Jeff Bezos soll seine Segelyacht „Koru“ verkaufen wollen. Das US-Boulevardblatt „Page Six“ berichtete unter Berufung auf eine anonyme Quelle, das Schiff sei dem Amazon-Gründer schlicht „zu gigantisch geworden, um es zu handhaben". Hinzu komme ein Problem, das paradoxerweise aus dem spektakulären Aussehens des Schiffs und der Berühmtheit des Eigners resultiert: Die „Koru“ ist mittlerweile so bekannt, dass sie ihrem Eigentümer kaum noch Privatsphäre lasse.
Der aufgerufene Preis soll bei 500 Millionen US-Dollar liegen. Ob das Begleitschiff „Abeona“, ein 75-Millionen-Dollar-Tender, Teil des Deals ist, sei noch unklar.
Logistik als Dauerproblem
Die „Koru“ ist eine dreimastige Segelyacht, 127 Meter lang, mit marineblauem Rumpf – gebaut bei Oceanco in den Niederlanden und im April 2023 ausgeliefert. Was auf dem Papier wie das Gipfelerlebnis privaten Besitzes klingt, erweist sich in der Praxis als logistischer Dauerstress. Das Schiff ist zu groß für viele der spezialisierten Hafenterminals, die für Superyachten ausgelegt sind – weshalb es immer wieder neben Frachtschiffen und Öltankern festmachen musste, statt in den exklusiven Marinas, für die ein solches Schiff eigentlich gedacht ist.
Beim Großen Preis von Monaco 2025 durfte die „Koru“ nicht in den Port Hercule einlaufen. Bei der Hochzeit von Bezos und Lauren Sánchez in Italien musste das Schiff weit vor der Küste ankern, weil es nicht in die venezianische Lagune passte. Selbst bei der Ankunft in Port Everglades, Florida, war die Yacht zu lang für die dortige Marina und musste neben einem 297 Meter langen Kreuzfahrtschiff anlegen.
Eine Kontroverse vor der Auslieferung
Schon bevor das Schiff überhaupt das Wasser berührte, sorgte es für Aufregung. Die „Koru“ wurde in einer der Oceanco-Werften einige Kilometer stromaufwärts von Rotterdam gebaut. Mit gesetzten Masten war sie zu hoch, um unter der historischen Koningshaven-Brücke hindurchzupassen. Als die Werft vorschlug, Teile der Brücke vorübergehend zu demontieren, organisierten Anwohner Proteste. Die Yacht verließ die Werft schließlich nachts und ohne Masten – die Brücke blieb unberührt.
Lauren ist immer dabei
Bekannt ist die „Koru“ auch für ihren Bugschmuck: einer lebensgroßen, vergoldeten Frau am Vorderschiff, die Bezos' Ehefrau Lauren Sánchez ähneln soll. Ein Detail, das die Wiedererkennung des Schiffs weiter erhöht – und damit das von der anonymen Quelle beschriebene Privatssphärenproblem verschärft.
Koru als Ablenkungsmanöver
Branchenkenner zweifeln daran, dass der Verkauf tatsächlich zustande kommt. Die Baukosten lagen im mittleren neunstelligen Eurobereich, Bezos wartete fünf Jahre auf das Schiff – und mit einem aktuellen Vermögen von rund 238 Milliarden Euro ist er die viertreichste Person der Welt. Er kann sich jede Yacht leisten. Die Fachzeitschrift „Yacht“ schrieb, der Verkauf eines so außergewöhnlichen Schiffs nur drei Jahre nach der Übernahme wirke „unwahrscheinlich“ – und spekulierte, Bezos könnte das Schiff auch als Ablenkungsmanöver nutzen, während er selbst unauffällig auf einem kleineren Boot unterwegs ist.
Derzeit liegt die „Koru“ laut Schiffsverfolgungsdaten in Französisch-Polynesien. Einen Käufer zu finden, der bereit und in der Lage ist, 500 Millionen Dollar für ein Schiff auszugeben, das in keinen der begehrten Häfen der Welt passt, dürfte auch in den obersten Etagen des globalen Reichtums eine Herausforderung sein.
Sehen Sie auf den folgenden Seiten die 10 längsten Yachten der Welt – und auf welchem Platz die Koru angelegt hat. Eines vorweg: Sie ist die einzige Segelyacht in der Rangfolge.
Platz 11 – „Koru“ | 125,8 Meter
Die „Koru“ ist die größte Segelyacht der Welt – und damit die einzige Segelyacht in diesem Ranking. Das dreimastige Schiff wurde 2022 bei Oceanco im niederländischen Alblasserdam vom Stapel gelassen und 2023 an Eigentümer Jeff Bezos ausgeliefert.
Das Interieur gestaltete das Londoner Studio Mlinaric, Henry and Zervudachi. Die Masten erreichen eine Höhe von bis zu 85 Metern. Begleitet wird die „Koru“ stets von der 76 Meter langen Tender-Yacht „Abeona“, die unter anderem einen Hubschrauberlandeplatz trägt.
Platz 10 – „Serene“ | 133,9 Meter
Die „Serene“ war das erste Schiff, das die italienische Werft Fincantieri je gebaut hat – ein Unternehmen, das bis dahin vor allem Kreuzfahrtschiffe produzierte. Ausgeliefert wurde das 134-Meter-Schiff 2011 an den russischen Milliardär Juri Scheffler, bekannt als Eigentümer der Stolichnaya-Wodka-Marke. Unter anderem Bill Gates charterte einst das Schiff für fünf Millionen US-Dollar pro Woche.
2015 sah Mohammed bin Salman, heute Kronprinz Saudi-Arabiens, das Schiff während eines Urlaubs in Südfrankreich – und kaufte es dem Eigner spontan für rund eine halbe Milliarde Dollar ab. Berichten zufolge soll an Bord auch Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ hängen, das teuerste je versteigerte Gemälde der Welt.
Platz 9 – „Hadar“ (ehemals „Flying Fox“) | 136,2 Meter
Die 2019 von Lürssen gebaute Yacht wurde ursprünglich für den russischen Milliardär Dmitri Kamenschtschik gebaut, dem Eigentümer des Moskauer Flughafens Domodedowo, und stand als „Flying Fox“ als Charteryacht zur Verfügung. Zu den prominenten Charternutzern zählten Beyoncé und Jay-Z, die das Schiff für Beyoncés 40. Geburtstag nutzten. 2022 wurde das Schiff wegen seiner Verwaltung durch ein mit russischen Oligarchen verbundenes Unternehmen mit US-Sanktionen belegt.
2025 wurde es an die Königsfamilie von Abu Dhabi verkauft. Nach einem umfangreichen Refit bei Lürssen in Hamburg wurde das Schiff in „Hadar“ umbenannt und steht seither nicht mehr zur Charter bereit.
Platz 8 – „A+“ (ehemals „Topaz“) | 147,25 Meter
Das Schiff, früher unter dem Namen „Topaz“ bekannt und heute als „A+“ geführt, wurde 2012 von Lürssen gebaut. Eigentümer ist Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan, Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate – der damit zusammen mit der „Blue“ und der neu erworbenen „Hadar“ gleich drei Schiffe aus diesem Ranking besitzt. Alle drei Yachten wurden von Lürssen gebaut; ihr kombinierter Schätzwert liegt bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar.
Platz 7 – „Al Said“ | 155 Meter
Bei ihrer Auslieferung im Jahr 2008 zählte die „Al Said“ zu den längsten Privatyachten der Welt. Das von Lürssen gebaute Schiff gehört dem Sultan von Oman und verfügt über einen Konzertsaal, der einem ganzen Sinfonieorchester Platz bietet. Zusammen mit der „Fulk Al Salamah“ auf Platz 2 bildet sie die Königliche Yachtflotte des Sultanats – womit Oman als einziges Land gleich zwei Schiffe in diesem Ranking stellt.
Platz 6 – „Dilbar“ | 156 Meter
Die „Dilbar“ hält den Rekord beim Innenraumvolumen: Mit einem Bruttoraumgehalt von 15.917 Tonnen ist sie die größte Yacht der Welt nach Volumen – deutlich mehr als die längere „Azzam“ mit 13.136 Tonnen.
Das Schiff gehört Alischer Usmanow, dem usbekisch-russischen Milliardär, und wurde 2016 von Lürssen gebaut. An Bord befindet sich ein 25 Meter langer Swimmingpool – der größte, der je auf einer Superyacht installiert wurde – sowie zwei Hubschrauberplattformen.
Platz 5 – „Blue“ | 160 Meter
Die „Blue“ wurde 2022 von Lürssen gebaut und ist damit das jüngste Schiff in diesem Ranking. Eigentümer ist Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan – womit der Abu-Dhabi-Scheich zusammen mit der „A+“ und der „Hadar“ gleich drei Schiffe in dieser Liste besitzt, alle gebaut von Lürssen.
Die „Blue“ ist mit einem diesel-elektrischen Hybridantrieb und einem Azimut-Pod-Antriebssystem ausgestattet und gilt als eines der technisch fortschrittlichsten Schiffe ihrer Klasse. Der geschätzte Kaufpreis liegt bei rund 600 Millionen US-Dollar.
Platz 4 – „Dubai“ | 162 Meter
Die „Dubai“ wurde ursprünglich von Prinz Jefri von Brunei in Auftrag gegeben, das Projekt wurde jedoch nach einigen Jahren mit halbfertigem Rumpf eingestellt. Das Gemeinschaftsprojekt von Blohm+Voss und Lürssen wurde schließlich 2006 fertiggestellt und gehört heute Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum, dem Herrscher des Emirats Dubai. Vier MTU-Dieselmotoren verleihen dem Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von 26 Knoten. An Bord befinden sich ein Nachtclub, ein Kino, ein Atrium sowie ein Hangar für ein U-Boot The Gentlemans Journal + 2
Platz 3 – „Eclipse“ | 162,5 Meter
Die „Eclipse“ wurde von der Hamburger Werft Blohm+Voss gebaut und 2010 an Roman Abramowitsch ausgeliefert. Bei ihrer Fertigstellung galt sie als die längste Privatyacht der Welt.
Das Schiff verfügt über 18 Gästekabinen für bis zu 36 Gäste sowie zwei Hubschrauberplattformen. Ein 16 Meter langer Swimmingpool lässt sich in eine Tanzfläche umwandeln. Berichten zufolge soll auch ein Mini-U-Boot an Bord sein.
Platz 2 – „Fulk Al Salamah“ | 164 Meter
Die „Fulk Al Salamah“ wurde 2016 von der italienischen Werft Mariotti in Genua gebaut. Das Schiff fungiert als sogenanntes „Royal Support Vessel“ des Sultanats Oman – es bereist die Welt, um diplomatische Beziehungen zu pflegen und omanische Kultur zu präsentieren. An Bord befinden sich neben einem Kino und einem Schönheitssalon auch Prunkstücke der Automobilsammlung der omanischen Herrscherfamilie. Für Schiffsführung und Gästeservice steht eine fast 300-köpfige Besatzung zur Verfügung.
Platz 1 – „Azzam“ | 180,6 Meter
Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2013 hält die von Lürssen gebaute „Azzam“ den Rekord als längste Privatyacht der Welt. Das Schiff wurde von Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, in Auftrag gegeben.
Er verstarb 2022. Aktueller Eigentümer ist dessen Nachfolger Mohammed bin Zayed Al Nahyan. Trotz ihrer Größe soll die „Azzam“ Geschwindigkeiten von über 32 Knoten erreichen – außergewöhnlich für ein Schiff dieser Dimension. Das Äußere stammt von Nauta Design, das Interieur von Christophe Leoni in einem an das französische Empire angelehnten Stil mit aufwendigen Perlmutt-Intarsien