Steuerbetrug Credit-Suisse-Kunden: Steuerlos im Bermuda-Dreieck

Schwarzgeld gefunden - darauf können Steuerfahnder anstoßen.  | © Getty Images

Schwarzgeld gefunden - darauf können Steuerfahnder anstoßen. Foto: Getty Images

Wieder scheint es ein Datenleck bei der Credit Suisse zu geben. Offiziell war die Schweizer Bank davon ausgegangen, dass Deutschland, nachdem die Bank eine Strafe gezahlt hat, das Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung einstellt. Doch gestern durchsuchten Steuerfahnder wieder Wohnungen von Kunden der Bank: Neue Daten hätten gezeigt, dass die Credit Suisse unversteuertes Vermögen in sogenannten Bermuda-Produkten, Scheinlebensversicherungen, hortet.

Wie die Fahnder an die neuen Daten kamen, ist unklar und die Behörden äußern sich nicht zu dem Fall. Andererseits ist klar, dass es um sehr hohe Summen geht: Laut dem „Handelsblatt“ wird gegen rund 7000 Kunden, zumeist Deutsche, ermittelt. Sie sollen im Schnitt 500.000 Euro zur Seite gelegt haben. Aber auch Kunden mit zwölf Millionen Euro Schwarzgeld seien unter den Verdächtigen.

Die Credit Suisse sieht sich selbst von den Untersuchungen nicht betroffen – schließlich unterschrieben die Kunden, dass sie ihr Geld selbstständig und richtig versteuern. Außerdem verkaufe man die Bermuda-Produkte seit 2009 nicht mehr.

Bei den sogenannten Bermuda-Lebensversicherungen handelt es sich um Scheinlebensversicherungen, die Steuerhinterziehung erleichtern. Dazu schließt der Kunde eine Lebensversicherung mit der Credit Suisse Life Bermuda ab. Eine Lebensversicherung hat gegenüber einem Konto den Vorteil, dass die Erträge während der Laufzeit, und manchmal auch die Auszahlungen, steuerfrei sind. Dieser Versicherungsmantel genannter Trick ist an sich noch legal. Gesetzeswidrig ist allerdings, die Versicherung mit unversteuertem Geld zu bezahlen. Doch genau das taten viele Kunden der Credit Suisse, laut einem vom „Handelsblatt“ zitierten Berater. Die Kunden gingen davon aus, dass nach zwölf Jahren Laufzeit der Lebensversicherung aus dem eingezahlten Schwarzgeld normales „Weißgeld“ wird – schließlich verjährt Steuerhinterziehung nach zehn Jahren.

Doch nicht nur das eingezahlte Schwarzgeld wird den Kunden nun zum Problem: Viele abgeschlossene Lebensversicherungen der Bermuda-Bank erfüllen nicht die Bedingungen, damit Deutschland sie als steuerfrei anerkennt.

Trotz des neuen Skandals sehen Anbieter eine rosige Zukunft für Versicherungsmantel-Anlagen voraus: Durch das zwischen Deutschland und der Schweiz vereinbarte Steuerabkommen könnten Kunden ihre Schwarzgelder pauschal nachversteuern – und so legal Geld „sparen“.