Dag Rodewald im Gespräch „Mit Währungserwartungen kann man schnell danebenliegen“

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS: „Wir bieten währungsgesicherte ETFs in jeder Assetklasse an“

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS: „Wir bieten währungsgesicherte ETFs in jeder Assetklasse an“

UBS hat kürzlich einen währungsgesicherten ETF auf den MSCI Europe gestartet. Hatten die Kunden danach gefragt?

Dag Rodewald: Die Entwicklungen in Großbritannien seit dem Brexit-Votum haben gezeigt, dass für Anleger aus dem Euroraum auch im MSCI Europe erhebliche Währungsrisiken vorhanden sind. Britische Aktien haben immerhin einen Anteil von fast 30 Prozent am Index. Daher entstand für einige Kunden das Bedürfnis, sich gegen diese Währungsrisiken abzusichern, und wir haben uns entschlossen, den MSCI Europe auch währungsgesichert anzubieten. Unser Ziel ist es, generell nur Produkte aufzulegen, für die wir auch eine tatsächliche Nachfrage sehen.

Wie funktioniert eine Währungssicherung bei Ihren ETFs?

Rodewald: Wir bewerten den Wertekorb eines ETF am vorletzten Werktag eines Monats. Dann wird ein Ein-Monats-Fremdwährungs-Forward verkauft, der dann am Ende des nächsten Monats wieder aufgelöst wird. Sofern sich ein Gewinn aus der Absicherung ergeben hat, wird dieser in die Indexbestandteile investiert. Wenn ein Verlust entstanden ist, werden Indexbestandteile verkauft. Gleichzeitig wird ein neuer Fremdwährungs-Future verkauft.

UBS sichert die Währung also nur monatlich ab. Ist das nicht zu ungenau?

Rodewald: Im Markt gibt es die Diskussion, ob eine tägliche oder eine monatliche Absicherung besser ist. Wir haben uns bei allen unseren währungsgesicherten Produkten für die monatliche Variante entschieden. Man muss einen Kompromiss aus Kosten für die Absicherung und Tracking Error finden. Je länger der Absicherungszeitraum, desto ungenauer die Währungsabsicherung. Und je kürzer der Zeitraum, desto höher die Kosten. Unsere Analysen haben ergeben, dass der Ein-Monats-Forward ein guter Kompromiss ist.

Aus welchen Gründen wählen die Kunden einen währungsgesicherten ETF?

Rodewald: Als wir 2013 die ersten Produkte mit Währungssicherung aufgelegt haben, kam der Anstoß dazu vor allem aus Gesprächen mit Pensionskassen, also längerfristig orientierten institutionellen Kunden, die strategisch keine Währungsrisiken mehr in ihren Portfolios haben wollten. Nach der Finanzkrise haben die Währungen durch den Eingriff der Notenbanken sehr stark geschwankt, solche Risiken wollten die Investoren nicht mehr. Mittlerweile haben sich die Gründe etwas verschoben. Es gibt jetzt auch viele Investoren, die die Produkte taktisch nutzen und kurzfristige Währungserwartungen mit diesen Produkten nutzen wollen.

Beobachten Sie hier zurzeit Kapitalflüsse in bestimmte Richtungen?

Rodewald: Ein Großinvestor aus dem Euroraum hat zum Beispiel bei dem Unternehmensanleihe-ETF auf den Barclays US Liquid Corporates Index von der währungsgesicherten Variante auf die nicht-gesicherte Produktklasse umgeschwenkt, da er in der nächsten Zeit einen stärkeren US-Dollar erwartet. Solche Entscheidungen sind natürlich stark von den Erwartungen der Kunden getrieben. Aber man sieht aktuell schon eine Hinwendung zum US-Dollar, also zum Verzicht auf eine Währungsabsicherung bei US-Anlagen. Es wird im Gegensatz zur Eurozone in den USA mit weiteren Zinserhöhungen gerechnet, was den Dollar grundsätzlich aufwerten könnte.

Die Ankündigungen von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank, das Anleiheprogramm künftig eventuell zu reduzieren, haben den Euro allerdings erstmal recht kräftig nach oben getrieben.

Rodewald: Ja, und jetzt stellt sich die Frage, wie viel einer Rücknahme des Anleihekaufprogramms hat der Euro-Anstieg eingepreist – schon zu viel oder geht es für den Euro noch weiter nach oben? Dies ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass die taktische Nutzung von Währungssicherungen durchaus große Risiken birgt. Bei Währungseinschätzungen kann man schnell daneben liegen. Das ist auch der Grund für viele institutionelle Investoren, dieses Risiko ganz auszuklammern.

Was bietet UBS an währungsgesicherten ETFs an?

Rodewald: Ende 2013 haben wir begonnen und für einen wesentlichen Teil unserer ETFs, die wir damals hatten, auch währungsgesicherte Varianten aufgelegt. Wir haben jeweils Absicherungen auf den Euro, US-Dollar, Schweizer Franken und das Britische Pfund, wobei deutsche Investoren vor allem Absicherungen auf den Euro nachfragen. Die anderen Produkte sind eher für Kunden aus den entsprechenden Währungsräumen. Mittlerweile bieten wir währungsgesicherte ETFs in jeder Assetklasse an, bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Hedge-Fonds. Wir haben uns als Marktführer in Europa für dieses Segment etabliert und verwalten mittlerweile mehr als 15 Milliarden Euro in währungsgesicherten ETFs. Allein in diesem Jahr hatten wir hier Zuflüsse von knapp über fünf Milliarden Euro. Das neue Produkt, der währungsgesicherte ETF auf den MSCI Europe, ist übrigens eine Ausnahme. Er ist der einzige ETF, bei dem wir Risiken mehrerer Währungen absichern. Ansonsten bieten wir die Absicherung nur für Indizes mit Werten in einer Währung.