Corona-Krise Nachhaltigkeitsbeirat fordert mehr grüne Anleihen

Beiratsmitglied Silke Stremlau: Im Tagesgeschäft arbeitet sie im Vorstand der Hannoverschen Kassen.  | © Hannoversche Kassen

Beiratsmitglied Silke Stremlau: Im Tagesgeschäft arbeitet sie im Vorstand der Hannoverschen Kassen. Foto: Hannoversche Kassen

Der im vergangenen Jahr gegründete Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung hält es für unverantwortlich, wenn Konjunkturprogramme zur Bekämpfung der Corona-Krise mit festgeschriebenen Klimazielen und den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) nicht im Einklang stehen. Das geht aus einer aktuellen Stellungnahme des Expertenbeirats hervor.

Silke Stremlau, Vorstandsmitglied der Pensionseinrichtung Hannoversche Kassen und Mitglied des Beirats kommentiert: „Wir erleben gerade eine Zäsur in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Wenn Phase 1 und 2 der Pandemieeindämmung und der Abfederung der wichtigsten ökonomischen Krisen überwunden sind, ist es wichtig zu schauen, welche Wirtschaft wir wollen und welche Weichen Richtung Nachhaltigkeit wir jetzt stellen können und müssen. Der Mensch lernt in Krisen – daher gibt es jetzt die einmalige Chance in einer radikalen nachhaltigen Neuorientierung unserer Gesellschaft."

Der Expertenbeirat räumt ein, dass der Fokus derzeit auf der kurz- und mittelfristigen Bewältigung der Krise liegt. Die dafür mobilisierten Kräfte und Ressourcen würden sehr langfristig wirkende Effekte haben und müssten deswegen gleichermaßen dazu beitragen, langfristige Herausforderungen zu lösen – insbesondere die Transformation der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität und mehr Nachhaltigkeit.

Entsprechend müssten politische Entscheidungsprozesse konsequent daran ausgerichtet werden, welche wirtschaftlichen Strukturen und Entwicklungen in der Zukunft als tragfähig erachtet werden. Dies zahle sich im Kontext der Finanzmärkte etwa in stabilen und resilienten Märkten aus, argumentiert der Beirat. Gesamtwirtschaftlich gehe es darum, ein nationales und internationales Wirtschaftssystem zu schaffen, das die Grenzen des Planeten berücksichtige und diese in Einklang mit den politischen Zielen und Verpflichtungen bringe.

Für die erhöhte Kreditaufnahme der Bundesrepublik und der Bundesländer im Zuge der Bewältigung der Corona-Krise bietet sich nach Einschätzung des Nachhaltigkeitsbeirats an, mehr grüne Anleihen aufzulegen. Damit ließen sich die negativen ökonomischen und sozialen Folgen der Covid-19-Pandemie bekämpfen und mildern. Gleichzeitig würden damit interessante Produkte geschaffen. Das könnte dem Segment in Deutschland einen entscheidenden Schub verschaffen. 2019 hat der Mischkonzern Baywa erstmals Green Bonds emittiert.

Ferner setzt sich der Nachhaltigkeitsbeirat der Bundesregierung für bessere Rahmenbedingungen ein, mit denen mehr nachhaltige Projekten in Industrie und Infrastruktur in Deutschland und Europa geschaffen werden. Die damit einhergehenden Investitionsmöglichkeiten für Anleger seien von besonderer Bedeutung. Ferner plädiert der Beirat für die Entwicklung staatlicher Garantiesysteme für nachhaltige Investitionen.