Dass die Finanzindustrie ein beliebtes Ziel von Hackerangriffen ist, liegt auf der Hand. Denn dort gibt es nicht nur sensible Kundendaten, dort liegen auch erhebliche Vermögenswerte. Allein in Deutschland verfügten Private-Banking- und Wealth-Management-Kunden laut Zeb Consulting im Jahr 2024 über ein Vermögen von rund 6,5 Billionen Euro.
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Dass die Finanzindustrie ein beliebtes Ziel von Hackerangriffen ist, liegt auf der Hand. Denn dort gibt es nicht nur sensible Kundendaten, dort liegen auch erhebliche Vermögenswerte. Allein in Deutschland verfügten Private-Banking- und Wealth-Management-Kunden laut Zeb Consulting im Jahr 2024 über ein Vermögen von rund 6,5 Billionen Euro.
Bis 2030 wird ein Anstieg auf rund 8,5 Billionen Euro erwartet. „Damit ist das Segment wirtschaftlich attraktiv, aber eben auch ein naheliegendes Ziel für professionelle Kriminelle“, sagt Jens Wiegel, Senior-Strategieberater mit Schwerpunkt Financial Services bei Zeb Consulting.
Beispiele für solche Angriffe gibt es immer wieder. Wie jüngst der Angriff auf die Kundendaten der V-Bank und die Attacke auf die Harald Quandt Capital. Medienberichten zufolge wurde bei letztgenanntem Vorfall die Vermögensverwaltung Ziel eines Hackerangriffs, bei dem sensible Daten von Anlegern entwendet wurden. Eine Gefahr, der sich die Verwalter großer Vermögen durchaus bewusst sind.
Laut dem Family Office Operational Excellence Report 2025 von Campden Wealth halten 70 Prozent der befragten Family Offices Angriffe aus dem virtuellen Raum ihr größtes operationales Risiko, während über 60 Prozent von mindestens einer Cyberattacke berichteten. Und nach Angaben des Family Office Cybersecurity Reports 2024 der Beratungsfirma Deloitte, eine Umfrage unter 354 Single Family Offices weltweit, waren 43 Prozent bereits Ziel von Hackerangriffen.
Operative Schäden und finanzielle Verluste
Ein Drittel der Family Offices weltweit, die Opfer eines Cyberangriffs waren, haben laut der Deloitte-Umfrage Verluste oder Schäden erlitten. Dabei berichtete etwa jedes fünfte Family Office von operativen Schäden, was den Verlust vertraulicher oder sensibler Daten mit einschließt, finanzielle Verluste mussten 18 Prozent hinnehmen. Überraschend mag dabei allerdings eine andere Statistik sein: Insgesamt nämlich liegt die Finanzindustrie nur auf Platz 7 der häufigsten Zielbranchen der Cyberkriminalität.
„Tatsächlich befindet sich Manufacturing, also das produzierende Gewerbe, an Platz 1“, informiert Andy Schneider, Chief Security Officer für Zentraleuropa bei Palo Alto Networks. „Das liegt auch an den regulatorischen Vorgaben, die in der Finanzindustrie recht streng und hoch sind, in anderen Branchen aber nicht.“
Dennoch hält das Cyberkriminelle nicht davon ab, es in der Finanzindustrie zu versuchen. Und hier sind gerade Family Offices und kleinere Wealth Manager beliebte Ziele. Etwas, was für Andy Schneider nicht überraschend ist. „Man muss bedenken, dass Großbanken ganze Heerscharen an Security-Experten beschäftigen und sich sehr gut schützen können“, sagt er. „Bei kleineren Häusern dagegen sind es eben nur eine Handvoll Experten, gleichzeitig liegen dort aber auch überproportional viele Vermögenswerte und deshalb sind sie natürlich ein beliebtes Ziel.“
Diese Einschätzung bestätigt der Family-Office-Report von Deloitte. Denn trotz der Häufigkeit von Angriffen und dem damit verbundenen operationalen Risiko verfügen fast ein Drittel der Family Offices über keinen Plan für die Reaktion auf Cybervorfälle. Weitere 43 Prozent geben an, zwar einen Plan zu haben, dieser sei nach eigener Einschätzung jedoch „verbesserungsfähig“. Dagegen sagte nur ein Viertel der befragten Family Offices, über einen „soliden“ Plan zu verfügen.
Professionalisierung der Angreifer
Verschärft wird das Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden, auch dadurch, dass sich die Seite der Angreifer verändert. Waren es früher noch die einsamen Hacker im stillen Kämmerlein, die über ihren Computer versuchten, in die Banksysteme zu kommen und dort Geld abzuziehen, so ist daraus inzwischen eine richtige Industrie entstanden.
Da gibt es Hackergruppen wie Muddled Libra, die Informationen stehlen, um damit Geld zu machen, aber auch staatliche Hackergruppen, häufig aus Nordkorea, Russland oder China. „Es ist eine gigantische, nicht regulierte Industrie“, sagt Schneider. Der geschätzte jährliche finanzielle Schaden liegt bei 10,5 Billionen US-Dollar. Gemessen daran wäre es die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.
