Charity Das große Privileg

Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda machen sich ein Bild der Zustände in der verarmten indischen Region Patna. Über die eigene milliardenschwere Stiftung Bill and Melinda Gates Foundation hinaus nutzen sie ihre Prominenz, um Spendengelder bei Vermögenden einzusammeln. | © Getty Images

Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda machen sich ein Bild der Zustände in der verarmten indischen Region Patna. Über die eigene milliardenschwere Stiftung Bill and Melinda Gates Foundation hinaus nutzen sie ihre Prominenz, um Spendengelder bei Vermögenden einzusammeln. Foto: Getty Images

„Ich bin niemand, dem Sie Ihr Portfolio anvertrauen sollten, davon verstehe ich nicht viel“, so Mathias Terheggen von der UBS. Braucht er auch nicht, denn dafür gibt es bei der Schweizer Großbank andere Spezialisten. Terheggen hat stattdessen andere Fähigkeiten. Seine Arbeit besteht aus etwa 30 Prozent interner Absprachen mit UBS-Kundenberatern, 20 Prozent Gesprächen mit Externen, um bestehendes Wissen auszubauen und Kontakte zu knüpfen, sowie 50 Prozent für den eigentlichen Kundenkontakt.

Terheggen ist Leiter Philanthropie bei der UBS, ein Traumjob. „Meine Arbeit macht Spaß, weil ich in der privilegierten Lage bin, anderen Menschen zu helfen, Geld zu verschenken.“ Viele Vermögende haben irgendwann im Verlauf ihres Lebens den Wunsch, ganz allgemein etwas Gutes zu tun, der Gesellschaft etwas zurückzugeben oder ein spezielles Projekt zu fördern. Der Weg von der ersten Idee bis zur strukturierten Umsetzung sollte gut geplant sein. Dafür gibt es Leute wie Mathias Terheggen.

Denn philanthropisch tätig zu werden, heißt nicht, bloß Geld zu spenden. „Viele angehende Philanthropen wissen nicht, dass das Wertvollste ihre professionelle Erfahrung und ihr Netzwerk sind“, erläutert Terheggen. Zudem sei die heutige Philanthropie strategischer, strukturierter und ergebnisorientierter als früher. Spender wollen nicht nur einfach Geldgeber sein, sondern auch Wirkung bei der Lösung eines Problems erzielen. Die Spende und das Engagement müssen sich entsprechend über ihr Ergebnis rechtfertigen.

Trend zum Gutmenschen

Seit 1998 berät ein gesondertes UBS-Team Kunden, die philanthropisch tätig werden wollen. Wichtig ist das Thema vor allem als Dienstleistung für sogenannte Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI). Bei der UBS sind das Vermögen jenseits von 50 Millionen Franken (41,6 Millionen Euro). „Hintergrund ist, dass sich Menschen in einem zunehmenden Maße philanthropisch engagieren, je größer ihr Vermögen ist“, so Terheggen. Mittlerweile besteht ein Trend zum professionellen Geldgeben.

Treiber dafür ist die Zahl der bereits Engagierten, die wie Botschafter des philanthropischen Gedankens fungieren. Vorbilder wie Bill Gates, Warren Buffett und Chuck Feeney tun ihr Übriges. „Auch wollen manche Vermögende nicht nur Gutes bewirken, sondern gleichzeitig ihren unternehmerischen Erfolg auch in der Philanthropie wiederholen.“ Gutes, geboren aus Ehrgeiz und der Lust an Leistungsbereitschaft. Neben solchen Einzelpersonen gehören aber auch Externe wie Family Offices und Stiftungen zu den Kunden der UBS.

Persönliche Kundenbeziehung

Bei der britischen Privatbank Coutts & Co. dagegen berät man einzig und allein Personen und Familien, die bereits Kunden der eigenen Vermögensverwaltung sind. Das Team um die Leiterin Philanthropie, Maya Prabhu, besitzt hausintern demnach auch keinen eigenen Kundenstamm.

Dennoch leistet das Team Erhebliches: „Die Gespräche mit den Vermögenden finden immer persönlich statt, was beispielsweise nicht die Regel im Private Banking ist“, so Prabhu. „Dadurch entwickeln wir viel engere Beziehungen zu unseren vermögenden Kunden als in anderen Beratungsbereichen des Bankhauses.“ In dem Fall sind Prabhu und ihr Team Teil des Beziehungsmanagements zu Kunden. „Das persönliche Gespräch ist aber auch notwendig, da jeder Kunde individuell in seinen Wünschen und seiner finanziellen Ausstattung ist und es keine Stanze für Philanthropie gibt“, so Prabhu.

Beispielsweise muss für jeden entschieden werden, ob die finanzielle Unterstützung bestehender Stiftungen, die Auflegung eines Stiftungsfonds oder die Gründung einer Stiftung am besten zu den Zielen des Spenders passen. „Für viele Vermögende in Europa spielt auch die Anonymität eine große Rolle und muss im Vorfeld besprochen werden“, erklärt Prabhu. Während im angelsächsischen Kulturraum das Spenden als gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen und offen gelebt wird, herrscht in Europa eher ein Tabu, wenn es um die eigenen Finanzen geht.

Investieren statt spenden

In der Philanthropie haben sich auch immer wieder Trends herausgebildet. Das jüngste Beispiel in Europa ist das zunehmende Interesse an Problemen vor der eigenen Tür. Nachdem in den 1980er Jahren das erste philanthropische Großthema Afrika war, stieg zuletzt die Aufmerksamkeit der hiesigen Spender für die Not auf dem eigenen Kontinent. „In dem Maße, wie die Sozial(staats)budgets in Europa durch die Krise kleiner werden, wollen Vermögende vermehrt helfen, Probleme wie die Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent in Spanien zu bekämpfen“, so Terheggen.

Allgemein ist der große Wandel innerhalb der Philanthropie weniger thematisch, weniger die Fragen nach dem Was als nach dem Wie. „Philanthropen versuchen zunehmend, unternehmerisch tätig zu werden und mehr zu investieren, als zu spenden“, so Terheggen. Gemeint ist damit das sogenannte Social- oder Impact- Investing. Wie im Artikel über Asset Management von Stiftungen (ab Seite 48) näher beschrieben, können Philanthropen nicht nur Geld spenden, sondern auch im Sinn ihrer Wohltätigkeitsidee investieren.

Guten Projekten oder Ideen wird dabei Geld zur Verfügung gestellt, das aber mit Rendite zurückgezahlt werden muss. „Diese Neuerung steht noch in der Anfangsphase ihrer Entwicklung“, so Prabhu. „Social Investing ist ein interessanter Versuch, gesellschaftliche und ökologische Probleme zu lösen. Nicht vergessen darf man aber, dass die meisten Projekte nur über eine Scheckbuchspende finanziert werden können, weil sie keine Rendite erwirtschaften.“