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Dr. Andrea Vathje: BlackRock spricht vom „50/30/20-Portfolio der Zukunft“. Wie lässt sich dieses Modell verstehen, und welche Rolle spielen Privatmärkte dabei?
Benjamin Fischer - Das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen hat Anleger über Jahrzehnte zuverlässig getragen. 2022 war dann mit zweistelligen Verlusten bei Aktien und Anleihen das schlechteste Jahr seit einem halben Jahrhundert (Quelle: Das Investment, 18. Dezember 2022). Auch wenn die beiden Folgejahre eine deutliche Erholung zeigten – mit starken Aktienrenditen und stabilisierten Anleihemärkten – war das ein klares Warnsignal, dass die bisherige Zweiteilung womöglich nicht mehr ausreicht. Das „Portfolio der Zukunft“ ergänzt Aktien (50%) und Anleihen (30%) um Privatmarktanlagen (20%). Institutionelle Investoren setzen teilweise seit Jahrzehnten auf Private Markets, um Risiken besser zu streuen und zusätzliche Renditequellen zu erschließen. Nur 12% der Unternehmen mit mehr als 100 Mio. USD Umsatz sind börsennotiert - die restlichen 88% blieben Anlegern lange Zeit als Investmentchance verwehrt (Quelle: Capital IQ, BlackRock, 30. September 2024). Durch regulatorische Anpassungen – Stichwort ELTIF 2.0 – öffnet sich nun auch für Privatanleger ein Markt, der bislang nahezu unzugänglich war.
AV: Warum etabliert sich der ELTIF als bevorzugtes Vehikel für Private-Market-Investments im Wealth Management?
BF - Der ELTIF ist politisch gewollt, um Europa auf einem Pfad intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums zu unterstützen. Er unterliegt strengen Diversifikations- und Anlegerschutzvorgaben, vergleichbar mit den UCITS-Regeln für liquide Fonds. ELTIFs können europaweit vertrieben werden. Das schafft Skaleneffekte für Asset Manager – wovon wiederum die Anleger profitieren. ELTIFs öffnen den Zugang zu Private Equity, Infrastruktur, Private Credit– Märkten, die bislang fast ausschließlich von Institutionellen genutzt wurden – und bieten Chancen jenseits des traditionellen 60/40-Portfolios.
Unser Anspruch bei BlackRock dabei ist klar: Wir wollen Anlegern in unseren ELTIFs die gleiche Qualität an Investments bieten, die bisher unsere institutionellen Investoren vorbehalten war. Deshalb investieren unsere ELTIFs auch Hand in Hand mit unseren institutionellen Investoren wie Staatsfonds und Pensionskassen in die gleichen Unternehmen, und wir sehen auch institutionelle Kunden, die in unsere ELTIFs investieren.
AV: Welche Use Cases sehen Sie speziell im deutschen Private-Banking-Markt?
BF - Die jüngsten regulatorischen Anpassungen erlauben erstmals Evergreen-Strukturen mit periodischen Rückgaben und der Option, auch fortlaufend in diese Fonds zu investieren, bis hin zu monatlichen Sparplänen. Damit eröffnen sich deutlich mehr Anwendungsfelder als bisher. ELTIFs eignen sich heute nicht nur für das klassische Beratungsgeschäft, sondern auch für die Vermögensverwaltung, digitale Vertriebskanäle und sogar für Versicherungspolicen. Gerade durch die Kombination aus fortlaufenden Investitionsmöglichkeiten und flexibleren Rückgabefenstern steigt die Attraktivität für ein breiteres Kundenspektrum spürbar.
AV: BlackRock hat zuletzt mehrere Akquisitionen im Private-Markets-Bereich getätigt. Welche Bedeutung haben diese für das Geschäft?
BF - Privatmarktanlagen gehören seit Jahrzehnten zum Produktangebot bei BlackRock. Allerdings hat sich das Angebot früher insbesondere an unsere institutionellen Kunden gerichtet. Schon unter der alten ELTIF-Regulierung haben wir aber dessen Potenzial erkannt und ab 2019, als einer der Pioniere, mehrere ELTIFs aufgelegt.
Das Universum der Privatmärkte ist riesig: Private Credit wird zunehmend zur bevorzugten Finanzierungsquelle des Mittelstands, während Infrastrukturprojekte strukturelle Wachstumschancen bieten, etwa durch die Energiewende oder durch KI und die zunehmende Nachfrage nach Datencentern.
Um unsere Position weiter zu stärken, haben wir drei strategische Zukäufe getätigt: Global Infrastructure Partners (GIP), einen führenden Investor im Infrastrukturbereich, HPS, einen Spezialisten für Private Credit, sowie Preqin, einen globalen Daten- und Analysedienstleister für Private Markets (Quelle: BlackRock, eigene Berechnungen basierend auf pro-forma Private Credit-AUM (HPS, Stand 31. März 2025) sowie Branchenquellen: Capital IQ, IPE Real Assets, Cerulli, iMoneyNet, P&I, Stand 2024/2025). Mit einem Volumen von rund 30 Mrd. USD waren diese Akquisitionen mehr als doppelt so groß wie die Akquisition von Barclays Global Investors mit der Marke iShares im Jahr 2009 – ein klares Signal, wie überzeugt wir vom künftigen Wachstum in diesem Markt sind.
AV: Was zeichnet die neuen BlackRock Evergreen ELTIFs aus?
BF - Im Frühjahr 2025 haben wir zwei Evergreen-ELTIFs unter der ELTIF Verordnung 2.0 in den Assetklassen Private Equity und Multi-Alternatives lanciert. Anleger können in beide ELTIFs monatlich einsteigen und quartalsweise Anteile zur Rückgabe anmelden. Letzteres gilt nach einer zweijährigen Anlauffrist auf Fondsebene. Die Mindestanlage liegt bei 10.000 Euro, darüber hinaus sind flexible Stückelungen und auch Sparpläne möglich. Wichtig ist dabei aber zu beachten, dass trotz dieser Rückgabemöglichkeiten nur Anleger mit einem längerfristigen Anlagehorizont in diese Fonds investieren sollten. Schließlich investieren beide Produkte schwerpunktmäßig in Privatmarktanlagen, die von Natur aus langfristig sind. Darum sollten Anleger einen langen Atem mitbringen.
Wir haben hier unsere ganze Erfahrung aus früheren ELTIFs eingebracht, sowohl in Bezug auf die Ausgestaltung der Fonds, die operationelle Abwicklung als auch bei der Unterstützung unserer Vertriebspartner. Es ist unser Anspruch, dass diese ELTIFs eine institutionelle Produktqualität liefern.
AV: Wie wird das Angebot bei Vertriebspartnern aufgenommen?
BF -Unsere beiden ELTIFs erreichten in wenigen Monaten in Summe bereits 365 Mio. Euro Fondsvolumen (Quelle: BlackRock, Stand: 20. September 2025). – ein klares Zeichen für das starke Interesse unserer Vertriebspartner und deren Kunden. Parallel dazu haben wir bereits erste Investments getätigt, die die Breite der Strategien widerspiegeln – von internationalen Colocation-Rechenzentren über Infrastrukturprojekte im Bereich Energiewende bis hin zu Pharma - sowie einem weltweit führenden Anbieter im Bereich Fahrzeugdienstleistungen und einem europäischen Marktführer für digitale Job- und Immobilienplattformen.
AV: Für welche Kundensegmente eignen sich die Produkte?
BF - Entscheidend ist weniger das Segment als vielmehr das Verständnis für die Anlageklasse und dass es sich um eine Depotbeimischung für Kunden mit einem längerfristigen Anlagehorizont handelt. Unsere ELTIFs richten sich insbesondere an Private Banking und Wealth Management Kunden, semi-professionelle Investoren und Family Offices.
AV: Wie wird sich der ELTIF-Markt in Deutschland und Europa entwickeln?
BF - Der ELTIF wird sich im Private Banking und Wealth Management als zentraler Zugangsweg für Privatmarktanlagen etablieren. Derzeit liegt die Allokation vieler dieser Kunden im Bereich der Privatmarktanlagen noch bei nahe null. Verglichen mit dem Zielbild eines 50/30/20-Portfolios ergibt sich daher ein enormes Wachstumspotenzial.
Wir sind überzeugt: In zehn Jahren werden Private Markets für Wealth-Management-Kunden so selbstverständlich sein wie Aktien oder Anleihen heute.
AV: Welche Rolle wird BlackRock dabei spielen?
BF - BlackRock war einer der Pioniere im ELTIF-Markt. Unser Ziel ist es, Vertriebspartner umfassend zu unterstützen, mit Wissenstransfer, Technologielösungen, Research und Indexdaten, bei der Portfoliokonstruktion und gezielten Schulungen für Berater. Und mit den passenden Portfoliobausteinen. Dabei spielt für uns der möglichst einfache Zugang für unsere Vertriebspartner zu unseren Produkten eine zentrale Rolle. Das ist der Grund, dass unsere beiden Evergreen-ELTIFs jetzt auch auf der Privatize Plattform verfügbar sind.
Risikohinweise
Kapitalanlagerisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für aktuelle oder zukünftige Ergebnisse und sollte nicht der einzige Faktor sein, der bei der Auswahl eines Produkts oder einer Strategie berücksichtigt wird.
Änderungen der Wechselkurse zwischen Währungen können dazu führen, dass der Wert von Anlagen sinkt oder steigt. Bei Fonds mit höherer Volatilität können die Schwankungen besonders ausgeprägt sein, und der Wert einer Anlage kann plötzlich und erheblich fallen. Die Höhe und Grundlage der Besteuerung kann sich von Zeit zu Zeit ändern und hängt von den persönlichen Umständen ab.
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