass Automatisierung nicht automatisch weniger Belastung bedeutet.“ Bildquelle: DBV

Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) geht mit einer Entgeltforderung von 9,5 Prozent in die Tarifrunde 2026 für das private Bankgewerbe. Die Laufzeit soll 24 Monate betragen. Für Nachwuchskräfte fordert die Gewerkschaft eine Erhöhung um 160 Euro.

Zur Begründung verweist der DBV auf die hohen Gewinne von Deutscher Bank und Commerzbank. Zugleich sei der Kaufkraftverlust der vergangenen Jahre noch nicht vollständig aufgeholt. Der gesamtwirtschaftliche Reallohnindex habe 2025 trotz zweier Erholungsjahre das Niveau von 2019 noch nicht wieder erreicht. Das Bild vom hochbezahlten Banker habe mit der Einkommensrealität der Tarifbeschäftigten wenig zu tun. Selbst langjährige Mitarbeiter kämen demnach in den für die große Mehrheit relevanten Tarifgruppen auf Monatsgehälter von rund 4.200 bis 5.900 Euro brutto – ein in Deutschland eher typischer Verdienst.

Was die KI nicht kann, landet beim Menschen

Neben dem Geld steht ein zweiter Punkt auf der Liste, der ungewöhnlich anmutet: zusätzliche freie Tage. Auf betrieblicher Ebene verlangt der DBV sogenannte Entlastungstage für Bereiche, die von der Einführung künstlicher Intelligenz (KI) und automatisierten Arbeitsmodellen betroffen sind. Die freie Zeit versteht die Gewerkschaft als Wertschöpfungsausgleich. Wenn Technologie Routinevorgänge ablöse und die Produktivität erhöhe, müsse ein Teil dieses Gewinns bei den Beschäftigten ankommen.

Dahinter steht ein aus DBV-Sicht schleichender Wandel im Arbeitsalltag. Standardfälle würden zunehmend technisch erledigt, während bei den Beschäftigten überproportional Ausnahmefälle, Beschwerden und Kontrollaufgaben verblieben, so Verhandlungsführer Wolfgang Ermann.

„Ich erlebe in Banken seit Jahren, dass Automatisierung nicht automatisch weniger Belastung bedeutet. Die einfachen Vorgänge verschwinden zuerst. Beim Menschen landet am Ende das, was die Maschine nicht kann oder der Kunde allein nicht lösen konnte“, sagt Ermann. Die unkomplizierten Kundenkontakte würden dadurch seltener, die herausfordernden und komplexen Aufgaben blieben.

 

Die Verhandlungen sollen am 8. Oktober 2026 in Berlin beginnen. Weitere Termine seien für den 2. November im Raum Frankfurt und den 23. November in Berlin vorgesehen.

Am selben Tisch sitzt die größere Gewerkschaft

Die 9,5 Prozent sind die Zahl des DBV – nicht die der Tarifrunde insgesamt. Auf Gewerkschaftsseite verhandelt neben dem DBV auch Verdi mit dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken), und Verdi ist in der Branche die mitgliederstärkere Kraft. Eine bezifferte Entgeltforderung für 2026 hat Verdi bislang nicht veröffentlicht; die Gewerkschaft befindet sich noch in der Phase der Forderungsbefragung.

Inhaltlich rückt sie die reale Sicherung der Einkommen sowie mehr Arbeitszeitsouveränität in den Vordergrund – also flexiblere Arbeitszeitmodelle, Teilzeitregelungen und ebenfalls zusätzliche freie Tage. Zum Vergleich: In der Runde 2024 forderte Verdi 12,5 Prozent (mindestens 500 Euro), der DBV 16 Prozent. Am Ende stand ein Abschluss von 10,5 Prozent in drei Stufen bei einer Laufzeit von 28 Monaten – dieser Vertrag ist zum 30. September 2026 kündbar und Anlass der neuen Runde.

Reaktion des Arbeitgeberverbands ist deutlich

Der AGV Banken hält die Gehaltsforderung für deutlich zu hoch. In Zeiten hoher politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit stünden die privaten Banken angesichts fortschreitender Konsolidierung und Rationalisierung – auch durch den KI-Einsatz – vor einem weiteren erheblichen Personalabbau. Oberstes Gebot in dieser Transformationsphase sei Kostendisziplin.

Die geforderten Entlastungstage verteuerten die Arbeit ausgerechnet dort, wo sie durch Automatisierung gerade wegfalle. „Das passt nicht zusammen“, heißt es in der Stellungnahme des Verbands gegenüber dieser Redaktion. „Das würde nur den Kostendruck erhöhen und ginge zulasten weiterer Arbeitsplätze“, so Geschäfstführer Ulf Grimmke.

Der zentralen Begründung des DBV widerspricht der Verband offen: Nach seinen jährlichen repräsentativen Befragungen erlebe eine große Mehrheit der mit KI arbeitenden Beschäftigten diese als Aufwertung und Unterstützung ihrer Tätigkeit. Für die Behauptung, KI-Unterstützung erschwere den Arbeitsalltag, gebe es keine Belege.

 

Der DBV versteht sich als verbandsunabhängige Alternative zu den DGB-Gewerkschaften. Gegründet wurde er am 16. Mai 1894 in Magdeburg von 56 Angestellten des privaten Bankgewerbes. Nach eigenen Angaben zählt die Gewerkschaft rund 21 000 Mitglieder und ist damit die zweitgrößte Organisation in der Finanzbranche. Besonders stark vertreten ist sie bei Deutscher Bank und Hypovereinsbank (Unicredit); im genossenschaftlichen Sektor beansprucht sie die Tarifführerschaft.

 

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