Fallstudie Wie Feri die GIPS im Privatkundengeschäft einführte

Ist seit 2016 Vorstand der Fereal, der deutschen KVG-Tochter der Feri-Gruppe: Andreas Schmidt-von Rhein

Ist seit 2016 Vorstand der Fereal, der deutschen KVG-Tochter der Feri-Gruppe: Andreas Schmidt-von Rhein

Bruttorendite, Total Expense Ratio, Volatilität, Strategieportfolio, Anlegerrendite, Investmentstrategien, Track Record, Referenzportfolio, Time Weighted Return, Streuung, Verwaltungsgebühr und vieles mehr. Nicht selten schwirrt Anlegern irgendwann der Kopf, wenn sie sich für einen bestimmten Vermögensverwalter interessieren und versuchen, dessen Leistungsfähigkeit zu beurteilen.

Zu unterschiedlich, zu lückenhaft, zu unklar erscheinen oft die verfügbaren Informationen. Dies ist nicht selten gepaart mit einer gehörigen Portion Misstrauen, ob denn die Zahlen alle korrekt berechnet wurden. Dabei bietet dem Vermögensverwalter gerade das aktive Anlegerinteresse in dieser Frühphase einer Kundenbeziehung die Chance, durch ein faires, offenes Auftreten zu punkten.

Das Problem in der Praxis ist jedoch, dass diese Chance oft sehr kurzsichtig umgesetzt wird. Bekannt ist beispielsweise das sogenannte Cherry Picking: Dabei wird die Performance von (bisher) erfolgreichen Investmentstrategien gezeigt, der Rest aber nicht erwähnt. Wenn später andere Strategien besser laufen, werden einfach diese hervorgehoben.

Beliebt sind auch Rankings, die verschiedene Anbieter einer Anlagestrategie untereinander vergleichen. Selten ist aber klar, wie die Strategien inhaltlich genau definiert sind, ob Musterportfolios oder echte Anlegergelder dahinterstehen, gegen welche Benchmark sie laufen oder zu welchen Gesamtgebühren sie angeboten werden.

Die oben beschriebenen Probleme sind keineswegs neu. Schon in den 80er Jahren beklagten sich institutionelle Investoren in den USA über die Intransparenz und mangelnde Vergleichbarkeit der Investmentstrategien von Vermögensverwaltern.

Aus diesem Grund entwickelte die Asset-Management-Branche sogenannte Performance Presentation Standards, die heute unter dem Begriff „Global Investment Performance Standards“, kurz GIPS, einen weltweit anerkannten Standard zur Berechnung und Präsentation der Performance von Investmentstrategien darstellen. Dieser Standard wird vom CFA-Institute in den USA getragen und ständig weiterentwickelt.

Sinn und Zweck ist, potenziellen Kunden die Managementleistung eines Vermögensverwalters transparent, fair, nachhaltig und vergleichbar darzustellen. Sie sind weniger gedacht für Bestandskunden, mit denen bereits ein konkreter Vermögensverwaltungsvertrag unter Berücksichtigung individueller Kundenrestriktionen abgeschlossen wurde.

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Kern der GIPS sind die sogenannten Composites, die die unterschiedlichen Investmentstrategien eines Vermögensverwalters abbilden. Dabei müssen alle Kundenportfolios, die nach einer gemeinsamen Investmentstrategie betreut werden, einem einheitlichen Composite zugeordnet werden.

Wichtig ist, dass alle Kundenportfolios des Vermögensverwalters Composites zugeordnet werden, dass nichts unter den Tisch gekehrt wird. Die inhaltliche Abgrenzung der Composites definiert der Vermögensverwalter – je nachdem, welche Strategien er anbietet. So sind etwa Composites nach Anlageuniversum (Multi Asset, Aktien, Renten), aber auch nach Managementstilen (aktives  oder Benchmark-nahes Management, Absolute Return, Wertsicherung) denkbar.

GIPS beziehen sich also immer nur auf die Strategieebene, nie auf die Ebene einzelner Kundenportfolios. Sie dokumentieren nur realisierte Performance, keine Prognosen, und nur tatsächlich investierte Kundenportfolios, keine Muster- oder Strategieportfolios. Etwaige Neukunden sollen einen Anspruch darauf haben, die GIPS-Präsentation der für sie interessanten Investmentstrategie mit deren Performance Track Record zu sehen. Das garantiert Transparenz und Nachhaltigkeit.