Crowdinvesting Finanzierung: Im Schwarm unterwegs

Crowdinvesting: Finanzierung: Im Schwarm unterwegs

// //

„Ich verstehe, dass kleine und mittelgroße Investoren derzeit verzweifelt sind, was das deutsche Immobiliengewerbe angeht“, sagt Maik Rissel, Leiter des Immobilien-Portfoliomanagements der Family Office Bank Marcard, Stein & Co. Aus Hamburg. „Aber auch dieser Niedrigzins-Zyklus wird ein Ende haben. Deshalb sage ich: Lieber gar nicht investieren als schlecht investieren.“ Von Crowdinvesting, der Schwarmfinanzierung im Internet, hält er wenig. Renditeversprechen plus das Thema Wohnen als Bauträgermodell seien zwar durchaus Vertriebsargumente. „Aber wenn die Zinsen steigen, geht da ganz schnell die Luft raus.“ Deutschlandweit werden nicht mehr als zwei Plattformen überleben, ist Rissel überzeugt. Und diese werden jährlich gerade einmal einen zweistelligen Millionenbetrag investieren.

Aktuell gibt es 53 Crowdinvesting-Plattformen auf dem deutschsprachigen Markt, die ausschließlich oder teilweise Immobilien finanzieren, so der Branchenverband German Crowdfunding Network. Das Geschäftsmodell ist immer gleich: Investoren stellen über eine Internet-Plattform Mezzanine- Kapital für die Entwicklung von Neubauprojekten, die Refinanzierung oder die Revitalisierung einer Bestandsimmobilie zur Verfügung. Der Einstieg ist mal ab 250 Euro, mal ab 500 Euro möglich. Die Masse macht’s. Die Renditen liegen zwischen 3 und 7 Prozent, die Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren. Die bislang größte Schwarmfinanzierung in Europa ist das Luxusresort Weissenhaus an der Ostsee: 7,5 Millionen Euro wurden über die Plattform Companisto finanziert. Bis zum Juli 2015 haben die Plattformen in Deutschland rund 7,9 Millionen Euro für Immobilienprojekte eingesammelt. Für das gesamte vergangene Jahr wird mit 20 Millionen Euro gerechnet. Wenig im Vergleich zu vorausgesagten 1,9 Milliarden Euro weltweit. Doch die Schwarmfinanzierung im Internet wird auch in Deutschland immer beliebter.

Anders als Rissel geht Ralf Beck davon aus, dass diese junge Geschäftsform – die erste Immobilienplattform (Kapitalfreunde) startete 2012 – sich in zehn Jahren etabliert hat. Der BWL-Professor von der Fachhochschule Dortmund spricht von „enormen Entwicklungsperspektiven und neuem Schwung“ für den Markt. Schließlich hätten viele Investoren schlechte Erfahrungen mit klassischen Immobilienfonds gemacht. „Allerdings lässt sich die Geschwindigkeit der Entwicklung nur schwer vorhersagen, da es neben den dazu erforderlichen Projektangeboten ja auch um die Bereitschaft der Investoren geht, neue Wege zu gehen.“ Beck hat das Buch „Crowdinvesting – die Investition der Vielen“ geschrieben und ist Geschäftsführer der Plattform Geldwerk1, die Start-ups, Gründer und Wachstumsunternehmen finanziert.

Apropos Angebote: „Kein Vollprofi aus der Entwicklerszene wird sich von einer Crowdinvesting-Plattform finanzieren lassen. Warum auch? Es existiert keine Finanzierungslücke für gute Entwickler mit guten Projekten an guten Standorten“, so Rissel. Kein Entwickler habe Interesse daran, dass man ihn laut vermarktet. Aber genau das sei Crowdinvesting: laut. Klar, die Plattformen müssen Aufmerksamkeit erzeugen. Sie wollen ja Geld einsammeln. Wer lässt sich also überhaupt über den Schwarm finanzieren? Rissel: „Das werden Entwickler sein, die nicht ‚bankable‘ sind, keinen eigenen Track Rekord dokumentieren können, gerade erst starten oder an weniger attraktiven Standorten investieren.“ Das ist nicht grundsätzlich negativ, birgt aber ein höheres Risiko. Beck ist allerdings anderer Meinung. Laufen die Plattformen ordentlich, ist er überzeugt, dass sehr wohl gestandene Projektentwickler mit ihnen zusammenarbeiten werden. „Es gibt aber auch immer Profis, die alles ablehnen, was sie nicht kennen.“