Umfrage- und Datenauswertung Credit Suisse veröffentlicht erstmals Index zu Single Family Offices

Sitz der Credit Suisse in Zürich

Sitz der Credit Suisse in Zürich: Ein Index zeigt erstmals die Vermögensentwicklung von Single Family Offices. Foto: Credit Suisse

Größere Single Family Offices erzielen seit 2000 größere Vermögenszuwächse als kleine: Das zeigt ein Index, den die Credit Suisse erstmals für die Entwicklung von Single Family Offices berechnet hat. Dazu hat die Schweizer Großbank die eigene Datenbank durchforstet, zu der über 325 Depotstellen sowie mehr als 300 Single Family Offices in drei verschiedenen Größengruppen zählen.

Die Single Family Offices segmentiert die Credit Suisse in drei verschiedene Größen: klein sind die Institute, deren verwaltetes Vermögen bei unter 100 Millionen US-Dollar liegt. Bei mittelgroßen Family Offices liegt dieser Betrag zwischen 100 und 500 Millionen und bei großen bei mehr als 500 Millionen US-Dollar. Analysiert wurden die Regionen Asien-Pazifik, Europa und Naher Osten.

Single Family Offices orientieren sich offenbar nicht an großen US-Stiftungen

Insgesamt sind laut der Credit-Suisse-Analysten durchschnittlich 47 Prozent der Portfolios in Aktien allokiert, 29 Prozent in Bonds sowie weitere 17 Prozent in alternative Investments. Der Rest entfällt demnach auf Multi-Asset-Lösungen. 

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Die durchschnittliche Asset Allocation der untersuchten Single Family Offices
Die durchschnittliche Asset Allocation der untersuchten Single Family Offices © Credit Suisse

Die Studienautoren verweisen auch darauf, dass – entgegen einer weit verbreiteten Marktmeinung – die Single Family Offices sich offenbar nicht an der Vermögensaufteilung der großen US-Stiftungen von der Harvard- oder der Yale-Universität orientieren würden. Letztere würden eine viel höhere Private-Equity- und Alternatives-Quote aufweisen, als es bei den Single Family Offices der Fall sei.

 

Wohl aber ist der Anteil alternativer Investments bei Single Family Offices in den vergangenen Jahren gewachsen, während Anleihen immer weniger wichtig für die Vermögensanlage wurden. Große Unterschiede gibt es abhängig von der Größe des verwalteten Vermögens. Denn: Große Family Offices investieren fast zwei Drittel des verwalteten Vermögens in Aktien. Bei den kleinen Instituten liegt ihr Anteil gerade einmal bei 45 Prozent. Sowohl die Anleihen-Allokation als auch der Anteil der alternativen Anlagen sind dagegen größer.

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Die durchschnittliche Asset Allocation der Single Family Offices nach Höhe des verwalteten Vermögens
Die durchschnittliche Asset Allocation der Single Family Offices nach Höhe des verwalteten Vermögens © Credit Suisse

Das wirkt sich offensichtlich auch auf die Performance aus. Kleinere Single Family Offices liegen seit Jahresanfang mit über 6 Prozent im Minus, mehr als 9 Prozent sind es bei den mittelgroßen und über 12 Prozent bei den großen Single Family Offices. „Da sie stärker in Aktien investiert sind, profitierten große Single Family Offices von der Erholung in den Jahren 2020 und 2021 mehr als kleine und mittelgroße Single Family Offices, verloren aber umgekehrt relativ mehr als kleine und mittlere Single Family Offices seit dem Beginn des Abschwungs“, schreiben die Credit-Suisse-Analysten. Seit Anfang der Datenerhebung im Jahr 2020 liegen große Family Offices allerdings vor ihren kleineren Verwandten.

Aktien drücken Performance der Single Family Offices in diesem Jahr

Aktien waren die Anlageklasse, die den Single Family Offices seit Jahresbeginn mit durchschnittlich -6,48 Prozent die größten Verluste einbrachte, bei Anleihen waren es -1,62 Prozent. Eine schmale Rendite warfen dagegen einzig die alternativen Anlagen mit 0,57 und die Rohstoffinvestments mit 0,10 Prozent ab. Regionale Unterschiede gibt es dagegen kaum, wobei asiatische Family Offices seit Anfang des Jahres eine leicht bessere Rendite erzielen konnten, als ihre Pendants aus Europa und dem Nahen Osten. 

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Die durchschnittliche Performance der Single Family Offices nach verwaltetem Vermögen
Die durchschnittliche Performance der Single Family Offices nach verwaltetem Vermögen © Credit Suisse

Auch die alljährliche Studie der Credit Suisse offenbart Einblicke in die Arbeit der Single Family Offices: Im operativen Geschäft ist für die Family Officer die Einbindung von Familienangehörigen und der Generationenübergang die größte Herausforderung. „Uns liegt daran, die nächste Generation mit einzubinden, doch das fällt nicht leicht. Das Familienoberhaupt gibt ihnen oft eher Geld, damit sie ein eigenes Unternehmen gründen und selbst erfolgreich sein können, als sie im Single Family Office mit entscheiden zu lassen“, erklärt Thomas Rohner, geschäftsführender Direktor bei der Schweizer Credit Suisse.

Einbindung kommender Generationen muss noch ausgebaut werden

So gaben nur 60 Prozent der befragten Entscheidungsträger aus 116 Single Family Offices an, dass die nächste Generation bereits eingebunden ist. In 31 Prozent der Fälle ist sie nicht beteiligt, im Rest der Single Family Offices gibt es keine nächste Generation. Rund zwei Drittel der Family Officer gehen aber davon aus, dass sich die Strategie mit der neuen Generation kaum verändert, während 28 Prozent der Fälle einen erheblichen Strategieschwenk erwarten. „Ich gehe davon aus, dass die nächste Generation – und die darauffolgende um so mehr – offener sein wird bei der Einbindung der Jüngeren“, erklärt Rohner.

 

Bei der Anlagestrategie haben sich auch für Single Family Offices die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert. Vermögenserhalt liegt nun teilweise vor Vermögensvermehrung: 54 Prozent der Befragten sehen die Asset Allocation als Herausforderung an, 47 Prozent die Erreichung der Renditevorgaben. Die Anlagestrategie gilt bei Family Offices mit einem Vermögen von mehr als 500 Millionen US-Dollar eher als Problem als bei kleineren Pendants. Bei der regionalen Diversifizierung sehen sich kleine Family Offices eher einer Herausforderung gegenüber.

Einflussnahme der Familie sinkt mit Höhe des verwalteten Vermögens

Interessant ist: Während in Asien-Pazifik in 51 Prozent der Fälle Mitglieder der Familie zentrale Anlageentscheider sind, liegt die Quote im Emea-Raum nur bei 39 Prozent. Verwaltet ein Family Office mehr als 500 Millionen Euro, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Mitglieder der Familie einen nicht mehr ganz so großen Einfluss auf die Anlageentscheidungen nehmen. Bei kleineren Family Offices entscheiden Familienmitglieder in zwei Drittel der Fälle bei der Strategie mit.

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Wie Single Family Offices in den Private Markets investieren
Wie Single Family Offices in den Private Markets investieren © Credit Suisse

Wenn Single Family Offices in die Private Markets investieren, sind persönliche Beziehungen für die Befragten immer noch sehr wichtiger Marktzugang. Gerade in der Region Asien-Pazifik kommen 78 Prozent der Family Officer so an entsprechende Deals. In Europa liegt der Anteil bei nur 66 Prozent. Ursächlich sei dabei auch der Reifegrad des europäischen Marktes, schreiben die Studienautoren. 

Single Family Offices setzen für Direktinvestments auf interne Analyse

Bei der Entscheidung für einzelne Branchen in den Private Markets zeigen sich regionale Vorlieben: Asiatische Single Family Offices investieren eher als Europäer in IT und Bildung. Und auch bei der Größe offenbaren sich Unterschiede. Größere Single Family Offices investieren häufiger in Immobilien und Gesundheitsvorsorge als kleinere.

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Welche Art von privaten Platzierungen Single Family Offices eingehen
Welche Art von privaten Platzierungen Single Family Offices eingehen © Credit Suisse

Außerdem geben 58 Prozent der Befragten an, dass ihre Privatplatzierungen durch interne Kapazitäten bewertet werden können. Je größer das Single Family Office ist, desto eher gibt es auch entsprechendes Personal. Jeweils rund ein Drittel der Family Offices verlassen sich auf die Due Diligence der Hauptinvestoren oder haben unabhängige Berater für die Analyse der Anlagen. Entscheidend für die Investments ist zudem die Qualität des Gründers oder des Managementteams. „Der Markt für Beratungsdienste ist in Europa weiter fortgeschritten, daher läuft hier ein wesentlicher Teil der Finanzierung von Deals über Banken und Finanzsponsoren“, erklärt Alex Tomas von der Credit Suisse.

Bei nachhaltigen Investments fehlt vielen Family Officern noch die Möglichkeit entsprechender Anlagen, gerade im Bereich direkter Impact-Investitionen sowie maßgeschneiderter Impact-Fonds-Mandate oder -Portfolios. Der geschätzte Anteil des Portfolios, der nach Grundsätzen der Nachhaltigkeit und des Impact Investings angelegt ist, liegt laut Studie bei 55 Prozent.

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Welche Rolle Nachhaltigkeit schon bei Single Family Offices spielt
Welche Rolle Nachhaltigkeit schon bei Single Family Offices spielt © Credit Suisse